Jahrhundertflut 2002

20 Jahre nach der Flut ist Sachsen besser gegen Hochwasser gerüstet

Der Weg zum Elbufer in Dresden-Gohlis ist durch eine Flutschutzmauer unterbrochen. Sie wurde als Reaktion auf die Jahrhundertflut 2002 errichtet.

Der Weg zum Elbufer in Dresden-Gohlis ist durch eine Flutschutzmauer unterbrochen. Sie wurde als Reaktion auf die Jahrhundertflut 2002 errichtet.

Dresden. Sachsen ist 20 Jahre nach der Flutkatastrophe 2002 aus Sicht der Landesregierung besser auf solche extremen Wetterereignisse vorbereitet. „Wir haben aus diesen Katastrophen auch immer gelernt, mit einem sehr offen Blick und sehr schonungslos die Dinge analysiert“, sagte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) beim Besuch des Landeshochwasserzentrums (LHWZ) am Freitag in Dresden.

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Dank seitdem geschaffener moderner Frühwarnsysteme und hochmotivierter Fachleute sei Sachsen auch handlungsfähig, wenn Katastrophen eintreten. Angesichts der Klimaveränderung ist laut Kretschmer die Pflichtversicherung privater Wohngebäudeeigentümer gegen sogenannte Elementarschäden dringend nötig – sie soll auch kommen.

„Eigenvorsorge ist eine Frage der Haltung.“

Die Kostenfrage bei solchen Katastrophen muss dem Regierungschef zufolge auch für die Allgemeinheit besser geklärt werden. „Es ist jetzt an der Zeit, dass wir da vorankommen.“ Der Freistaat fordere die Elementarschadenversicherung seit Jahren und habe mittlerweile alle Bundesländer hinter sich versammelt. „Wir hoffen, dass jetzt eine kluge Lösung entsteht.“

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Das Bundesjustizministerium ist nach Angaben von Kretschmer gefordert, einen Gesetzentwurf zu formulieren, der gemeinsam auch mit Versicherungen und Eigentümerverbänden besprochen werde. „Wir wollen die Gesetzgebung im nächsten Jahr abschließen.“ Das sei angesichts der Klimaveränderung dringend nötig, denn noch immer würden Kompromisse gemacht. „Es kann nicht sein, dass man sich im hochwassergefährdeten oder Überschwemmungsgebiet ein Haus baut und darauf verlässt, dass das die Allgemeinheit dann bezahlt“, sagte Kretschmer. „Eigenvorsorge ist eine Frage der Haltung.“

8,6 Milliarden Euro Schaden in Sachsen

Das Elbehochwasser 2002 galt mit 21 Toten bis zur Flut im Ahrtal als teuerste Naturkatastrophe in der deutschen Geschichte. Allein in Sachsen summierten sich die Schäden auf 8,6 Milliarden Euro. Der Freistaat investierte seitdem rund 3,3 Milliarden Euro aus EU-, Bundes- und Landesmitteln in Flutschutz und -schadensbeseitigung.

„Ich finde, dass immer schnell in Vergessenheit gerät, wie schlimm das war“, sagte Kretschmer. Es betrübe ihn, dass Wünsche der Bürger nach Rückhaltebecken wie in der Chemnitzer Region nicht realisiert werden könnten. Die Frage Natur- oder Hochwasserschutz werde heute zu oft zu Ungunsten des letzteren abgewogen. „Diese Disussion sollte 20 Jahre danach nochmal geführt werden.“ Das eine schließe das andere nicht aus.

„Die 312 Liter Regen pro Quadratmeter, die am 12. August fielen, ist noch immer der bisherhöchste je in Deutschland gemessene Tagesniederschlag“, machte Uwe Müller vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) die Dimension des 24-stündigen Dauerregens, der Tod und Verwüstung auch nach Sachsen brachte, damals noch einmal deutlich. Eine der Lehren aus der Hochwasserkatastrophe sei die Reform des Warnsystems. Noch 2002 wurde das LHWZ gegründet, das im Ernstfall direkt alle Kommunen, Katastrophenschutzbehörden und Leitstellen informiert. Und die Empfänger der Warnungen müssten innerhalb einer Stunde bestätigen, dass sie sie erhalten haben. „Es kann niemand sagen, er hat von nichts gewusst.“

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Zudem wurde das Pegelmessnetz hochwassersicher ausgebaut und in ein landeseigenes Niederschlagsnetz investiert. Zwei Apps ermöglichten zudem jedem, auf dem aktuellen Stand zu sein, sagte Müller. Die „Meine Pegel“-App gebe einen schnellen Überblick über aktuelle Hochwasserlage und Warnungen in Deutschland und lokale Hochwasser, die sich infolge von Starkregen entwickelten mit oft nur kurzer Vorwarnzeit gebe es die „WarnWetter“-App des Deutschen Wetterdienstes.

Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen, betrachtet beim Familiennachmittag zum Flutgedenken "20. Jahrestag des Jahrhunderthochwassers 2002" auf Schloss Weesenstein ein Foto des überfluteten Schlossgartens.

Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen, betrachtet beim Familiennachmittag zum Flutgedenken "20. Jahrestag des Jahrhunderthochwassers 2002" auf Schloss Weesenstein ein Foto des überfluteten Schlossgartens.

Am Nachmittag traf Kretschmer bei einem Familienfest zum Jahrestag auf Schloss Weesenstein auf Zeitzeugen aus dem Müglitztal, das zum Synonym wurde für die Jahrhundertflut. Er sprach dabei auch über seine eigenen Erlebnisse damals als Katastrophenschützer. In Dresden habe er ein Altenheim mit evakuiert, sie seien nachts durch hohes Wasser gewatet. „Über mehrere Wochen haben wir dann in Altendorf oberhalb von Bad Schandau 600 bis 1000 Menschen früh, mittags und abends bekocht und verpflegt.“

Die Erinnerung, wie der reißende Fluss durch die engen Gassen schoss, „das sind Bilder, die vergisst man nicht“, sagte der CDU-Politiker. Die Hilfsbereitschaft, das Zusammenstehen, das Machen ohne zu fragen, „das habe ich jetzt beim Waldbrand in der Sächsischen Schweiz wieder erlebt“.

Von Simona Block/dpa

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