Befragung von 11.000 Studierenden

Lehrqualität, Leistungsdruck, Abschlüsse: Wie gut ist das Studium in Sachsen?

Eine Befragung an den 14 sächsischen Universitäten und Hochschulen hat ergeben, dass ein Großteil der Studentinnen und Studenten mit der Lehre zufrieden ist.

Eine Befragung an den 14 sächsischen Universitäten und Hochschulen hat ergeben, dass ein Großteil der Studentinnen und Studenten mit der Lehre zufrieden ist.

Dresden. Gute Qualität – doch hoher Druck: Die Ergebnisse der neuen Studierendenbefragung legen die Bedingungen an den 14 sächsischen Universitäten und Hochschulen offen. „Diese Erhebung ist bundesweit einmalig“, sagte Studienleiter Professor Karl Lenz bei der Vorstellung am Freitag in Dresden.

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Die Studie

Die Befragung wurde nach 2005, 2012 und 2017 erst zum vierten Mal durchgeführt. Insgesamt beteiligten sich rund 11.000 Studierende, die nach dem Zufallsprinzip ausgewählt worden waren – das ist etwa jede und jeder Neunte von den öffentlichen Universitäten und Hochschulen. Zum ersten Mal beteiligten sich auch die fünf Kunsthochschulen. Die Befragung und Auswertung wurde vom Kompetenzzentrum für Bildungs- und Hochschulforschung an der TU Dresden durchgeführt und war vom sächsischen Wissenschaftsministerium gefördert worden.

„Die Ergebnisse sind für uns ein wichtiger Maßstab, um einschätzen zu können, wo wir stehen und was wir noch verbessern müssen“, sagte Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (CDU). Laut Studienleiter Lenz, ehemals Prorektor der TU Dresden, dürfen aber keine regionalen Daten veröffentlicht werden: „Die Hochschulen wollen nicht, dass die Studie zu einem Ranking wird.“ Deshalb könnten lediglich Fächergruppen oder Hochschultypen verglichen werden.

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Die Lehrqualität

Insgesamt sind die Studierenden mit der Qualität ihres Studiums zufrieden: Fast 60 Prozent geben gute bis sehr gute Noten, weitere 36 Prozent liegen im mittleren Bereich. Damit zeigt sich zu der letzten Erhebung von 2017 eine deutliche Verbesserung, vor allem hinsichtlich der Breite des Lehrangebotes. „Wir haben die Gelder aufgestockt und seit 2021 tausend zusätzliche Beschäftigte an die Hochschulen bringen können – das hat sich offenbar ausgezahlt“, meint Gemkow.

Dabei sind die Studierenden an den Hochschulen für angewandte Wissenschaften mit 69 Prozent und den Kunsthochschulen (67) besonders zufrieden. An den Universitäten (Leipzig, Dresden, Chemnitz, Freiberg) sind es dagegen nur 56 Prozent. Am besten schneiden die Geisteswissenschaften und die Naturwissenschaften ab, während Sport, Humanmedizin sowie Rechts- und Wirtschaftswissenschaften abfallen.

Nach Abschlussarten betrachtet, attestieren insbesondere Studierende mit angestrebtem Staatsexamen (ohne Lehramt, 48 Prozent) eine eher geringe Qualität, beim Lehramt sind es 53 Prozent, bei Diplom-Studiengängen 58 Prozent. Die besten Bewertungen erhalten Bachelor- (62 Prozent Zufriedenheit) und Master-Studiengänge (66).

Der Leistungsdruck

Ein wesentlicher Punkt seien für Studierende die Leistungsansprüche, so die Studienmacher – und diese werden von immerhin 35 Prozent als zu hoch kritisiert. Hinzu kommen weitere 36 Prozent, die die Anforderung zumindest als teilweise überzogen einschätzen. Das bedeutet auch: Damit spüren fast drei Viertel der Studentinnen und Studenten einen hohen Druck und haben Probleme, den Ansprüchen gerecht zu werden.

