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Staatliches Archäologiemuseum Chemnitz

Migration in der Geschichte: Multikulti war auch schon gestern

Die Replik eines etwa 160 000 Jahre alten Schädels aus Äthiopien.

Die Replik eines etwa 160 000 Jahre alten Schädels aus Äthiopien.

Chemnitz.Gegenüber dem Ort, an dem im vergangenen Jahr der Deutsch-Kubaner Daniel H. in Chemnitz erstochen wurde, liegt das Staatliche Museum für Archäologie (smac). Immer wieder in der Vergangenheit hat es mit brisanten Ausstellungen mittelbar oder auch unmittelbar zum Diskurs über aktuelle Fragen beigetragen. Nun einmal mehr – mit der neuen Schau „2 Millionen Jahre Migration“, die ab 1. Mai zu sehen ist.

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Aus archäologischer Sicht sind dabei alle Menschen Migrantinnen oder Migranten. So lautet zumindest die Formel, die über allem steht. Dabei ist für Direktorin Sabine Wolfram die Schau im smac zunächst eine mittelgroße Interimsausstellung – zwischen der großen Schau „Sachsen Böhmen 7000“ und dem Nachfolger zum „Leben am Toten Meer“, der ab Ende September gezeigt wird.

Keine Aussage psychische Aspekte wie Ängste

„2 Millionen Jahre Migration“ wurde vom Neanderthal Museum in Mettmann bei Düsseldorf konzipiert und umfasst streng genommen nur den Zeitraum von vor eben zwei Millionen Jahren bis 4800 vor unserer Zeitrechnung. Eingeflossen sind vor allem die Erkenntnisse eines Projekts, das 70 Wissenschaftler an der Universität Köln seit 2009 zur Ausbreitung der anatomisch modernen Menschen von Afrika nach Europa betrieben haben.

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„Man wollte zeigen, wie es an den Wurzeln des Menschseins ausgesehen hat – mit Wanderungen und Mobilität“, erläutert Wolfram. Und was davon noch in den Genen zu finden ist. „Es geht darum, dass sich Menschen eigentlich immer bewegt haben und dass sich verschiedene Gruppen immer wieder vermischten.“ Dabei räumt die Direktorin ein: „Nicht beantworten kann man, wie Menschen mit anderen Menschen umgegangen sind, die ihnen fremd waren. Über psychische Aspekte wie Ängste können wir hier nichts sagen.“

Schau besteht aus vier Themenblöcken

Die Schau gliedert sich in vier Themenblöcke unter Titeln wie „Endlose Weiten“, „Unerwartete Begegnungen“, „Schräge Nachbarn“ und „Moderner Mix“. Sie zeigt zunächst, dass der heutige Europäer seine Wurzeln in Afrika hatte, von wo der Homo erectus aufbrach, um nach Ressourcen für Nahrung und Werkzeugmaterial zu suchen. Vor 200 000 Jahren dann – einer Zeit gewaltiger klimatischer Schwankungen – , entstand im Osten Afrikas aus dem Homo erectus der moderne Mensch, der sowohl den Neanderthaler als auch den Denisova -Menschen in Europa und Asien ersetzte. Die Jäger und Sammler wiederum wurden um 7500 vor unserer Zeitrechnung durch Ackerbauern und Viehzüchter aus Osteuropa ergänzt.

Um 4800 schließlich trafen auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Vertreter der osteuropäischen Schnurkeramik-Kultur auf Vertreter der westeuropäischen Glockenbecher-Kultur. Auch sie vermischen sich mit den Einheimischen und bildeten eine multikulturelle Gesellschaft mit komplexen sozialen und wirtschaftlichen Strukturen. „Konflikte wird es immer gegeben haben“, vermutet die Direktorin. „Wer Besitz hat, der zieht auch Grenzen.“

Vorlesungen runden das Angebot ab

Ihre Schlussfolgerung: „Der Mensch ist kein Baum, er hat keine Wurzeln.“ Wenn es Druck auf die Population gebe, dann bewege er sich eben. Davon zeugen viele Exponate in der Dauerausstellung des Hauses als sinnfällige Ergänzung. Die Schau, die nun bis zum 14 Juli geöffnet ist, richtet sich schließlich auch an Kinder, die in verschiedenen Schatzkisten, Wissenswertes zum Thema, Felle zum Anfassen oder Plüschtiere finden. Zusätzlich gibt es in Kooperation mit der TU Chemnitz öffentliche Vorlesungen zum Thema. Am 8. Mai beispielsweise zur Arbeitsmigration nach Chemnitz und Sachsen.

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Von Roland Herold

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