Tipps für den Ernstfall

Angst vor Chemiewaffen: Wie ukrainische Medien die Bevölkerung auf einen Angriff vorbereiten

Eine Familie begutachtet die Schäden an ihrem Wohnhaus in Kiew, die durch eine russische Rakete verursacht wurden.

Eine Familie begutachtet die Schäden an ihrem Wohnhaus in Kiew, die durch eine russische Rakete verursacht wurden.

Der Kreml wirft der Ukraine vor, Labore für biologische und chemische Waffen zu betreiben. Internationale Faktenchecker hatten Behauptungen bereits entkräftet. Die USA halten diese Behauptung für gefährliche Propaganda. Denn dahinter könnte ein möglicher Vorwand stecken, selbst Chemiewaffen gegen die Ukraine einzusetzen.

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Angesichts der drohenden russischen Niederlage sehen einige Expertinnen und Experten eine Gefahr: Mit dem Rücken zur Wand könnte Putin, wie in Syrien, zu Chemiewaffen greifen oder sogar eine nukleare Eskalation anzetteln.

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In der Ukraine bereitet man sich darauf bereits vor. Medien geben Tipps, wie sich die Bevölkerung im Ernstfall verhalten soll. Die Berichterstattung liest sich wie eine Gebrauchsanweisung. Nüchtern und unaufgeregt. So listet beispielsweise der ukrainische Fernsehsender TSN auf, was „im Falle eines chemischen Angriffs“ zu tun sei.

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Darin heißt es: „Fenster und Türen, Lüftungsöffnungen und Schornsteine dicht schließen.“ Und: „Dichten Sie die Risse in den Fenstern mit Papier oder Klebeband ab.“ Außerdem solle man das Radio anstellen, um Anweisungen zu erhalten.

Russische Truppen in der Ukraine zunehmend mit Schwierigkeiten konfrontiert

Die ukrainischen Truppen haben nach britischen Angaben Städte und Verteidigungsstellungen bis zu 35 Kilometer östlich von Kiew zurückerobert.

Gasmasken oder Mullbinden aus Baumwolle

Um sich im Falle einer Evakuierung während eines chemischen Angriffs zu schützen, empfiehlt der Sender: „Verwenden Sie Gasmasken oder Mullbinden aus Baumwolle, die Sie in Wasser oder vorzugsweise eine 2-5 %-igen Lösung aus Backpulver (bei Angriff mit Chlor) oder Essig- oder Zitronensäure (bei Angriff mit Ammoniak) tränken. Weiter heißt es in der Auflistung: „Verlassen Sie den Raum über eine Treppe.“ Und: „Berühren Sie keine Gegenstände auf der Straße.“

Viele andere ukrainische Medien verbreiten die Tipps auch. Oftmals über den Messangerdienst Telegram und mit der Überschrift: „Der Feind bereitet chemische Angriffe vor: Was ist während des Angriffs zu tun?“ Das Wort „Feind“ (ukrainisch: „Ворог“) kommt in der Berichterstattung häufig vor, wenn von Russland die Rede ist.

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In der Zeitung „Ukrajinska Prawda“ gibt außerdem der Berater des Bürgermeisters von Mariupol, Petr Andryushchenko, Tipps, wie sich eine Stadt auf eine Belagerung vorbereitet. „Ich verstehe, dass es nicht an uns ist, Ratschläge zu geben. Aber wer sonst außer uns?“, schreibt Andryushchenko. Er empfiehlt unter anderem, sämtliche Wasserquellen auf einer Karte einzuzeichnen, die Kellerzugänge offenzuhalten und geheime Lagerräume für Lebensmittel zu schaffen.

„Wenn wir Erfahrung in der Vergangenheit gehabt hätten, hätten wir effektiver verteidigt. Aber wir waren die Ersten“, schreibt er angesichts der drohenden humanitären Katastrophe in der von Russland belagerten Hafenstadt Mariupol.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hatte am Donnerstag einen möglichen Einsatz von Chemiewaffen im Ukraine-Krieg als „absolut inakzeptabel“ bezeichnet. „Wenn chemische Waffen eingesetzt werden, das würde natürlich die Art des Konfliktes komplett verändern“, sagte Stoltenberg im ARD-„Brennpunkt“ laut Übersetzung des Senders. „Es wäre absolut inakzeptabel. Und das würde weitreichende Konsequenzen haben“, so der Norweger. Wie genau diese Konsequenzen aussehen könnten, erklärte er nicht.

Sloweniens Regierungschef Janez Jansa rechnet nicht damit, dass Russland in der Ukraine Chemiewaffen einsetzen wird. „Das wäre (...) sehr unklug und ein Schuss ins eigene Knie“, sagte Jansa am Donnerstag am Rande eines Nato-Sondergipfels zum Ukraine-Krieg in Brüssel. Man sei jedoch besorgt, dass die russischen Kräfte Chemieanlagen und ähnliche Einrichtungen beschössen. Das könne eine Katastrophe großen Ausmaßes auslösen. Es habe einen öffentlich bekannten Fall gegeben. Es sei jedoch noch unklar, ob das absichtlich war.

RND/dpa/lau

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