Erinnerungen an Breitscheidplatz-Attentat

Das Entsetzen danach: So reagiert Berlin auf die Amokfahrt

Trauer und Entsetzen: Blumen für die getötete Person nach der Amokfahrt in Berlin.

Trauer und Entsetzen: Blumen für die getötete Person nach der Amokfahrt in Berlin.

Berlin. Am Donnerstag ist wieder ein Stück Normalität eingekehrt auf der Tauentzienstraße, dem Ort, an dem am Tag zuvor ein 29-jähriger Mann in eine Schulklasse raste und eine Lehrerin tötete. Am Tag danach erinnern vor allem die verblieben Markierungen der Ermittler auf Fahrbahn und Fußweg an die Tat, die mittlerweile als Amokfahrt bezeichnet wird.

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Das Tatfahrzeug ist längst abtransportiert, eine Glaserei erneuert bereits die Schaufensterscheibe der Parfümerie, in dem der mutmaßliche Täter mit seinem Kleinwagen zum stehen kam. Die Berliner Stadtreinigung sammelt letzte Reste des Absperrbandes ein, mit dem der gesamte Bereich weiträumig abgesperrt wurde.

Schock und Trauer nach mutmaßlicher Amokfahrt von Berlin

Die mutmaßliche Amokfahrt von Berlin hat den hessischen Ort Bad Arolsen schockiert. Am Tag nach dem Vorfall ist die Bestürzung noch immer groß.

Touristinnen und Touristen auf dem Breitscheidplatz sind an diesem Vormittag nur wenige unterwegs. Allerdings lassen sich auch schon wieder Schulkassen beobachten, die die Gedächtniskirche und das umliegende Zentrum West-Berlins besichtigen.

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„Wut.“ So beschreibt eine Besucherin aus Nordrhein-Westfalen ihre Reaktion auf die schrecklichen Nachrichten. Auf ihre Reise hätte das allerdings keinen Einfluss gehabt. Gleich gehe der Zug zurück, davor wolle man sich die letzten Sehenswürdigkeiten nicht entgehen lassen.

Erinnerung an den Terroranschlag von 2016

Als die Nachricht Mittwoch bekannt wurde, ist die Pfarrerin der Gedächtniskirche, Kathrin Oxen, gleich zum Ort des Geschehens geeilt. Ihre Kirche wurde im Zuge der Tat sofort zur Sammelstelle für Augenzeugen des Anschlags. Gemeinsam mit einer zufällig anwesenden Pfarrersgruppe hat die Theologin so für erste Seelsorge gesorgt, noch bevor die Notfallseelsorger eintrafen. Die Kirche sei zu diesem Zeitpunkt ein „Zufluchtsort“ gewesen.

Bei ihr haben die Ereignisse gleich Erinnerungen an das Amri-Attentat vor sechs Jahren geweckt. „Ich habe wirklich gedacht: Bitte nicht schon wieder“ berichtet die Pfarrerin dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Sie möchte nicht, dass ihre Kirche nur für die beiden Anschläge Bekanntheit erlangt. Dennoch hat sie mit der Gemeinde einen Gedenkort mit einer Kerze eingerichtet. „Die Leute kommen und suchen diesen Ort“, erzählt Oxen.

Auto rast in Menschenmenge: So ist die Lage am Breitscheidplatz in Berlin

Ein schrecklicher Zwischenfall ereignete sich am Mittwoch rund um die Berliner Gedächtniskirche. Mindestens ein Mensch kam ums Leben, mehrere sind verletzt.

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Nach derzeitigen Erkenntnissen liegen noch sieben Schülerinnen und Schüler schwer verletzt in Berliner Krankenhäusern. Sieben weitere von ihnen wurden leicht verletzt. Ein betreuender Lehrer befindet sich noch in Lebensgefahr. Darüber hinaus wurden 17 Personen mit unterschiedlich schweren Verletzungen medizinisch behandelt.

Gefahr von Einflussnahme

Warum gerade bindungsorientierte Eltern empfänglich für rechte Propaganda sind

Eltern wollen Kinder heute anders erziehen. Das ist gut so, sagt die Journalistin und Autorin Nora Imlau, aber auch gefährlich: Gerade bei Eltern, die auf Bindung und Beziehung setzen, seien rechte Ideologien besonders anschlussfähig. Wie sich Eltern vor Vereinnahmung schützen können, erklärt Imlau im RND-Interview.

Täter ist laut Staatsanwaltschaft paranoid-schizophren

Laut der Berliner Staatsanwaltschaft hat der Verdächtige eine paranoide Schizophrenie. Er hat seine behandelnden Ärzte mittlerweile von der Schweigepflicht entbunden und soll noch am Donnerstag einem Ermittlungsrichter vorgeführt werden, um dann die Zeit bis zum Prozess in einer Psychiatrie zu verbringen. Die handgeschriebenen Plakate mit Bezug zum Bergkarabach-Konflikt, die im Tatwagen gefunden wurden, hätten keinen Bezug zur Tat.

An der Rankestraße legen Passantinnen und Passanten am Donnerstagmorgen Blumen nieder. Darunter ist auch eine Mutter, die die Berichte schockiert haben. „Ich habe auch zwei Kinder, die ins Gymnasium gehen. Die fahren auch nächste Woche auf Klassenfahrt und niemand weiß, ob sie zurückkommen“, berichtet sie unter Tränen.

Auch der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow, hat sich erschüttert über die Todesfahrt gezeigt. „Seit dem Terroranschlag am Breitscheidplatz vor sechs Jahren hat man Konzepte zum Schutz belebter Plätze vor Amokfahrten hierzulande verbessert“, sagte er dem RND. Dazu zähle auch der verstärkte Einsatz von Pollern. Doch auch die seien nutzlos, wenn der Täter auf Grün für Fußgänger warte, um diese gezielt zu töten. „Einen hundertprozentigen Schutz vor solchen Attacken wird es nie geben.“

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