Faktencheck

Erdgas-Krise: Gaspreis fällt allmählich wieder – russische Lieferungen praktisch eingestellt

Seit Herbst 2021 steigen die Gas-Preise bereits an. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine hat sich die Lage an den Börsen immer weiter dramatisiert.

Ein Manometer zeigt den Druck im Erdgasnetz auf dem Gelände des Untergrund-Gasspeichers in Bad Lauchstädt (Sachsen-Anhalt) an.

Leipzig. Der russische Krieg gegen die Ukraine hat in Deutschland eine Energiekrise ausgelöst. Lange Zeit verließen sich Politik, Industrie, Versorger und Verbrauchende auf die preiswerten Erdgas-Lieferungen aus dem rohstoffreichen Russland. Diese sind nun aber zunehmend hinfällig, während Alternativen nicht über Nacht aufgebaut werden können. Das führt zu Verunsicherung und Ängsten. Viele fragen sich, ob es Deutschland gelingen kann, Engpässe und Ausfälle in naher Zukunft noch zu verhindern.

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Im Folgenden versuchen wir die Faktenlage beim Thema Erdgas mit einer Reihe von Infografiken verständlicher zu machen. In den kommenden Wochen und Monaten werden wir hier – ähnlich unserer Überblicksseite zum Thema Corona-Pandemie – auch weitere Informationen hinzufügen.

Absinkende russische Lieferungen

Mehr als die Hälfte der deutschen Erdgas-Importe kam einst aus Russland. Noch im März, einen Monat nach dem russischen Angriff auf die Ukraine, wurden durch die in Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern) ankommenden Leitung Nordstream 1 täglich bis zu 170 Millionen Kubikmeter Erdgas nach Deutschland gepumpt. Das entspricht 1,7 Milliarden Kilowattstunden. Danach wurden allerdings auch auf dieser Pipeline die Durchflüsse mehr als halbiert. Es folgten am 11. Juni planmäßige Reparaturarbeiten an Nordstream 1 und der in Bayern ankommenden MEGAL-Pipeline, weshalb die Lieferungen temporär ganz eingestellt wurden. Nach dem 21. Juli floss das russischen Gas in erneut reduzierter Form wieder - bis zum 31. August. Seither wird Nordstream 1 nicht mehr von russischer Seite beliefert.

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Steigende Rohpreise

Dass Russland bis Ende August überhaupt noch Gas lieferte, lag an den erheblichen Gewinnen, die sich mit dem erheblich verteuertem Rohstoff erzielen ließen. Daran ist allerdings nicht nur der Krieg Schuld. Schon im Frühjahr 2021 begann der Einkaufspreis für Erdgas kontinuierlich zu steigen und hatte ein Jahr später bereits das Dreifache des Vorjahresniveaus erreicht. Experten sehen die Steigerungen unter anderem auch als Konsequenz aus dem enorm gestiegene Bedarf bei vielen Unternehmen nach Ende der meisten Corona-Schutzmaßnahmen im Frühjahr 2021. Zusätzlich ließen aber auch die immer weiter reduzierten Lieferungen aus Russland die Preise weiter steigen - mit jeweiligen Höhepunkten während der Lieferstopps.

Füllstand der Speicher

Die insgesamt hohen Rohstoffpreise dürften zu Beginn dieses Jahres auch Grund dafür gewesen sein, dass die Gasspeicher in Deutschland nach dem Winter weniger gut gefüllt waren. Dann griff Russland die Ukraine an und die Situation auf dem europäischen Energiemarkt wurde noch prekärer. Inzwischen konnten die Speicher unter anderem auch durch verstärkte Gas-Importe aus Norwegen, Niederlande, Dänemark und Algerien sowie durch zum Teil erheblich reduzierten Verbrauch in den Sommermonaten wieder aufgefüllt werden. Ziel ist es, die Bestände bis Anfang Oktober auf 80 Prozent und bis zum 1. November auf 90 Prozent aufzustocken, so wie es das Energiewirtschaftsgesetz vorsieht.

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Wo sind die Gasspeicher?

In Sachsen gibt es keine Erdgasspeicher, dafür betreibt der in Leipzig ansässige Gashandelskonzern VNG AG in Bad Lauchstädt und Bernburg (Sachsen-Anhalt) zwei Speicheranlagen mit einer gemeinsamen Kapazität von 20,8 Terawattstunden (TWh) – beziehungsweise 20,8 Milliarden Kilowattstunden. Die VNG AG besitzt zudem Anteile an einer weiteren Speicheranlage im bei Bernburg (Peißen) mit 5,5 TWh – benannt nach der russischen Zarin Katharina der Großen.

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Nicht zuletzt haben der nordrhein-westfälische Energiekonzern RWE in Staßfurt (Sachsen-Anhalt, 6,9 TWh) und die französische Engy AG in Peckensen (Altmarkkreis, 3,8 TWh) weitere Gasspeicheranlagen im ostdeutschen Bundesland. Zusammen machen alle vier Speicheranlagen in Sachsen-Anhalt etwa 15 Prozent der bundesweiten Kapazitäten aus.

Die größte Gasspeicheranlage Deutschlands befindet sich im niedersächsischen Rehden und gehört zu einer Tochter des früheren russischen Erdgas-Konzerns Gazprom Germania. Dieser wird inzwischen von der Bundesnetzagentur kontrolliert. Die wichtige Anlage war zu Beginn des Jahres fast leer und soll nun allmählich aufgefüllt werden.

In der Republik gibt es insgesamt mehr als 60 Standorte mit Gasspeichern. Viele davon sind in Niedersachsen zu finden, weil dort unter anderem die Zuleitungen aus Nord- und Westeuropa eintreffen. Eine weitere Konzentration von Gasspeichern findet sich in Bayern, wo Ausläufer der Transgas-Pipeline MEGAL ankommen.

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Gaspreis und Energiemix in Deutschland

Aufgrund der angespannten Situation hat das Bundeswirtschaftsministerium von Robert Habeck (Grüne) bereits die zweite Alarmstufe eines Notfallplans ausgelöst – die aber weithin noch keine restriktiven Maßnahmen vorsieht. Dies wäre erst bei einer erneuten Verschärfung denkbar. Dennoch heißt es auch jetzt bereits aus dem Ministerium: „Die Lage ist angespannt und eine Verschlechterung der Situation kann nicht ausgeschlossen werden.“

Angesichts der Entwicklungen der Rohpreise beim Import sollten sich Verbraucher spätestens im kommenden Jahr auf deutlich gestiegene Energiepreise einstellen. Der Endverbraucherpreis setzt sich dabei aus folgenden Komponenten zusammen.

Ein erheblicher Teil des Erdgases in den bundesdeutschen Speicheranlagen wird nicht zuletzt auch für die Stromerzeugung in Gaskraftwerken benutzt. Je nach Tageszeit sind etwa 15 bis 25 Prozent der Energieleistung in Deutschland auf die Verbrennung von importiertem Erdgas zurückzuführen.

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Sollten Sie Anregungen zu den Infografiken oder Informationen auf dieser Seite haben, schreiben sie uns gern: m.puppe@lvz.de.

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Weitere Fakten aus Sachsen: www.lvz.de/fakten

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