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Evangelische Kirche

Neue Vorwürfe gegen sächsischen Bischof Rentzing

Der sächsische evangelische Landesbischof Carsten Rentzing wird sein Amt zum nächstmöglichen Zeitpunkt niederlegen.

Der sächsische evangelische Landesbischof Carsten Rentzing wird sein Amt zum nächstmöglichen Zeitpunkt niederlegen.

Dresden/Leipzig. Nach dem angekündigten Rücktritt des sächsischen Landesbischofs Carsten Rentzing werden weitere Vorwürfe gegen den evangelischen Theologen öffentlich. Rentzing habe vor längerer Zeit mehrere Jahre in einer rechtsnationalistischen Redaktionsgruppe für die Zeitschrift „Fragmente“ mitgearbeitet, sagte der Leipziger Pfarrer Frank Martin dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Samstag. Die Zeitschrift habe von 1989 bis 1992 bestanden und sich an ein sogenanntes „rechtsintellektuelles Publikum“ gerichtet.

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Ein Vortrag und Texte in der Kritik

Der 52-jährige Rentzing hatte am Freitagabend überraschend mitgeteilt, dass er sein Amt nach vier Jahren an der Spitze der sächsischen Landeskirche "zum nächstmöglichen Zeitpunkt" niederlegen werde, "um Schaden von meiner Kirche abzuwenden". Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, bedauerte den Schritt. Die Ankündigung habe ihn überrascht und "Betroffenheit und großes Bedauern" bei ihm ausgelöst, erklärte Bedford-Strohm am Freitagabend.

Rentzings Rücktrittsankündigung war anhaltende Kritik an seiner Person vorausgegangen. Der als konservativ geltende Theologe lehnt unter anderem die Segnung homosexueller Paare ab. Zuletzt war bekanntgeworden, dass er Mitglied der schlagenden Studentenverbindung „Alte Prager Landsmannschaft Hercynia“ ist und dass er 2013 einen Vortrag in der Berliner „Bibliothek des Konservatismus“ gehalten hatte. Diese wird dem Umfeld der Neuen Rechten zugeordnet.

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Der Leipziger Pfarrer Martin sagte dem epd am Samstag, Rentzing habe vor Jahren mehrere Texte für das konservative Magazin „Fragmente“ verfasst. Martin ist der einer der Initiatoren einer Petition gegen Rentzing. Die sächsische Landeskirche bestätigte auf epd-Anfrage die Existenz der Texte. Der Bischof, der sich derzeit im Urlaub befindet, hat sich bisher dazu nicht offiziell erklärt.

Nachfolge noch unklar

Ein Sprecher der Landeskirche sagte dem epd, die Kirchenleitung sei von der Erklärung des Landesbischofs überrascht worden und werde sich demnächst mit der Frage des weiteren Vorgehens befassen. Formal bleibe Rentzing Bischof, bis ein Amtsnachfolger gewählt sei.

Von seinem Auftritt in der Berliner „Bibliothek des Konservatismus“ vor sechs Jahren hatte sich der Landesbischof vor kurzem distanziert. „Der Weg in die Kirche hat mich verändert. Positionen, die ich vor 30 Jahren vertreten habe, teile ich heute nicht mehr“, erklärte Rentzing. In einer Online-Petition war Rentzing unter anderem zu einer Stellungnahme aufgefordert worden, warum er bis heute Mitglied in der pflichtschlagenden Studentenverbindung sei.

Rentzing ist auch stellvertretender Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), zu der auch die sächsische Landeskirche gehört. Der Leitende VELKD-Bischof Ralf Meister erklärte am Freitagabend, er nehme die Entscheidung Rentzings mit „tiefem Bedauern und großem Respekt“ zur Kenntnis. „Ich wünsche sehr, dass das von ihm mit dieser Entscheidung verbundene Ziel, die Einigkeit in seiner Landeskirche zu stärken, erreicht werden kann“, erklärte der hannoversche Landesbischof Meister.

Zur Person: Carsten Rentzing

Carsten Rentzing steht seit Ende August 2015 als Bischof an der Spitze der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. Der Theologe war vorher Pfarrer in Markneukirchen (Vogtland) und davor in Annaberg-Buchholz (Erzgebirge). Am 31. Mai 2015 hatte ihn die Synode, der er seit 2008 selbst angehört, zum Bischof gewählt. Das Ergebnis fiel erst im sechsten Wahlgang äußerst knapp mit 40 von 78 Stimmen.

Der 52-Jährige gilt als theologisch konservativ. Er wolle „Dinge, die wir von den Vorfahren ererbt haben, nicht so ohne weiteres über Bord werfen“, sagte Rentzing einmal. In Sachsen sprach er sich als Vertreter der „Bekenntnisinitiative“ in der kontrovers geführten Debatte deutlich gegen gleichgeschlechtliche Paare in Pfarrhäusern aus, weil es seiner Ansicht nach der Bibel widerspreche. Nach seiner Wahl kündigte er an, auf innerkirchliche Kommunikation zu setzen. Er wolle auch für „die, die skeptisch sind“, Bischof sein, sagte er zu Beginn seiner Amtszeit dem Evangelischen Pressedienst (epd): „Ich vertrete nicht nur einen Teil der Kirche.“

Geboren wurde Rentzing 1967 in Berlin-Spandau und wuchs im Westteil der geteilten Stadt auf. Ab 1987 studierte er zunächst Rechtswissenschaften und Philosophie an der Freien Universität Berlin, ab 1989 Theologie und Philosophie in Berlin, Frankfurt am Main und Oberursel. Sein Erstes Theologisches Examen erhielt er 1996. Es folgte ein zweijähriges Vikariat mit Praktikum in den Kirchgemeinden Oelsnitz und Zwota (Vogtlandkreis), 1999 wurde er ordiniert. In den Jahren 2002 und 2003 promovierte er an der Universität Leipzig über „die Rede vom Bösen bei Karl Barth und Martin Luther“.

Rentzing folgte auf den als liberal geltenden Landesbischof Jochen Bohl. Rentzing ist verheiratet und Vater von vier Kindern.

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Von epd

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