Corona-Krise in Sachsen

Aus der Not heraus: Gärtnerei verschenkt Tausende Stiefmütterchen

Gärtnermeister Wilfried Zocher steht in seinem Gewächshaus im Örtchen Zadel in der Gemeinde Diera-Zehren inmitten seiner Stiefmütterchen.

Gärtnermeister Wilfried Zocher steht in seinem Gewächshaus im Örtchen Zadel in der Gemeinde Diera-Zehren inmitten seiner Stiefmütterchen.

Diera-Zehren . Wilfried Zocher steht inmitten Tausender Stiefmütterchen und kann noch gar nicht realisieren, was um ihn herum passiert. Wildfremde Menschen durchstöbern am Sonntag zu Hunderten seine Gewächshäuser und schleppen die Pflanzen in Körben, Taschen, Pflanzschalen und ähnlichem in ihre Autos. Für den 68-jährigen Gärtnermeister aus dem Örtchen Zadel in der Gemeinde Diera-Zehren (Landkreis Meißen) ist das ein kleines Wunder. Und vielleicht auch der Lichtstreif am Horizont in einer Zeit, in der er nicht weiß, wie es in seinem kleinen Betrieb mit dreieinhalb Arbeitern überhaupt weitergehen soll.

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Zocher könnte zu einem Verlierer der Corona-Krise werden. Seit Baumärkte und Wochenmärkte überall in Deutschland schließen mussten, braucht auch der Großhandel keine Pflanzen mehr. „Eine absolute Katastrophe für alle, die landwirtschaftlich arbeiten. Unsere Proteste bei der Sächsischen Staatsregierung haben bislang keine Reaktionen ausgelöst“, sagt Manfred Uhlemann, Präsident des Landesbauernverbandes Sachsen.

Verlust von mindestens 33.000 Euro

Kleinunternehmer Zocher, der sich 1990 nach der politischen Wende selbstständig gemacht hat, verkauft ausschließlich an den Großhandel. „Ich habe 140.000 Stiefmütterchen auf 25.000 Quadratmetern unter Folie. Das ist jetzt ein Verlust von mindestens 33.000 Euro“, erzählt Zocher. Geld und Platz aber werden dringend für die Vorbereitung des Mai-Geschäfts mit Beet- und Balkonpflanzen benötigt.

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In der Not hatte seine Schwiegertochter am Freitag die Idee, mit Flyern die Einwohner der Gemeinde zu informieren, dass sie sich Pflanzen abholen können - gratis. Eine Spendenbox steht am Ausgang der Gärtnerei. Über Mundpropaganda gelangte die Schenk-Aktion in die Sozialen Medien. „Innerhalb einer Stunde war die Information am Samstag 140 Mal geteilt“, berichtet Zocher gerührt. Uhlemann kann dem wenig abgewinnen. „Finanziell bringt ihm das aber auch nichts.“

Solidarität in der Krise

Trotzdem strömen am Sonntag bei ungemütlichem Wetter Pflanzenliebhaber nach Zadel. „Wir brauchen eigentlich gar keine Stiefmütterchen, aber wir bekommen sie schon los. Hier geht es um Existenzen. Und es ist schade um die Pflanzen“, sagt eine Frau aus Meißen, die mit ihrem Mann etwa zehn Pflanzen mitnimmt. Solidarität in der Krise.

Die Aktion, die auch in den kommenden Tagen weitergeht, und der vielleicht doch kleine Gewinn sind für Zocher ein Tropfen auf den heißen Stein. „Am Montag habe ich ein Gespräch, in dem es um staatliche Hilfen geht. Ohne die weiß ich nicht, wie es weitergehen soll“, sagt der Gärtnermeister.

Von RND/dpa

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