„Unzensiert – Bushidos Wahrheit“ auf Amazon Prime Video: unglaublich ehrlich

Der Rapper Bushido in einer Szene der sechsteiligen Serie „Unzensiert – Bushidos Wahrheit“, die am 26. November bei Amazon Prime Video startet.

Der Rapper Bushido in einer Szene der sechsteiligen Serie „Unzensiert – Bushidos Wahrheit“, die am 26. November bei Amazon Prime Video startet.

Berlin. Gleich zu Beginn wird Anis Ferchichi, so der bürgerliche Namen des Rappers, gefragt, ob er stolz auf sich sei, wenn er auf die vergangenen drei Jahre zurückblicke. Bushido, der zwischen 2005 und 2018 zum Megastar des Genres und gar zum Objekt der Klatschpresse avancierte, nennt zunächst auch ein paar Beispiele für seinen Stolz, etwa das „gute Gespür in Sachen Musik“. Dann aber beginnt eine brachiale Abrechnung mit sich selbst und seiner langjährigen Abhängigkeit vom kriminellen Berliner Abou-Chaker-Clan, die zum zentralen Thema werden wird.

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„Nein, stolz bin ich nicht, auf keinen Fall“, sagt er mit längst feuchten Augen und atmet hörbar durch. Für einen kurzen, stillen Moment nur sieht man ein allenfalls angedeutetes, fast gütiges Lächeln, so als wünsche er sich Absolution. Dann aber gewinnt wieder die Scham die Oberhand, und Bushido blickt schuldbewusst zu Boden.

Es sind diese stillen Momente in „Unzensiert – Bushidos Wahrheit“, auch die kurzen Blicke zwischen dem 43-Jährigen und seiner Frau Anna-Maria und die Gesten gegenüber seinen Kindern, die bisweilen mehr verraten als alle eloquent gewählten Worte. Dann wirkt Bushido zutiefst menschlich, und selbst der skeptische Zuschauer mag jetzt an der Wahrhaftigkeit zumindest dieses Augenblicks nicht zweifeln. Hier scheint ein Saulus auf dem Weg zum Paulus.

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Versagen, Schuld und Scham

Saulus, das ist der Bushido, den die langjährige Abhängigkeit von Clanboss Arafat Abou-Chaker beinahe seine Ehe und schließlich seine Selbstachtung gekostet hätte. Wenn er etwa erzählt, wie er wortlos und gesenkten Blickes zuließ, dass seine Frau von Abou-Chaker aufs Übelste beschimpft und bedroht wurde, gerät ihm das beinahe zur Selbstgeißelung. Jahrelang sei er für den Clan anschaffen gegangen, so Bushidos drastische Schilderung.

Für seine Glaubwürdigkeit spricht, dass durchaus auch kritische Stimmen zu Wort kommen. So ist Rapperrollege Charnell überzeugt, dass „der kleine Graffitisprayer“ erst durch die Nähe zum Clan die notwendige Street-Credibility für den ganz großen Erfolg erlangen konnte. Und der Islamwissenschaftler Ahmad Omeirate sieht in Bushido und Abou-Chaker „die Pioniere, die Deutschrap und Clankriminalität beziehungsweise Clans an sich als erfolgreiches Businessmodell etabliert haben“.

Von Versagen, Schuld und Scham, vor allem seiner Familie gegenüber, spricht Bushido selbst immer wieder. Familie – das ist hier das Schlüsselwort, an dem alles hängt. So war es zunächst einzig und allein Anna-Maria, die wie eine Löwin um ihre Familie gekämpft und trotz aller Drohungen wiederholt den Mut aufgebracht haben soll, Arafat Abou-Chaker die Stirn zu bieten.

Der heimliche Star ist Bushidos Frau

Überhaupt ist die Schwester von Popstar Sarah Connor hier so etwas wie der heimliche Star. Mag die 40-Jährige auf den ersten Blick nur wie eine weitere semiprominente Influencerin daherkommen, so gewinnt sie in jedem ihrer Interviews oder Gespräche mit ihrem Mann ein wenig mehr an Profil.

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Eine wichtige Frage aber, vielleicht die wichtigste, bleibt unbeantwortet. Was wäre passiert, wenn Arafat Abou-Chaker nicht in jeder Hinsicht übergriffig geworden wäre? Wäre auch dann aus dem Saulus ein Paulus, aus Bushido endlich der Familienvater Anis Ferchichi geworden? Eine Frage, auf die er, wie er zugibt, keine Antwort weiß. Und man ist versucht, ihm auch diese unglaubliche Ehrlichkeit abzukaufen.

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