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Rotlicht-Szene

Existenzangst durch Corona: Prostituierte in Sachsen und Thüringen ohne Hilfen

Prostitutionsstätten dürfen nicht mehr für den Publikumsverkehr öffnen (Symbolbild).

Prostitutionsstätten dürfen nicht mehr für den Publikumsverkehr öffnen (Symbolbild).

Dresden/Plauen.Soforthilfe, ein zinsloses Darlehen oder Grundsicherung - von solchen Hilfen kann eine Branche derzeit nur träumen. „Menschen in der Prostitution fallen in der Corona-Pandemie durchs Raster“, sagte Hannah Drechsel von Karo e.V. der Deutschen Presse-Agentur. Der Plauener Verein kämpft im Grenzgebiet zu Tschechien gegen Zwangsprostitution und sexuelle Ausbeutung von Frauen und Kindern.

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Im Rahmen ihrer aufsuchenden Sozialarbeit ist das Team demnach im Vogtland, inzwischen aber auch bis Hof und Zwickau unterwegs. „Einmal im Monat fahren wir außerdem uns bekannte Bordellwohnungen in Thüringen ab, bieten unsere Hilfe an und versorgen die Frauen mit Hygieneartikeln. Normalerweise“, meint die Sozialarbeiterin. Doch seit vier Wochen dürfen laut der geltenden Allgemeinverfügung Prostitutionsstätten nicht mehr für den Publikumsverkehr öffnen. Seine Hausbesuche habe der Verein daher eingestellt.

Viele Prostituierte haben Sachsen vor Grenzschließung verlassen

"Die Situation ist aktuell sehr sehr schwierig", so Drechsel. Denn viele der betroffenen Frauen kämen aus Armuts- und Zwangssituationen. In den allermeisten Fällen bestehe keinerlei Anspruch auf staatliche Hilfe. "Diese Frauen haben keine Rücklagen, viele dafür ohnehin schon Schulden. Die meisten sind auch nicht krankenversichert." Angesichts der Coronakrise haben zuletzt auch die Vereinten Nationen auf die äußerst schwierige Lage von Sexarbeiterinnen hingewiesen.

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In Sachsen sind 80 Prozent der Sexarbeiterinnen Migrantinnen aus Osteuropa, sagt Ulrike Richter von KOBRAnet, der Sächsischen Fachberatungsstelle für Opfer von Menschenhandel. Ein Teil der Frauen habe den Freistaat noch vor der Schließung der Grenzen verlassen. Viele Bordellwohnungen stünden leer.

Nach wie vor hielten sich jedoch auch zahlreiche Prostituierte aus Ländern wie Ungarn, Bulgarien, Rumänien, Tschechien, Polen oder Thailand in Sachsen auf, sagt Richter. Ihrer Arbeit könnten sie jedoch nicht nachgehen. „Das mag eine kurze Zeit lang gehen. Doch die Lage wird immer prekärer. Denn ohne Einnahmen haben diese Frauen keinerlei Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt zu verdienen“, erklärt die Leiterin von KOBRAnet.

Zuletzt hätten sie Lebensmittelgutscheine verteilt, um wenigstens etwas zu tun. Denn auch die Fachberatung habe derzeit keinerlei Zugang zu den betroffenen Frauen. In Leipzig könnten ihres Wissens nach einige zumindest mietfrei in den Bordellwohnungen bleiben, meint Richter. Ein wirkliches Zuhause oder einen festen Wohnsitz in Deutschland haben viele der osteuropäischen Sexarbeiterinnen hingegen nicht. Sie wechseln wöchentlich oder alle zwei Wochen die Bordellwohnung - wohnen also dort, wo sie auch arbeiten, wenn sie denn arbeiten.

Verlagerung in die Illegalität sehr wahrscheinlich

Wie viele Menschen in Sachsen von Prostitution leben, ist unklar. „Wir können schon in normalen Zeiten keine genauen Zahlen nennen“, so Ulrike Richter. Die letzten verfügbaren Fallzahlen des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt mit Stand Juni 2019 geben 1077 Anmeldungen von Prostituierten und rund 1400 gesundheitliche Beratungen gemäß Prostitutionschutzgesetz an. Die tatsächlichen Zahlen dürften den Fachleuten zufolge deutlich darüber liegen.

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Das Team von Adámastos Hope beispielsweise kümmert sich in Dresden ehrenamtlich um 40 bis 100 Sexarbeiter, vorrangig Frauen. Beratung gibt es demnach nur noch telefonisch. Auch der Chemnitzer Besuchsdienst Perla, der wie die Dresdner zu einem Missionswerk gehört, muss derzeit Abstand halten. Die aktuelle Situation in Chemnitz sei daher nur bedingt einschätzbar.

Sorgen bereitet allen Engagierten die Verlagerung in die Illegalität. „Wir halten das in den drei sächsischen Großstädten für sehr wahrscheinlich“, so die Einschätzung von Adámastos Hope. „Die Nachfrage seitens der Freier ist nach wie vor da und aus der Not heraus wird es auch Frauen geben, die ein Angebot machen“, meint auch Ulrike Richter.

Da viele Prostituierte zudem Geld in ihre Heimat schicken, hängen an jeder Frau weitere Existenzen, ergänzt Hannah Drechsel von Karo. Die Lage der Sexarbeiterinnen wird sich ihrer Ansicht nach weiter verschärfen. Sie befürchtet, dass mancher Freier die existenzbedrohende Situation der Frauen ausnutzen und beispielsweise die Kondompflicht nach Prostitutionsschutzgesetz umgehen werde.

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Von dpa/Claudia Drescher

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