„Warum ,The Defenders’? Weil’s einfach Spaß macht“

The Defenders fahren Fahrstuhl: Krysten Ritter (Jessica Jones), Finn Jones (Iron Fist), Charlie Cox (Daredevil) und Mike Colter (Luke Cage).

The Defenders fahren Fahrstuhl: Krysten Ritter (Jessica Jones), Finn Jones (Iron Fist), Charlie Cox (Daredevil) und Mike Colter (Luke Cage).

In „The Defenders“ finden vier der populärsten Action-Serienhelden aus Marvel-Comicverfilmungen zusammen, um mal wieder New York zu retten, die am meisten gerettete Stadt der Filmgeschichte: Daredevil, Jessica Jones, Luke Cage und Iron Fist. Warum dieses Familientreffen?

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Charlie Cox: Weil’s Spaß macht! Netflix hat herausgefunden, dass viele Menschen eine oder zwei Serien aus dem Marvel-Universum angesehen haben, aber manche Helden noch gar nicht kennen. Hier kommen wir mal alle zusammen. Aber „The Defenders“ funktioniert auch für Leute, die keinen der Superhelden kennen. Das ist ein schwieriger Spagat: Du musst die Neueinsteiger ansprechen, ohne die Experten zu Tode zu langweilen.

Vier egomanische Superhelden müssen plötzlich als Team funktionieren. Sind Sie selbst gute Teamplayer – oder eher Solisten?

Charlie Cox: Als Schauspieler musst du ein guter Teamplayer sein, deine Kollegen unterstützen, großzügig sein. Aber als Daredevil? Kein Stück.

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Finn Jones: In der Filmindustrie arbeitest du mit 150 Leuten an einer Szene. Da kommst du als Egoist nicht weit. Und wir haben alle Respekt vor den Einzelleistungen der anderen. Wir lernten uns kennen, erzählten uns Anekdoten, Erfahrungen. Wir haben voneinander gelernt.

Und plötzlich sollen vier TV-Shows praktisch zu einer verschmelzen, jede mit ihrer eigenen Erzählweise, eigenem Tempo, eigener Farbe. Wie kann man das erreichen?

Charlie Cox: Der Trick ist, sich nicht eine der vier Shows rauszupicken und die anderen drei zu zwingen, diesem Vorbild zu folgen, sondern eine fünfte zu entwickeln – eine ganz neue. „The Defenders“ hat seine ganz eigene Sprache. Aber wenn Jessica Jones auftaucht, ist sie trotzdem eindeutig Jessica Jones. Sogar die Farben, die Kulisse werden dem dann angepasst, so dass ganz klar ist: Dies ist eine Jessica-Jones-Szene.

Finn Jones: Die Show ist ein bisschen humorvoller als die Einzelserien, ein bisschen lockerer. Wir mögen den Zynismus und die Abgezocktheit der vier Serien, aber „The Defenders“ ist ein bisschen unbekümmerter und ironischer. Es ist zum Beispiel unmöglich, Daredevil und Jessica Jones einander begegnen zu lassen, ohne dass sie einen Spruch über sein Kostüm macht. Das geht gar nicht.

Sigourney Weaver spielt Alexandra, den Chefbösewicht der Serie. Wie war es, mit ihr zu drehen?

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Finn Jones: Das war großartig. Sie war ungeheuer nett und großzügig, wahnsinnig professionell. Sie ist halt eine Ikone – wann immer sie in einer Szene auftauchte, wurde die zu etwas Besonderem.

Das Superhelden-Genre erlebt seit Jahren ein stabiles Hoch. Worauf führen Sie das zurück? Welches Bedürfnis erfüllen Superhelden?

Finn Jones: Der Archetyp des Superhelden ist tief in uns abgespeichert. Menschen lassen sich gern von Helden inspirieren, bewundern sie. Als Kinder lernen wir diese Helden kennen, und als Erwachsene leben sie noch immer in uns und versetzen uns zurück in diese wundervolle, verspielte, sorglose Zeit.

Charlie Cox: Und je gebrochener diese Figuren wirken, desto näher sind sie tatsächlich an einem realen Menschen, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass sie jemandem ähneln, den Sie tatsächlich kennen – oder der sie sein könnten.

Könnten Sie im echten Leben mit jemandem wie Daredevil befreundet sein?

