Achtzylinder mit 585 PS

Mercedes SL im Test: Rückbesinnung auf traditionelle Roadster-Werte

It never rains in California … Michael Specht auf Testfahrt im Mercedes-AMG SL 63 4Matic+ in Palm Springs.

It never rains in California … Michael Specht auf Testfahrt im Mercedes-AMG SL 63 4Matic+ in Palm Springs.

Mit den beiden letzten Generationen des SL hatten die Strategen und Designer von Mercedes kein glückliches Händchen. Der Roadster gehörte eher zu den gemütlichen Cruisern als zu den rassigen Sportwagen, was unter anderem auch an dem versenkbaren Hardtop lag. Es zwang zu einem nicht gerade knackigen Styling. Saß dann noch ein älterer Herr mit weißen Haaren und Stecktuch im Jackett am Steuer, war für Kritiker das Klischee perfekt. Sugar-Daddy-Car. Die Folge: Sportlich ambitionierte Kunden suchten sich andere Modelle, bei Porsche oder Jaguar zum Beispiel. Die Absatzzahlen des SL sanken auf ein homöopathisches Maß, besonders in Deutschland.

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Doch Mercedes schaut nach vorn. Und ist äußerst zuversichtlich, dass ihr neuer SL – die Baureihe wird intern R 232 genannt – wieder ein Kracher wird. Dafür hat man sich in Stuttgart mächtig ins Zeug gelegt und keinen Stein auf dem anderen gelassen. Viel mehr noch: Die Mutter Mercedes hat die gesamte Entwicklung des SL seiner Performancetochter AMG übertragen. Das AMG-Team hatte schon den GT und GT Roadster unter seinen Fittichen. Letzteren wird der neue SL übrigens ersetzen.

Sonne ins Cockpit nach nur 15 Sekunden

Entsprechend ambitioniert waren die Entwicklungsvorgaben. Zunächst: Der SL hat endlich wieder sein klassisches Stoffverdeck. Es lässt sich in schneller Z-Faltung per Touchbedienung auf dem Bildschirm innerhalb von 15 Sekunden öffnen oder schließen. Doch nicht nur die platzsparende Verdeckkonstruktion soll die Alltagstauglichkeit des Roadsters verbessern, sondern auch das 2+2-sitzige Layout, selbst wenn hinten allenfalls Kleinkinder untergebracht werden können. „Aber es lässt sich bequem eine Sporttasche oder anderes Utensil hinter die Vordersitze schmeißen“, sagt der Projektleiter des SL, Frank Emhardt.

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Dass bei AMG die Begriffe Sportlichkeit, Leistung und Fahrdynamik ganz oben auf der Liste stehen, gehört zur Philosophie des Hauses. So steckt unter der Aluminiumhaut des SL eine hochstabile, selbstragende und extrem leichte Alu-Space-Frame-Struktur. Sie bildet die Grundvoraussetzung für ein direktes und solides Fahrverhalten. Maßgeblichen Anteil daran aber hat auch das erstmals bei AMG eingesetzte, hydraulische Aktivfahrwerk (Ride Control). Es besitzt keine Stabilisatoren mehr. Deren Aufgabe übernehmen Hydraulikzylinder. Sie reagieren innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde auf jegliche Fahrsituationen und Straßenzustände. Zudem tritt der SL erstmalig mit einem vollvariablen Allradantrieb und mitlenkenden Hinterrädern an.

Elektrifizierung? Fehlanzeige

Da fehlt zum Roadster-Glück eigentlich nur noch ein standesgemäßer Antrieb. Wer jetzt denkt, in Zeiten von Nachhaltigkeit und Klimawandel würde der neue SL unter Strom gesetzt, irrt. Er ist noch nicht einmal hybridisiert. Das kommt später, heißt es von Mercedes. AMG entschied stattdessen, zunächst seinen bekannten V8-Biturbo unter die lange Motorhaube zu packen, nicht zuletzt, weil die USA, und hier speziell Kalifornien, der Hauptabsatzmarkt für den Roadster sein werden.

