Applaus für die ersten Kunden: Frankreich macht einen Schritt in Richtung Normalität

Wie in ganz Frankreich öffnete auch in Paris die Außengastronomie wieder.

Wie in ganz Frankreich öffnete auch in Paris die Außengastronomie wieder.

Paris. Sie wirken so entspannt, als sei es das Normalste der Welt für einen französischen Präsidenten und seinen Premierminister, an einem windig-regnerischen Mittwochmorgen einen Espresso auf der Terrasse eines Pariser Cafés zu trinken. Ja, Emmanuel Macron und Jean Castex bestellen sogar „noch mal zwei“ und plaudern ausgiebig mit den Servicekräften, bevor sie die Straße Rue Mirosmesnil ein paar Meter entlang flanieren, dicht gefolgt von ihren Sicherheitsleuten und begleitet von Fernsehkameras.

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Hier herrscht Betriebsamkeit, denn die Boutiquen in diesem schicken Viertel, das nur einen Steinwurf vom Elysée-Palast entfernt liegt, bereiten sich auf die Wiedereröffnung in wenigen Stunden vor. Seit 20. März waren alle Geschäfte in Frankreich, die als „nicht essentiell“ eingestufte Produkte verkaufen, geschlossen, die Cafés und Restaurants sogar seit Herbst. Dass nun wieder mehr Leben in die französische Hauptstadt zurückkehrt, stellten Macron und Castex mit ihrem medienwirksamen Kaffeetrinken zur Schau.

Schlangen vor dem Louvre

„Paris sera toujours Paris“, „Paris wird immer Paris sein“ heißt ein altes Chanson von Maurice Chevalier, doch in Coronavirus-Zeiten war die französische Hauptstadt nicht mehr ganz sie selbst. Hinter den Vitrinen von Cafés und Restaurants stapelten sich die Stühle auf den Tischen, die meisten Boutiquen, Theater, Museen und Kinos blieben geschlossen – so vieles von dem, was sonst das Leben von Paris aus- und es zur meistbesuchten Stadt der Welt macht. Am Mittwoch aber bildeten sich vor dem Louvre, dem Musée d’Orsay und anderen Museen Schlangen an Menschen, die ihre Eintrittskarten vorab reserviert hatten. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kaufhauses Galeries Lafayette begrüßten die ersten Kundinnen und Kunden um 10 Uhr morgens mit Applaus.

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Besucherinnen und Besucher betrachten „Das Floß der Medusa“ des französischen Malers Theodore Gericault im Louvre-Museum.

Besucherinnen und Besucher betrachten „Das Floß der Medusa“ des französischen Malers Theodore Gericault im Louvre-Museum.

Seit Mittwoch befindet sich Frankreich in der zweiten Stufe der schrittweise angekündigten Rückkehr zur Normalität. In allen Departements mit einem Inzidenzwert von unter 400 – landesweit liegt er bei knapp 150 – durften die Terrassen von Bars, Cafés und Restaurants, Kultureinrichtungen sowie Geschäfte wieder öffnen, wenn auch jeweils mit Beschränkungen der Personenzahl. Die nächtliche Ausgangssperre beginnt erst um 21 Uhr statt wie bisher 19 Uhr.

Impfkampagne nimmt Fahrt auf

Als Präsident Macron vor einigen Wochen den Plan der Lockerungen ankündigte, herrschten noch Skepsis und Beunruhigung vor: Medizinerinnen und Mediziner sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler warnten vor dramatischen Folgen, die Lage in den Krankenhäusern war in vielen Teilen des Landes kritisch. Diese hat sich aber inzwischen entspannt, und auch die französische Impfkampagne nahm nach einem holperigen Start an Fahrt auf: Inzwischen haben mehr als 21 Millionen Personen in Frankreich eine erste Impfdosis erhalten und über 9,1 Millionen davon auch bereits eine zweite.

Doch wird Paris wieder ganz das alte Paris, werden die anderen Städte und Regionen Frankreichs, die so stark von der Tourismus- und der Kulturindustrie abhängen, sich von den Folgen der Pandemie und der Lockdowns erholen? Der französische Staat hat in den vergangenen Monaten mehrere Milliardenpakete geschnürt, um besonders betroffene Branchen zu unterstützen und viel Kurzarbeitergeld gezahlt, um eine Welle der Pleiten und Entlassungen zu verhindern. Es werde ein schwieriges Jahr für seine Branche, sagte der Starkoch Thierry Marx. „Aber wenn wir die Zähne zusammenbeißen, werden viele von uns durchkommen.“

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