Charlie Cox: Gute Frage. Sicherlich mit Matt Murdoch, dem Rechtsanwalt, der ja erst nachts auf Verbrecherjagd geht und zu Daredevil wird. Aber mit Daredevil? Befreundet? Ich frage mich, ob ich ihn bewundern würde oder er mich abschreckt. Ich glaube, wenn man nicht seiner Meinung ist, wenn es zum Streit kommt, findest du ihn schnell nicht mehr so nett… Nicht weil er dich verprügelt, sondern weil er etwas engstirnig ist. Er hat vom Leben oft einen Arschtritt bekommen und muss an seinem Karma arbeiten. Er ist oft sehr einsam und verwirrt.

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Wird es eine zweite Staffel von „The Defenders“ geben?

Charlie Cox: Da wissen wir nicht mehr als Sie. Kann sein, dass da was in Planung ist. Das Problem ist ja immer, dass wir alle vier mit unseren eigenen Serien zu tun haben.

Kampfszenen werden in „The Defenders“ überwiegend in engen Gängen oder Treppenhäusern ausgetragen. Warum eigentlich?

Charlie Cox: Ich werde richtig wütend in Treppenhäusern! Enge Gänge machen mich wahnsinnig, die regen mich echt auf! Nein, das ist natürlich eine Hommage an die erste Staffel von „Daredevil“. Im Ernst: Ich habe zwei Monate im Fitnessstudio verbracht, um fit für die Kämpfe zu sein, Muskelmasse aufzubauen. Für mich war es leichter, mich als Daredevil auf die Kämpfe vorzubereiten, als für Finn.

Finn Jones: Warum?

Charlie Cox: Na, weil dein Iron Fist einen bestimmten Kampfstil hat, eine Technik. Daredevil haut einfach drauf, da geht’s nicht um Technik. Die Choreographie ist simpler. Ich war echt beeindruckt, als ich ans Set kam und mein Stuntkoordinator zu mir sagte: „Okay, das geht so: Schlag-Tritt-Schlag-Schlag-Tritt – fertig.“ Und dann sagte Finns Stuntkoordinator zu ihm: „Okay: Du hebst den Arm bis hier, dann drehst du ihn herum, dann die Hände nach außen, dann bis hierher zurück… und so weiter.“ Und der macht das einfach nach! Exakt richtig!

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Wer ist denn der stärkere Defender im echten Leben?

Finn Jones: Das ist Krysten Ritter, also Jessica Jones. Ganz klar. Die haut jeden von uns um.

Was ist das Bizarrste daran, plötzlich berühmt zu sein?

Finn Jones: Dass plötzlich jeder, der glaubt, dich zu kennen, automatisch annimmt, dass auch du ihn kennst. Ich gehe die Straße runter, und irgendwelche Wildfremden kommen auf mich zu und begrüßen mich wie einen alten Freund. Das ist seltsam und großartig gleichzeitig. Als wolle die ganze Welt plötzlich dein Freund sein. Jeder kennt dich, weiß, was du tust – das ist surreal, aber auch sehr schmeichelhaft.

Charlie Cox: Das ist in New York anders. New York interessiert nicht die Bohne, wer du bist. Bekanntheit ist da einfach nicht so wichtig. Die sind das gewohnt.

Sind Sie denn selbst Binge-Watcher?

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Finn Jones: Nein, ich nicht. Ich mag das nicht. Ich gucke lieber so zwei Folgen am Stück.

Charlie Cox: Ist das nicht schon Bingewatching?

Finn Jones: Nein – da guckst du sechs oder acht oder die ganze Staffel am Stück!

Charlie Cox: Das ist verrückt. Das könnte ich nicht. Aber täglich eine Folge – das ist meine Frequenz.

Was ist denn Ihre aktuelle Lieblingsserie?

Charlie Cox: Im Moment bin ich mit „The Leftovers“ beschäftigt, die ist super. Und „The Keepers“, die Dokumentation über den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche und den ungeklärten Mord an der Nonne Cathy Cesnik.

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Finn Jones: Mein Favorit im Moment ist „High Maintenance“, die HBO-Comedy. Und „Westworld“. Und „Big Little Lies“, „Broad City“, „Transparent“, „Mr. Robot“…

Charlie Cox: Vielleicht erwähnst du noch eine von Netflix…

Finn Jones: Ich habe im Moment gar keinen Netflix-Account.

Charlie Cox: Dafür habe ich vier. „Glow“ ist echt gut! Die ist von Netflix.

Vielen Dank für das Gespräch.

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Von Imre Grimm/RND

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