Eine Serie für Seufzer

Alles neu im Haus am Meer – die Romanze „The Summer, I Turned Pretty“ bei Prime Video

Der Sommer, in dem alles neu ist: Isabel (Lola Tung) weiß nicht, warum Conrad (Christopher Briney) sich so seltsam benimmt. Szene aus der Serie „The Summer, I Turned Pretty“, die am 17. Juni bei Amazon Prime Video startet.

Der Sommer, in dem alles neu ist: Isabel (Lola Tung) weiß nicht, warum Conrad (Christopher Briney) sich so seltsam benimmt. Szene aus der Serie „The Summer, I Turned Pretty“, die am 17. Juni bei Amazon Prime Video startet.

Und die Welt hebt an zu singen für die „fast 16-jährige“ Isabel, Belly (Lola Tung) genannt, als sie in diesem Sommer wie in allen Sommern davor seit ihrer Kindheit in Cousins Beach eintrifft. Es ist schon immer ihre liebste Zeit des Jahres gewesen. Aber noch bevor sie dieses Mal ihre zweite Heimat erreicht, das Strandhaus von Susannah (Rachel Blanchard), der besten Freundin ihrer Mutter Carol (Jackie Chung), lädt sie der im Flirtmodus befindliche junge Verkäufer in einem der Läden des Städtchens Cousins Beach zum Strandfeuer ein. Eine neue Art von Aufmerksamkeit wird ihr zuteil.

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Bislang waren Isabel und ihr Bruder Steven (Sean Kaufman) „nur“ die besten Kumpel von Susannahs Söhnen Conrad (Christopher Briney) und Jeremiah (Gavin Casalegno). Isabel war das Mädchen zum Pferdestehlen, Freundin unter Freunden, ein Fastjunge mit Babyspeck und Zahnklammer. Heimlich ist sie zwar schon in Conrad verliebt, seit sie 12 ist, aber es war die schwärmerische Art von Liebe – und bemerkt hat es der Angehimmelte offenbar nie.

Unterwegs in den Happy-go-lucky-Sommer

„Er wird dich jetzt bemerken“, ist sich Bellys beste Freundin Taylor (Rain Spencer) zu Hause beim Packen sicher, und verliert sich mit Isabel in einen kichernden Backfischschnack über Zungenküsse, „boobs“ und sexy Outfits. Und dann sieht man die Einigermaßen-happy-go-lucky-Family (Carols Scheidung ist ein Jahr her, man versteht sich schon wieder) auch schon zu Happy-go-lucky-Musik im Autoradio unterwegs in den Blauer-Himmel-Sommer, der der „Summer, I Turned Pretty“ wird, der Sommer, in dem sich die Wahrnehmung praktisch aller Jungs für Isabel komplett geändert hat.

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„Du bist groß geworden“, stellt der blonde Sonnenschein Jeremiah fest. Der ernste Conrad findet dagegen zur Begrüßung den falschen Ton: „Mit Brille mochte ich dich lieber“, sagt er. „Zu blöd. Ich mag mich lieber ohne“, erwidert Belly. Dann wuschelt er ihr durchs Haar wie immer, als sie – bis zur letzten Sommerfrische – noch Kinder waren. Nur will diese Geste nicht mehr passen.

Alle gehen plötzlich anders um mit Isabel

So wird dieser Sommer erst mal der Schlechteste von allen. Die Jungs trauen sich nicht mehr, wie früher unbekümmert mit Isabel umzugehen. Und die Mütter reden unbefangen über „Brüste“ und das „Erblühen“ und die Sachen, die sonst nie in ihrer Gegenwart beredet wurden, so als wäre Isabel plötzlich eine von ihnen. Was sie verlegen macht. „Lass dich von meiner Mutter nicht zur Puppe machen, nur weil sie keine Tochter hat“, rät ihr der kiffende Conrad abends am Rand des Pools. Susannahs Ansinnen, sie zum Debütantinnenball zu schicken, solle sie – obgleich das Ereignis längst nicht mehr den Brautschaucharakter früherer Zeiten hat – am besten rundheraus ablehnen.

