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20 Jahre nach der Jahrhundertflut

In Sachsen sind weiter viele Projekte zum Hochwasserschutz geplant

Blick auf die Staumauer an der Talsperre Malter. Die Bauarbeiten an der Erweiterung des sogenannten Überlaufs der Talsperre sollen sich noch bis zum Sommer 2022 hinziehen. Weitere Projekte zum Hochwasserschutz sind ebenso geplant.

Blick auf die Staumauer an der Talsperre Malter. Die Bauarbeiten an der Erweiterung des sogenannten Überlaufs der Talsperre sollen sich noch bis zum Sommer 2022 hinziehen. Weitere Projekte zum Hochwasserschutz sind ebenso geplant.

Dresden . Bei den Hochwasserschutz-Projekten in Sachsen ist auch gut 15 Jahre nach dem Start 2006 noch vieles im Entstehen. Wie das Umweltministerium in Dresden bei einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte, sind in Sachsen derzeit 174 Projekte in Planung oder Genehmigung. Das Hochwasserschutzkonzept von 2006 war nach der Jahrhundertflut von 2002 erarbeitet worden, von der weite Teile des Landes betroffen waren.

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Dutzende Talsperren sowie Rückhalte- und Speicherbecken gebaut

Von den 749 Projekten des Programms seien 539 abgeschlossen, an weiteren 36 sei im vergangenen Jahr gebaut worden, hieß es. Laut Ministerium werden mehr als 100 Millionen Euro jährlich investiert. Seit 2002 seien über 3,2 Milliarden Euro in den Hochwasserschutz und die Beseitigung von Hochwasserschäden gesteckt worden. In vielen gefährdeten Ortslagen sei in den vergangenen Jahren womöglich erstmals ein angemessener Hochwasserschutz entstanden. Zum technischen Hochwasserschutz werden in Sachsen 56 Talsperren, 25 Rückhaltebecken sowie 7 Speicherbecken und Polder gezählt. Das Fassungsvermögen der Anlagen beträgt 406 Millionen Kubikmeter.

Rund 105 Millionen Euro hat die Landestalsperrenverwaltung Sachsen 2021 in Stauanlagen, für Instandsetzungsarbeiten an Fließgewässern sowie der Beseitigung von Hochwasserschäden investiert. Davon entfielen allein etwa 40 Millionen Euro auf den Neubau und die Sanierung von Hochwasserschutzanlagen, 30 Millionen Euro wurden für Talsperren und andere Stauanlagen aufgewendet. Mit fast sieben Millionen Euro war die Vergrößerung der Hochwasserentlastung - der sogenannte Überlauf - an der Talsperre Malter bei Dippoldiswalde im Osterzgebirge dabei das größte Projekt. Die Arbeit werde voraussichtlich noch bis zum Sommer andauern.

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Lieferengpässe durch Corona-Pandemie

Andere große Projekte waren unter anderem die Rückverlegung der Deiche in Bennewitz-Püchau (Kreis Leipzig) und in Köllitsch, die Polder in Löbnitz (beide Nordsachsen) am Zusammenfluss von Freiberger und Zwickauer Mulde sowie die Fertigstellung der 1147 Meter langen und 40 Millionen Euro teuren Flutmulde in Döbeln (Mittelsachsen). Allerdings hatte die Landestalsperrenverwaltung infolge der Corona-Pandemie mit Lieferengpässen bei Baumaterial und mit steigenden Preisen zu kämpfen, wie der stellvertretende Geschäftsführer der Landestalsperrenverwaltung, Andreas Cramer, sagte. Es sei zu Verzögerungen gekommen.

In diesem Jahr soll laut Talsperrenverwaltung unter anderem bis September in Freital bei Dresden für rund eine Million Euro eine Schutzwand entstehen, die besser vor einem Hochwasser der Weißeritz schützen soll. 2002 war das Flüsschen aus dem Osterzgebirge über die Ufer getreten und hatte schwere Schäden verursacht. Schon im August haben in Chemnitz-Harthau an der Würschnitz letzte Bauarbeiten begonnen. In Schwarzenberg (Erzgebirge) wird am linken Ufer des Schwarzwassers der Bau einer Hochwasserschutzmauer vorbereitet.

Der Zweckverband „Kommunale Wasserver- und Abwasserentsorgung Mittleres Erzgebirgsvorland“ in Hainichen (Mittelsachsen) erhielt von der Landesdirektion eine Förderung von rund 2,2 Millionen Euro für die Errichtung von Pumpwerken, die Beschaffung der Pumpausrüstung sowie weitere Umbaumaßnahmen im Kanalsystem der Stadt Frankenberg. In Dresden werden die linkselbische Innenstadt, gefährdete Bereiche in den Stadtteilen Mickten und Kaditz sowie Cossebaude und Briesnitz durch ertüchtigte und neue Deiche, Mauern und mobile Schutzelemente vor einem 100-jährlichen Hochwasser der Elbe geschützt. Im Stadtteil Laubegast begann im November die öffentliche Beteiligung für den Bau einer Schutzanlage.

Bewohner wollen Wasserschutzmauer nicht akzeptieren

Während der Hochwasser von 2002 und 2013 hatte die Elbe ihr altes Flussbett wieder gesucht und Laubegast in eine Insel verwandelt. Eine Wasserschutzmauer in Ufernähe wollen viele Bewohner bis heute nicht akzeptieren. Nach dem Hochwasser von 2002 wurde die Siedlung Röderau-Süd bei Riesa aufgegeben. Doch mittlerweile gibt es wieder Interesse für Bauen in Wassernähe. „Derzeit besteht wieder eine verstärkte Nachfrage nach Baugrundstücken und dabei geraten auch Grundstücke, die aus hochwasserschutztechnischer Sicht problematisch sind, wieder in den Blick“, sagte eine Sprecherin der Stadtverwaltung Chemnitz.

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Auch in Dresden werden Schutzmaßnahmen wieder kritischer gesehen. „Man spricht von der sogenannten Hochwasserdemenz“, sagte Wolfgang Socher, Leiter des Umweltamtes. Nach erfahrungsgemäß etwa sieben Jahren werde das Hochwasserrisikomanagement ein ganz normales Thema unter anderen. In Grimma (Kreis Leipzig) hatten Unbekannte im Sommer 2021 ein Fluttor massiv beschädigt. Zudem wurde zwischen zwei Betonelementen der Schutzmauer eine Gummidichtung gestohlen. Die Stadt hat eine Belohnung von 1000 Euro für Hinweise ausgesetzt. Die Suche nach dem Täter oder den Tätern verlief bisher jedoch ergebnislos. Die Stadt war während des Augusthochwassers 2002 von der Mulde überflutet worden und war damals eine der am stärksten geschädigten Städte.

Von RND/dpa

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