Fiktiver Fall ist viel diskutiert

Ludwigshafen-„Tatort“: Expertin erklärt, wie aus Kindern sogenannte Systemsprenger werden

Traut sich der Schüler Pit (Finn Lehmann), Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) von seinem Streit mit Marlon zu erzählen?

Traut sich der Schüler Pit (Finn Lehmann), Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) von seinem Streit mit Marlon zu erzählen?

Ludwigshafen. Gewalt in der Schule: Es ist ein schwieriges Thema, das der jüngste TV-„Tatort“ aus Rheinland-Pfalz anpackte. Die Folge „Marlon“ des Ludwigshafener Sonntagskrimis warf ein Schlaglicht auf Minderjährige mit Wutanfällen - sogenannte Systemsprenger. Der viel diskutierte, fiktive Fall in einer Schule endete tödlich. Auch im Bundesland befassen sich Experten schon lange mit der Problematik.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Es handelt sich um ein komplexes Problem

„Der Begriff Systemsprenger bezeichnet ein komplexes Problem, das unter anderem in den Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe beobachtet wird“, sagte Katja Waligora, stellvertretende Leiterin der Abteilung Schulpsychologie des Pädagogischen Landesinstituts Rheinland-Pfalz, der Deutschen Presse-Agentur. Bei dem Problem handele sich aber nicht um eine Persönlichkeitseigenschaft.

„Dahinter steckt meist vielmehr eine Dynamik des Scheiterns, die durch Abbrüche und Erfahrungen des Versagens verstärkt wird“, erklärte sie. Minderjährige seien wie in einem Teufelskreis gefangen. Hinter dem Verhalten können sich biografische Belastungen verbergen, etwa Vernachlässigung oder Gewalt. „Kaum ein Kind ist von Beginn an ein Systemsprenger, meist handelt es sich um eine lange Entwicklung.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Gründe für Gewalt seien vielfältig. „Heranwachsenden fällt es manchmal schwer, mit Enttäuschungen und Frustration umzugehen. Sie explodieren rasch, wenn ihnen etwas nicht gelingt oder sie sich bedrängt fühlen.“ Dies könne sich wie im Fernseh-„Tatort“ auch in Aggressionen gegen Lehrer äußern. Der Umgang mit Kindern und Jugendlichen, die über einen langen Zeitraum Gewaltbereitschaft zeigen, könne mittels einer engen Begleitung durch Teams gelingen.

„Ein wesentliches Ziel vieler gewaltpräventiver Maßnahmen besteht darin, dass Kinder und Jugendliche lernen sollen, mit Wut, Ärger und Frustration so umzugehen, dass die Wahrscheinlichkeit von gewalttätigem Verhalten vermindert wird“, sagte Waligora. Im „Tatort“ kommt diese Erkenntnis für den fast neunjährigen Marlon aber zu spät.

RND/dpa

Mehr aus Medien

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Spiele entdecken