Erzgebirge

Museum über mittelalterlichen Bergbau in Dippoldiswalde

Die Final-Kuratorin Cornelia Rupp (links) vom Landesamt für Archäologie Sachsen erklärt bei der Präsentation der Ausstellung eine 800 Jahre alte Haspel.

Die Final-Kuratorin Cornelia Rupp (links) vom Landesamt für Archäologie Sachsen erklärt bei der Präsentation der Ausstellung eine 800 Jahre alte Haspel.

Dippoldiswalde. Nach dem Hochwasser 2002 stellten Archäologen überraschend fest, dass geheimnisvolle Anlagen aus der Zeit des ersten Berggeschreys unter Dippoldiswalde im Erzgebirge liegen. Die Fundstücke, die von der Zeit des Silberrausches im 13. und 14. Jahrhundert erzählen, werden seit Donnerstag im Museum für mittelalterlichen Bergbau im Erzgebirge (Miberz) in Dippoldiswalde ausgestellt.

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„Es gibt ein solches Museum bisher noch nicht“, sagt Regina Smolnik, Landesarchäologin vom Landesamt für Archäologie Sachsen, als sie die Ausstellung Journalisten präsentiert. Dippoldiswalde stehe mit den Fundstücken im Mittelpunkt der mittelalterlichen Bergbauforschung in Deutschland und Europa, unterstreicht sie. Auf den Silberschätzen im Erzgebirge „beruht der Reichtum Sachsens“, so Smolnik weiter.

Ein erhaltener Lederstiefel, Hauerstühlchen, Bretter zum Sichern der Gruben und eine 800 Jahre Haspel – eine Seilwinde zur Förderung des wertvollen Erzes – erzählen von der lange vergessenen Epoche. Auch Leuchter und Erztröge werden ausgestellt. Seit 2012 befassten sich Archäologen des Forschungsprojekts ArchaeoMontan mit dem mittelalterlichen Bergbau im Erzgebirge und in Böhmen, dem Kratzen nach Silbererz. Die Ergebnisse präsentierten sie zunächst in der Wanderausstellung „Silberrausch und Berggeschrey“. Nun werden die Fundstücke dauerhaft im Schloss in Dippoldiswalde gezeigt. Alle Erklärungen gibt es sowohl auf Deutsch als auch auf Tschechisch.

Jahrhunderte alte Kegelkugeln, Schüsseln und Tröge geben den Besuchern Einblicke in die Lebenswirklichkeit über Tage der frühen Bewohner Dippoldiswaldes. Medien- und Filmstationen sollen die alte Geschichte im 300 Quadratmeter fassenden Museum zeitgemäß vermitteln, erklärt Kuratorin Wendy Eixler. Zusätzliche Informationen sind auch mit dem eigenen Smartphone abrufbar.

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Ein Modell der 30 Meter tiefen Abbaustrecken lässt erahnen, wie es einst unter der Stadt aussah. Die Forscher von ArchaeoMontan hätten viele neue Erkenntnisse über den mittelalterlichen Bergbau gewonnen, sagt Christiane Hemker. Etwa, dass sich die Grubenbesitzer zu Gewerkschaften zusammengeschlossen und die Schächte gemeinsam entwässert haben. „Es gibt keine Vergleichsfunde in Europa“, hebt sie begeistert hervor.

„Das Museum wird den Blick der Bürger und auch überregionaler Gäste auf Dippoldiswalde schärfen“, ist sich Oberbürgermeister Jens Peter (CDU) sicher. Die vergessene Geschichte sei ein „Alleinstellungsmerkmal der Stadt“ und werde auch Touristen anlocken, sagt er. Dippoldiswalde ist Träger des Museums, dessen Leitung Jitka Steßl übernehmen wird. Unterstützt wurde die Umsetzung durch die Europäische Union und von der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, die 20 000 Euro spendete.

Die Schächte, die Jahrhunderte unbeachtet unter Dippoldiswalde ruhten, werden nach den Forschungsarbeiten nun mit Beton verfüllt. Für Besucher ist der Zutritt zu gefährlich. Der Beton soll verhindern, dass die Erde absackt. Doch lebhafte Eindrücke vom Rausch nach Silber, von den beschwerlichen Arbeiten und dem großen Reichtum der Stadt bietet künftig das Miberz in fünf Räumen im Gewölbe des Schlosses.

Das Museum für mittelalterlichen Bergbau im Erzgebirge im Schloss Dippoldiswalde ist mittwochs von 10 bis 16 Uhr geöffnet, donnerstags bis sonntags und an Feiertagen von 13 bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro.

Von Theresa Held

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