Erstes Urteil lautete auf Totschlag

13-Jähriger in Berliner Park erstochen: Angeklagter im zweiten Prozess wegen Mordes verurteilt

Eine Rose und eine Kerze wurden in der Unterführung zum Monbijoupark im Bezirk Mitte abgelegt. Ein 13-jähriger Junge war hier zuvor bei einem Streit tödlich verletzt worden. (Archivbild)

Eine Rose und eine Kerze wurden in der Unterführung zum Monbijoupark im Bezirk Mitte abgelegt. Ein 13-jähriger Junge war hier zuvor bei einem Streit tödlich verletzt worden. (Archivbild)

Berlin. Eine tödliche Messerattacke gegen einen 13-jährigen Jungen in einem Berliner Park ist in einem neu aufgelegten Prozess als Mord gewertet worden. Das Landgericht der Hauptstadt verhängte gegen den 42-jährigen Angeklagten am Dienstag eine lebenslange Freiheitsstrafe. Der Angeklagte, der dem ihm unbekannten Jungen nach gegenseitigen Beleidigungen ein Messer in die Herzgegend gestoßen hatte, war im ersten Prozess zu zwölf Jahren Haft wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden.

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Auf die Revision der Nebenklage hatte der Bundesgerichtshof (BGH) die Entscheidung hinsichtlich des Schuldspruchs wegen Totschlags aufgehoben und eine neue Verhandlung zu rechtlichen Bewertungen vor einer anderen Strafkammer des Landgerichts angeordnet.

In der Nacht vom 31. Oktober zum 1. November 2020 wurde im Monbijoupark in Berlin ein 13-jähriger Junge von einem 42 Jahre alten Mann erstochen.

In der Nacht vom 31. Oktober zum 1. November 2020 wurde im Monbijoupark in Berlin ein 13-jähriger Junge von einem 42 Jahre alten Mann erstochen.

Der Mann mit türkischer Staatsbürgerschaft und der palästinensische Junge waren sich Ende Oktober 2020 in einem Tunnel unter der S-Bahn am Monbijoupark zufällig begegnet. Der 13-Jährige habe auf ein Handy geschaut und die Begleiterin des Angeklagten beinahe angerempelt. Es sei zu einem kurzen, hitzigen Wortwechsel gekommen, hieß es weiter im Urteil. Der Angeklagte, ein wegen Gewalttaten vorbestrafter und zu Impulsausbrüchen neigender Mann, habe sein Messer gegen einen Unbewaffneten gezogen.

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Angeklagter verlässt während der Urteilsbegründung den Gerichtssaal

„Möglicherweise wollte er drohen“, sagte die Vorsitzende Richterin. Doch der junge Kontrahent „wich nicht zurück, griff aber auch nicht an“. Mit einem gezielten Stich in die Brust habe er den 13-Jährigen getötet. Der Angeklagte habe die Beleidigungen durch einen Jüngeren nicht hinnehmen wollen - „eine völlig übertriebene Reaktion“. Die psychiatrische Gutachterin hatte auch erklärt, es handele sich um einen Mann, der „Minderwertigkeitsgefühle durch klischeehaftes Männlichkeitsgebaren“ kompensiere.

Der Angeklagte hatte im neu aufgelegten Prozess erklärt, er habe „aus Angst und Panik“ das Messer gezogen. „Ich hatte nie vor, jemanden zu verletzen“, sagte der Mann. Dass es sich um einen Jungen handelte, sei für ihn nicht erkennbar gewesen. Er bereue sein Verhalten. Seine Verteidigerin sagte: „Er ging Hand in Hand mit seinem Date und hatte andere Vorstellungen für den Abend.“ Während der laufenden Urteilsbegründung verließ der 42-Jährige aufgebracht den Gerichtssaal und rief: „Ich kann das nicht akzeptieren.“

Der 13-Jährige, der als Siebenjähriger mit seiner Familie aus einem Flüchtlingslager in Syrien nach Deutschland geflüchtet war, verstarb noch im Park. Zudem hatte der Angeklagte einen damals 22-jährigen Begleiter des Jungen schwer verletzt. Er wurde deshalb auch der gefährlichen Körperverletzung schuldig gesprochen. Staatsanwaltschaft und Nebenklage hatte im jetzigen Prozess auf Mord plädiert. Die Verteidigerin beantragte, die Revision zu verwerfen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

RND/dpa

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