Und dann kreuzt Isabel auch noch im hautengem Outfit beim Schlabberlookstrandfeuer auf, und ist zugleich viel zu knapp angezogen und hoffnungslos overdressed, woraufhin ihr Bruder sie sofort zurück nach Hause zerren will. Im Streit geht Isabel zu Boden, fällt direkt vor die Füße von Conrad, der dort gerade mit einer anderen knutscht. Beleidigungen fliegen, Conrad kassiert ein „Arschloch“, Stephen ein „Fuck you!“. Am Ende bringt die Polizei alle nach Hause.

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Beste Freundinnen für immer: Carol, die Mutter von Isabel (Jackie Chung, l.) und Susannah, die Mutter von Conrad (Rachel Blanchard). Szene aus „The Summer, I Turned Pretty“.

Beste Freundinnen für immer: Carol, die Mutter von Isabel (Jackie Chung, l.) und Susannah, die Mutter von Conrad (Rachel Blanchard). Szene aus „The Summer, I Turned Pretty“.

Sieben Episoden lang geht es nun um die ersten Irrungen und Wirrungen des Herzens. Ein dunkles Geheimnis scheint den abweisenden Conrad zu umwehen, sodass die Serie auch „Ich wüsste gern, was du seit letztem Sommer getan hast“, heißen könnte. Und andere Bewerbende tauchen auf – mindestens drei Herzen wirbeln in der Happy-End-Maschine. Die Kinder- und Jugendbuchautorin Jenny Han hat auch am Drehbuch mitgearbeitet – das Ergebnis ist Romantik für ein sehr junges Publikum.

Manche Zuschauerinnen dürften um emanzipatorische Errungenschaften bangen

Die gewiss auch streitbare Gemüter auf die Barrikaden rufen dürfte, die mit dem Schwert der Emanzipation auf das Schild der weiblichen Unterdrückung einschlagen, weil hier ein altmodisches, Äußerlichkeiten propagierendes Frauenbild gutgeheißen wird: Leg deine Zahnklammern ab, kauf dir einen gefährlichen Badeanzug und schon hast du eine Libido-gesteuerten Legion von Jungmännern im Kielwasser. Aber Belly inszeniert sich niemals als Beute. „Wir sind alle auf unsere eigene Weise schön“, schickt sie in der letzten Episode auch noch Binsenweises wider Bodyshamer aus dem Off. Und sowieso: Niemand wird ernsthaft glauben, dass eine kleine Serie fürs Herz die ganze Women‘s Lib zunichtemacht.

Es geht hier wohltuender Weise auch nicht wie so oft in Teeniefilmen in einem fort um den „Triumph“ des ersten Mals. Hier wird (auf hollywood’sche Art) der Zauber des Coming-of-Age eingefangen. Und auch von den Schmerzen des Erwachsenwerdens wird erzählt, dem anstehenden Abschied von der Familie, in der man groß wurde und den Goodbyes mit Trauerflor, die einen nur noch mit Erinnerungen zurücklassen. Ja, natürlich hat es seinen Grund, warum der ersehnte Galan Conrad in dieser Saison so verdüstert ist.

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Fürs Zielpublikum ist die Serie ein Volltreffer

Fürs Zielpublikum ist „The Summer, I Turned Pretty“ jedenfalls ein Volltreffer. Und die passende Auswahl der begleitenden Popsongs – von ELOs opulentem „Mr. Blue Sky“ bis zum zarten „Funeral“ der – äußerst entdeckenswerten – Songwriterin Phoebe Bridgers – tröstet über Zachary Dawes‘ synthetische Funkelmuzak hinweg, die an Francis Lais Scores für David Hamiltons üble Nymphenfilme à la „Bilitis“ (1977) gemahnt. Und wer jetzt beim letzten Meeresrauschen vor Cousins Beach traurig ist, weil er nicht weiterseufzen und ‑schniefen kann. Es gibt drei Romane über Isabel, und am 8. Juni wurde die zweite Staffel schon beschlossen. Der nächste Sommer kommt bestimmt.

„The Summer, I Turned Pretty“, erste Staffel, sieben Episoden, mit Lola Tung, Jackie Chung, Rachel Blanchard, Christopher Briney, Gavin Casalegno, Sean Kaufman (ab 17. Juni bei Amazon Prime Video)

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