Bevölkerungsentwicklung

Junge Frauen finden Leipzig sexy

Attraktives Leipzig: Die Stadt lockt vor allem junge Frauen an.

Attraktives Leipzig: Die Stadt lockt vor allem junge Frauen an.

Leipzig. Des einen Leid, des anderen Freud: In den ländlichen Regionen Sachsens gibt es immer weniger junge Frauen, doch Leipzig verzeichnet bei den 18- bis unter 30-Jährigen in den Jahren 2010 bis 2014 einen Frauenüberschuss. Das ist ein Ergebnis des aktuellen Landesentwicklungsberichtes 2015, den Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) vor kurzem vorgestellt hat (die LVZ berichtete). Während für die Altersgruppe in den Landkreisen Leipzig und Nordsachsen 100 bis 140 Männer auf 100 Frauen kommen (mit Ausnahme der Gemeinde Elstertrebnitz bei Groitzsch), sind es in Leipzig weniger als 100. Die Messestadt ist die einzige sächsische Großstadt mit einem solchen Geschlechterverhältnis in der Altersgruppe; in Dresden und Chemnitz kommen 100 bis 120 Männer auf 100 Frauen. Nur wenige weitere Kommunen in Sachsen nehmen eine ähnliche Entwicklung wie Leipzig – zum Beispiel Görlitz, Meißen, Panschwitz-Kuckau oder Oybin.

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Insgesamt, also über alle Altersgruppen betrachtet, leben in ganz Sachsen deutlich mehr Frauen als Männer. Die Differenz zwischen weiblichen und männlichen Einwohnern betrug Ende 2014 mehr als 80 000; zwei Drittel der Gemeinden haben Frauenüberschuss. Aber: In der Gruppe der 18- bis unter 30-Jährigen herrscht sachsenweit Männerüberschuss. „Von dieser Entwicklung ist der Osten Sachsens am stärksten betroffen“, heißt es im Landesentwicklungsbericht. „Die Ursache liegt unter anderem in der schon seit langem bekannten Abwanderung junger Frauen, die auf der Suche nach Arbeit oder Ausbildung deutlich mobiler sind.“ Ausreißer: Leipzig – die Stadt der jungen Frauen!

Aber ist diese Entwicklung von Dauer? Dr. Evelyn Grünheid rät zu längerfristigen Betrachtungen. „Man muss sich solche Entwicklungen über mehrere Jahre angucken, um zu sehen, wie stabil der Trend ist“, sagt die Forschungsdirektorin am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden. Grünheid hat in Leipzig studiert und promoviert.

In den jüngeren Altersgruppen ist ein Frauenüberschuss für viele Städte in Ost- wie Westdeutschland normal. „Junge Frauen finden in den Städten bessere Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten und assoziieren mit Städten häufiger eine höhere Lebensqualität als Männer“, so Grünheid. Deshalb sei auch ein Blick in die folgenden Altersgruppen sinnvoll, um zu sehen, ob sich dort ein solcher Trend fortsetze oder nicht. „Bis zum Alter von ungefähr 50 Jahren gibt es grundsätzlich eher mehr Männer als Frauen, weil mehr Jungen geboren werden als Mädchen. Ein leichter Männerüberschuss in den jüngeren Altersgruppen ist demzufolge normal. Je nach Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeit verschiebt sich das Ganze dann regional.“

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Die Entwicklung in Leipzigs Umland ist demzufolge nicht zwingend problematisch. Umgekehrt ist nicht gesagt, dass der Frauenüberschuss bei den 18- bis unter 30-Jährigen in Leipzig anhält. „Wenn es ausbildungsbedingt ist, ist es nur ein zeitweiliger Überschuss.“ Ist die Ausbildung zu Ende, würden die Frauen mitunter wieder abwandern – zurück in die Heimat oder aber in andere Zentren und Regionen, je nachdem, wo es Perspektiven gibt.

Der langjährige Trend, dass vor allem junge Frauen die ostdeutschen Bundesländer Richtung Westen verlassen, hat sich inzwischen abgeschwächt, hier ist eher eine Orientierung auf die ostdeutschen Städte zu erkennen, sagt Grünheid. Grundsätzlich betrachtet seien Frauen- oder auch Männerüberschüsse in der Altersgruppe der 18- bis unter 30-Jährigen in Abhängigkeit bestimmter Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten zu beobachten, so Grünheid. In Küstenregionen mit Marine-Ausbildungen gebe es mehr Männer – anders als in Regionen mit Schwerpunkten in den sogenannten Frauenberufen.

Wenn eine Stadt aber dauerhaft einen Frauenüberschuss generieren kann – und diese Frauen auch einen Partner finden, kann das den Grundstein für einen weiteren Geburtenanstieg legen. Leipzig hat da sicher gute Karten...

Von Björn Meine

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