Zentrum für kriminologische Forschung

Was denken Menschen über Verbrecher? In Chemnitz wird dazu geforscht

Frank Asbrock, Direktor des Zentrums für kriminologische Forschung Sachsen (ZKFS) sitzt im Büro des Vereins in Chemnitz. Das ZKFS wird als An-Institut der Universität Chemnitz geführt.

Frank Asbrock, Direktor des Zentrums für kriminologische Forschung Sachsen (ZKFS) sitzt im Büro des Vereins in Chemnitz. Das ZKFS wird als An-Institut der Universität Chemnitz geführt.

Chemnitz. Was denken Menschen über die Kriminalität in Sachsen und in Deutschland und wie nehmen sie Straftäter wahr? Seit rund einem Jahr beschäftigen sich Wissenschaftler am Zentrum für kriminologische Forschung Sachsen in Chemnitz mit Fragen rund um die Kriminalität. Der Institutsleiter Frank Asbrock hat eine positive Bilanz gezogen. „Ich bin da sehr, sehr zufrieden mit, weil wir es geschafft haben, dieses Forschungszentrum aufzuziehen. Das ist ein sehr engagiertes Team“, sagte der Professor für Sozialpsychologie der Deutschen Presse-Agentur.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Frank Asbrock, Direktor des Zentrums für kriminologische Forschung Sachsen.

Frank Asbrock, Direktor des Zentrums für kriminologische Forschung Sachsen.

In Sachsen und auch teils darüber hinaus gebe es ein großes Interesse an der Forschung des Zentrums, das vom sächsischen Justizministerium gefördert wird. Derzeit arbeite das Team an gleich mehreren Projekten, die im August oder September angelaufen waren – darunter zum Beispiel eine repräsentative Befragung zur Wahrnehmung von Kriminalität und Sicherheit. Bei dieser Studie sollen 5000 Menschen aus Deutschland innerhalb von zweieinhalb Jahren mehrmals unter anderem dazu befragt werden, wie sie Straftäter wahrnehmen - und welche Punkte diese Einstellungen über die Zeit hinweg beeinflussen.

Denkweise von Stereotypen getrieben

Zu diesem Aspekt gebe es bislang noch wenig wissenschaftliche Erkenntnisse in Deutschland, sagte Asbrock. „Das ist ein wichtiges Forschungsfeld: Wie gehen wir als Gesellschaft eigentlich mit Menschen um, die eine Zeit lang nicht Teil unserer Gesellschaft waren?“ Häufig sei die Denkweise von Stereotypen getrieben.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Erste Erkenntnisse zeigten bereits allgemein: Obwohl die Kriminalität laut polizeilicher Kriminalstatistik zurückgeht, denken viele Befragte, dass sie steigt. „Es scheint einen Unterschied zu geben zwischen dem, was tatsächlich passiert – zumindest was registriert wird – und dem, was die Leute wahrnehmen“, erklärte Asbrock. Ergebnisse aus der ersten Befragungswelle der umfangreichen Studie sollen im August kommen.

Wie informieren sich Häftlinge über die Welt?

Ein anderes Projekt setze sich mit der Frage auseinander, wie Häftlinge in sächsischen Justizvollzugsanstalten (JVA) an Informationen kommen und wie Medien dazu beitragen können. Solche Zugänge seien wichtig, um Straftäter nach der Haft wieder in die Gesellschaft zu integrieren. „Die Vorstellung, die wir außerhalb von JVAs davon haben, sind sicherlich andere als die Realität“, sagte der Wissenschaftler. Für das kommende Jahr habe das Team schon weitere Forschungsideen gesammelt – doch zunächst sollen die laufenden Projekte abgeschlossen werden.

Das Zentrum an der TU Chemnitz hatte im August 2021 seine Arbeit aufgenommen. Das von einem gemeinnützigen Verein getragene Institut forscht zu allen Teilbereichen der Kriminologie und Kriminalpolitik. Ein wichtiger Punkt ist den Worten Asbrocks zufolge dabei auch, die gewonnenen Erkenntnisse verständlich der Öffentlichkeit zu vermitteln.

Von dpa

Mehr aus Mitteldeutschland

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen

Letzte Meldungen