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Zu hohe oder eher zu hohe Leistungsanforderungen werden am häufigsten von Studierenden einer Universität (39 Prozent) angegeben. An den Hochschulen sind es dagegen 29 Prozent und an den Kunsthochschulen lediglich 17 Prozent.

Die Probleme

Etwa jede und jeder vierte Befragte gibt an, das Studium mit einer oder mehreren gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu bestreiten. Besonders hoch ist dieser Anteil mit 37 Prozent an den Kunsthochschulen (Universitäten: 23 Prozent; Hochschulen: 22). Mit Abstand am stärksten sind psychische Erkrankungen verbreitet: Sie werden von 62 Prozent der Studierenden, die gesundheitliche Einschränkungen angeben, genannt.

Der zunehmende Beratungsbedarf gerade in diesem Bereich – etwa durch Überforderung oder bei Depressionen – zeigt sich auch in der Frequentierung der Hilfsangebote: Inzwischen liegen psychische Probleme hinter Studienplanung und -wechseln sowie Auslandsaufenthalten schon auf Platz vier der am häufigsten nachgefragten Beratungen. Immerhin 15 Prozent haben solche Angebote schon einmal genutzt. „Das ist das Gebiet, auf dem die Herausforderungen vielleicht am größten sind. Die Hochschulen und die Lehrenden müssen sich auf die Problemlagen einstellen“, sagt Studienleiter Lenz.

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Die Bleibequote

Kurz gesagt: Wer aus Sachsen stammt, bleibt in vier von fünf Fällen auch nach dem Studium hier. Doch auch für Absolventen, die ursprünglich aus anderen Regionen kommen, scheint der Freistaat attraktiver zu werden. So wollen Ostdeutsche nach dem Studium entweder in einem anderen Ost-Bundesland in das Berufsleben einsteigen (43 Prozent) – oder gleich in Sachsen bleiben (36 Prozent).

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Etwa die Hälfte der aus westdeutschen Bundesländern stammenden Studierenden möchte nach dem Abschluss wieder zurückgehen. Das heißt aber auch: Ungefähr jede und jeder Zweite möchte weiterhin im Osten beziehungsweise in Sachsen leben. Ein weiteres Ergebnis ist: „Gerade auch viele Studierende aus dem Ausland wollen in Sachsen bleiben“, stellt Lenz fest: Etwa jede und jeder Dritte (31 Prozent) plant den Berufseinstieg im Freistaat, gut ein Viertel (28 Prozent) will Deutschland wieder verlassen.

Die Wünsche

Quer durch nahezu alle Fächer steht für die Studierenden fest: Die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf soll nach dem Abschluss an erster Stelle stehen – das sagen immerhin fast 90 Prozent der 11.000 Befragten, während lediglich drei Prozent diesen Punkt für unwichtig halten. An zweiter Stelle kommt als Wunsch eine glückliche Beziehung (86 Prozent). Damit übertreffen diese privaten Lebensziele noch deutlich den sicheren Arbeitsplatz (81), die Möglichkeit selbstständiger Entscheidungen (76) und ein hohes Einkommen (63).

Zugleich liegen zwei Lebensziele weit abgeschlagen: Das Fortführen von familiären Traditionen wird von neun Prozent als wichtig bezeichnet, auch prestigeträchtige Berufspositionen werden eher gering geschätzt und sind nur noch 26 Prozent wichtig. Insgesamt unterscheiden sich die Wünsche von Studierenden an Universitäten und Hochschulen kaum. Allerdings sticht bei den Humanmedizinern ein Punkt heraus: Für 95 Prozent der angehenden Ärztinnen und Ärzte steht ein sicherer Arbeitsplatz an erster Stelle.

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Die gesamte, 350 Seiten umfassende Studie: https://tu-dresden.de/zqa/forschung/Forschungsprojekte/saechsische-studierendenbefragung

DNN

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