Mode

Edles Kaschmir aus Plauen

Saruul Fischer, Designerin aus Plauen, hat sich der Mode aus Kaschmir verschrieben. Die Wolle kommt aus der Mongolei.

Saruul Fischer, Designerin aus Plauen, hat sich der Mode aus Kaschmir verschrieben. Die Wolle kommt aus der Mongolei.

Dresden/Plauen. Saruul Fischer weiß alles über Kaschmir. Die Mongolin, die seit 1986 in Deutschland lebt, hat sich mit ihrem Modelabel „Edelziege“ den Lieferanten dieser wertvollen Wolle verschrieben. „Jeder Mensch sucht nach einer Aufgabe. Ich habe meine gefunden. Ich bin dank der Kaschmirziegen Brückenbauerin“, sagt die Designerin aus Plauen. So könne sie ihre alte mit ihrer neuen Heimat verbinden.

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Weltweit werden nur etwa 8000 Tonnen davon produziert. Ein Pullover aus reinem Kaschmir für 80 Euro? Geht schon mal nicht. Eine einzige Kaschmirziege liefert pro Jahr 200 bis 300 Gramm. Jedes Jahr im Frühling wird ihr das feine Unterhaar ausgekämmt, per Hand. Das macht Kaschmirwolle mit 150 bis 200 Euro pro Kilo zur wertvollsten und teuersten natürlichen Wolle der Welt. „Für einen Pullover benötigt man Flaum von drei bis fünf Ziegen. Wie soll das mit den 80 Euro funktionieren?“, rechnet Saruul vor.

Als sie damals mit ihren Eltern aus der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator nach Deutschland kam, war sie elf. Drei Jahre später die Wende. „Es wäre verrückt gewesen, zurückzugehen.“ Sie machte Abitur, studierte an der TU Dresden Kommunikationswissenschaften, verliebte sich, wurde schwanger und zog mit ihrem Mann nach Plauen ins Vogtland. „Das war beruflich gesehen wie Endstation. Ich hatte einen tollen Mann, ein wunderbares Kind, aber eine Arbeit? Als Kommunikationswissenschaftlerin in Plauen? Ich konnte mich nur selbstständig machen“. Sie dachte an Mode aus Kaschmir. Echtem Kaschmir.

2007 durchforstete sie Ulan Bator, um den richtigen Partner für ihr Label zu finden. Zwei Wochen lang besuchte sie einen Betrieb nach dem anderen, irgendwann stieg sie eine Kellertreppe hinunter und fand eine Strickwerkstatt, „zwei Frauen, zwei Strickmaschinen. Ich hatte sofort das Gefühl, es stimmt“.

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Die Mongolei ist neben China der weltgrößte Kaschmir-Lieferant. Doch wird meist nur Rohware exportiert. Für ihre „Edelziege“ wollte Saruul Fischer das ändern, wollte, dass die Mongolen auch etwas von ihrem flaumigen Gold haben. „Ich entwerfe in Plauen, produziert aber wird in der Mongolei. Ich mache die Arbeiterinnen dort mit meiner Mode nicht reicher, aber sichere das tägliche Leben. Es gibt geregelte Arbeitszeiten und geregelte Löhne“. Das wiederum mache ihre Mode kostenintensiv, ein Pullover ist nicht unter 245 Euro zu haben.

Zweimal im Jahr stellt die Unternehmerin auf Messen ihre neuen Musterkollektionen vor, genauso oft fährt sie in die Mongolei, um mit den Produzenten zu verhandeln. Obwohl sie in diesem Jahr sie ihr zehnjähriges Jubiläum feiert, ist Saruul Fischer bis heute ein Geheimtipp, auch wenn schon der Spiegel oder die FAZ über sie berichteten. Das liegt vielleicht auch daran, dass die Vogtländerin ihre Mode nur über einen eigenen Onlineshop und Boutiquen verkauft, nicht über große Häuser und Ketten. „Wer bei mir einen Pullover kauft, weiß, dass es ihn nur in geringer Stückzahl gibt. Massenware gibt es woanders.“

Bei Katrin Leliveld, die in der Dresdner Königstraße ein Schuhgeschäft betreibt, kann man Saruuls Pullover kaufen. Sie habe sich schockverliebt in die zarten Teile, sagt die Unternehmerin. Außerdem liebe sie schöne Geschichten, und die von Saruul Fischer und ihrem Brückenschlag zwischen zwei Welten, das sei so eine.

https://www.edel-ziege.de/

Von Adina Rieckmann

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