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Bauen und Wohnen

Diakonie: Günstiger Wohnraum ist in Sachsen immer schwieriger zu finden

Blick in ein Zimmer einer Sozialwohnung eines Wohnhauses mit 22 neugebauten Wohnungen, die von der stadteigenen Dresdner Wohnungsbaugesellschaft „Wohnen in Dresden“ (WiD) errichtet wurde.

Blick in ein Zimmer einer Sozialwohnung eines Wohnhauses mit 22 neugebauten Wohnungen, die von der stadteigenen Dresdner Wohnungsbaugesellschaft „Wohnen in Dresden“ (WiD) errichtet wurde.

Dresden/Radebeul.Für Langzeitarbeitslose wird aus Sicht der Diakonischen Werkes in Sachsen die Suche nach bezahlbarem Wohnraum immer schwieriger. In vielen Fällen seien die von der Kommune erstatten Kosten der Unterkunft (KdU) einfach zu gering, sagte die Referentin für Wohnungsnotfallhilfe, Rotraud Kießling, in Radebeul. Besonders kritisch sei es in Städten wie Dresden, wo die KdU sogar noch gekürzt worden seien.

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Bei der Wohnungsnothilfe der Diakonie werden Kießling zufolge aktuell mehr als 3000 Fälle betreut, bei denen der Verlust der Wohnung droht oder bereits erfolgte. Laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa gibt es in großen Städten immer mehr Menschen, die kostengünstigen Wohnraum suchen. Momentan gebe es ihn aber noch in ausreichender Zahl.

Antragsverfahren dauert häufig zu lange

Der Bundesagentur für Arbeit zufolge existieren in Sachsen aktuell etwa 146 000 Hartz IV-Bedarfsgemeinschaften. Wie viele von ihnen eine kostengünstige Wohnung suchen, ist nicht bekannt.

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Gelinge es den Hartz IV-Empfängern eine kostengünstige Wohnung zu ergattern, dauerten die Antragsverfahren oft zu lange, sagte Kießling. Dann sei die Wohnung schon wieder weg. Schwierig sei es für die Betreffenden auch, wenn sie alte Mietschulden oder Einträge bei der Schufa hätten.

„Das Interesse an mietpreis- und belegungsgebundenem Wohnraum hat zugenommen“, sagte ein Sprecher des Leipziger Jobcenters. Die Zahl der Wohnberechtigungsscheine, die das Jobcenter an Bedürftige zur Wohnraumsuche vergibt, hat sich in den Jahren 2018 bis 2020 von 544 auf 1132 mehr als verdoppelt. Darin eingeschlossen sind auch die Hartz IV-Empfänger, deren Zahl von 393 auf 772 stieg.

Stadt Leipzig: Es werden genug günstige Wohnungen angeboten

In die Unterkunftskosten fließen Wohnfläche, Grundmiete und kalte Betriebskosten ein. In Leipzig gelten 45 Quadratmeter Wohnfläche für eine Person als Richtwert, die Kaltmiete, die dafür übernommen wird, wurde in diesem Jahr von etwa 296 Euro auf rund 314 Euro angehoben zuzüglich rund 51 Euro Heizkosten. Bei vier Berechtigten sind es 85 Quadratmeter, rund 610 Euro Miete und etwa 96 Euro Heizkosten.

Vor allem wenn die Vermieter beim Bau, Umbau oder Sanierung soziale Wohnraumförderung kassiert haben, kann die Stadt die Wohnungen für Inhaber eines Wohnberechtigungsscheins reservieren. Einer Stadtsprecherin zufolge werden von der kommunalen Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft, den Genossenschaften und anderen Vermietern genügend kostengünstige Wohnungen angeboten. Für das laufende Jahr kalkuliert die Stadt für die KdU Ausgaben von 130,4 Millionen Euro.

Im Gegensatz zu Leipzig hat die Stadt Dresden die Kosten für Unterkunft von Bedürftige in diesem Jahr gekürzt. So werden den Angaben zufolge seit Juni einem Einzelnen für seine Wohnung nur noch maximal 338 Euro statt zuvor gut 378 Euro Bruttokaltmiete erstattet. Für Haushalte mit drei Personen ging der Betrag von etwa 519 Euro auf rund 499 Euro zurück. Eine Steigerung gibt es erst ab vier Personen von etwa 606 Euro auf gut 617 Euro.

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Die Stadt begründete die Kürzung mit einer „wissenschaftlich fundierte Auswertung“ der Daten. Zudem sei vor allem durch Neubauinvestitionen das Angebot an verfügbaren Ein- bis Dreiraumwohnungen gestiegen. So baue die städtische Tochter „Wohnen in Dresden“ (WiD) ihren Bestand kontinuierlich aus, private Bauträger errichteten weitere geförderte Wohnungen. Rund 10 000 Wohnungen des größten Wohnungseigentümers der Stadt, der Vonovia, sind laut Unternehmen mit einem Belegungsrecht durch die Stadt versehen.

Weniger Hartz IV- Haushalte in Dresden

Nach Angaben der Dresdner Verwaltung ging die Anzahl der Hartz IV- Haushalte von Dezember 2017 bis Ende 2019 von etwa 24 800 auf 20 925 zurück, stieg aber während der Corona-Pandemie wieder leicht an - bis Juni dieses Jahre auf 21 434. Von Januar bis September gab Dresden 73,85 Millionen Euro für die Unterkunftskosten aus, nur wenig mehr als im gleichen Zeitraum 2018 mit 73,72 Millionen Euro. Für das gesamte Jahr 2021 wird mit etwa 102 Millionen Euro gerechnet.

Etwa 20 sogenannte Bedarfsgemeinschaften von Hartz IV-Empfängern mussten in Chemnitz 2019 monatlich umziehen, nachdem sie vom Jobcenter zu Senkung ihrer Wohnkosten aufgefordert worden waren. Auf dem Wohnungsmarkt gebe es ausreichend Angebote, hieß es. Jeder Leistungsempfänger fände in der Regel eine bedarfsgerechte Wohnung. Es wird allerdings darauf verwiesen, dass Hartz IV-Empfänger mit anderen Gruppen um die kostengünstigen Wohnungen konkurrierten, mit Studenten, Asylbewerbern oder Wohngeldempfängern.

Von RND/dpa

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