Trockenheit und Hitze

Schlechte Aussichten für die Getreideernte in Sachsen – Brotpreis bald bei zehn Euro?

Mähdrescher arbeiten auf einem sächsischen Getreidefeld.

Mähdrescher arbeiten auf einem sächsischen Getreidefeld.

Leipzig. Trotz verbreiteten Regens in den letzten Tagen im Freistaat: Die zuvor lange anhaltende Trockenheit und die Hitze drohen die Getreideernte in Sachsen noch schlechter ausfallen zu lassen als ohnehin befürchtet. Das dürfte sich auch in den Preisen des Lebensmitteleinzelhandels niederschlagen. "Wenn jetzt nicht bald ein einschneidender Wetterwechsel kommt, dann wird 2022 zu einem der trockensten Jahre überhaupt", warnt der Präsident des Sächsischen Landesbauernverbandes (SLB), Torsten Krawczyk.

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Deutlich zu erkennen sei, dass der Nordosten Deutschlands wesentlich stärker gelitten habe als der Rest des Landes, konstatiert auch der Deutsche Bauernverband. Der Dürre-Monitor des Helmholtz-Umweltforschungszentrums wies für Sachsen vor den Regentagen– mit Ausnahme weniger Gebiete in Westsachsen und im Zittauer Gebirge – sogar die höchste Stufe der Dürre bis in knapp zwei Meter Bodentiefe aus.

„Brotgetreide wird in diesem Jahr knapper“

SLB-Präsident Krawczyk zieht darum Parallelen zum Jahr 2018, in dem sächsische Betriebe bis 30 und mehr Prozent unter dem Ergebnis der vorherigen Jahre lagen. Neben geringeren Erträgen lasse in diesem Jahr aber auch die Qualität des Brotgetreides zu wünschen übrig. Es reiche eben einfach nicht zum Backen, sondern nur noch für Futtergetreide – das sei der Tenor der meisten Landwirte, mit denen er gesprochen habe. „Brotgetreide wird in diesem Jahr knapper“, glaubt Krawczyk, der auch Geschäftsführer des Landguts Westewitz (Landkreis Mittelsachsen) ist.

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Ihn ärgert besonders, dass die jetzige Misere bereits im Mai absehbar gewesen sei – wegen geringer Niederschläge und ausbleibender Getreidelieferungen aus der Ukraine. Er könne nicht nachvollziehen, warum es dennoch wochenlang gedauert hat, bis dann die Stilllegung weiterer landwirtschaftlicher Flächen zumindest vorläufig gestoppt wurde.

„Die richtigen Ernteausfälle kommen erst noch“

Wird nun der Brotpreis auf zehn Euro steigen, wie das der Bauernverband Schleswig-Holstein prophezeit? Krawczyk hält wenig von Panikmache, sieht aber derzeit auch keine Signale, dass sich der Markt entspannt. Dabei berücksichtigten die aktuellen Preise den neuen Ernteertrag noch gar nicht, erinnert er. Mehr noch: Zu bangen sei nun auch um Kartoffeln, Mais und Rüben, die erst im Frühjahr gepflanzt wurden und fast gar keine Niederschläge abbekommen haben. „Die richtigen Ernteausfälle kommen erst noch“, fürchtet Krawczyk.

Doch es gibt auch positive Nachrichten: Die Apfelbauern beispielsweise rechnen mit einem kleinen Plus gegenüber dem Vorjahr. Und die Weinanbauer, die mit der Lese begonnen haben, gehen zwar von einem niedrigeren Ertrag aus, hoffen aber auf eine hohe Qualität in diesem Jahr.

Verbraucher-Zentrale gibt Brot-Tipps

Angesichts weiter steigender Preise für Brot und Brötchen rät die Verbraucherzentrale Sachsen jedenfalls, lieber kleinere Mengen und öfter zu kaufen. Expertin Birgit Brendel sagt: „Man sollte sich vorher überlegen, wie lange das Brot haltbar ist.“ Weizenbrot beispielsweise halte sich etwa drei Tage, Roggen- und Vollkornbrot eine Woche. Natürlich könne man Brot auch einfrieren, allerdings fielen dabei die dafür erforderlichen Energiekosten an. „Vor dem Hintergrund der steigendenden Strompreise entsteht freilich die Frage, ob das noch eine kostengünstige Variante ist“, gibt Brendel zu bedenken.

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Das betreffe auch die Aufbewahrung im normalen Kühlschrank, die für Brot nur ab etwa 30 Grad Celsius Außentemperatur sinnvoll sei. Selber Brotbacken im Ofen oder Backautomaten werden zwar wieder beliebter. „Aber Bäcker ist nicht umsonst ein Lehrberuf“, meint Brendel mit Blick auf Geschmack und Qualität.

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