Das Vierliteraggregat entwickelt in der Version 63 4Matic+ stramme 460 kW (585 PS) und 800 Newtonmeter an Drehmoment. Das ist gewaltig. Und entsprechend ehrfürchtig setzt man sich hinter das Lenkrad und drückt den Startknopf. Es braucht keinen Nobelpreis in Physik, um zu erahnen, welche Kräfte hier frei werden, wenn der rechte Fuß zu Boden geht. In nur 3,6 Sekunden katapultiert der V8 den SL aus dem Stand auf Tempo 100. Und selbst die üblich limitierten 250 km/h sind Makulatur. Mercedes gibt 315 km/h als Spitze an, wo immer man das auch erreichen kann.

Sportlich-luxuriöser Arbeitsplatz: Blick ins Cockpit des 
Mercedes-AMG SL 63 4Matic+.

Sportlich-luxuriöser Arbeitsplatz: Blick ins Cockpit des Mercedes-AMG SL 63 4Matic+.

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Exzellente Kurveneigenschaften und trotzdem komfortabel

Auf der Testfahrt überzeugt der neue SL in jeder Situation, verblüfft mit einer messerscharfen Präzision und Handlichkeit, selbst wenn es mal zügiger ums Eck gehen sollte als ursprünglich gewollt. Auf der anderen Seite legt der Roadster exzellente Komforteigenschaften an den Tag, die auch längere Touren nicht zu Torturen werden lassen. Besondere Glückshormone werden da natürlich freigesetzt, wenn bei versenktem Verdeck leere Landstraßen, langgezogene Kurven und ein wolkenloser Himmel zu einer Art Traumkonstellation verschmelzen. Möge das Ganze doch bitte bis hinter den Horizont weitergehen.

Dass der SL dabei seine Insassen in höchstem Maße mit Komfort und Sicherheit umgibt, gehört zur Mercedes-DNA. An Assistenzsystemen ist alles an Bord – oder kann gegen Aufpreis geordert werden –, was derzeit am Markt weltweit zur Verfügung steht. Gleiches gilt für Konnektivität und Infotainment. Moderner ist kein Roadster ausgestattet. Gut gelungen ist den Designern dabei das Cockpit, ein gelungener Mix aus analoger Geometrie und digitaler Welt. Letztere bestimmt sehr dominant der riesige Touchscreen, für den sich AMG ganz etwas Besonderes ausgedacht hat. Er lässt sich in der Neigung elektrisch um 20 Grad kippen – falls die Sonne ihre Strahlen mal im falschen Winkel ins Cockpit schicken sollte.

Eine schwächere Version soll demnächst folgen

Günstig war ein Mercedes SL nie. Daran ändert sich auch dieses Mal nichts. Der Oben-ohne-Spaß beginnt bei 187.098 Euro. Die Stuttgarter haben damit aber immerhin ihr Versprechen eingehalten, deutlich unter dem direkten Wettbewerber, dem etwa gleich starken 911 Turbo Cabriolet zu bleiben, für den Porsche mindestens 208.216 Euro verlangt. Wem diese Sphären insgesamt zu hoch sind, muss sich etwas gedulden. Vermutlich noch in diesem Jahr wird Mercedes eine „zahmere“ Ausführung des SL nachreichen, den 55 4Matic+ mit 474 PS. Sein Preis dürfte bei unter 160.000 Euro starten.

 

Mercedes-AMG SL 63 4Matic+

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Antrieb: 4,0-Liter-Achtzylinder-Turbobenziner

Leistung: 430 kW/585 PS

Getriebe: Neun-Gang-Automatikgetriebe

Max. Drehmoment: 800 Nm

CO-Emission: 268 g/km

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0–100 km/h: 3,6 s

Höchstgeschwindigkeit: 315 km/h

Länge/Breite/Höhe: 4705/1915/1353 mm

Verbrauch: 11,8 l Super

Leergewicht: 1.970 kg

Kofferraum: 240 l

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Preis: ab 187.098 Euro

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