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Schatzräuber als Terrorbekämpfer

Alter Bond, was nun? Pierce Brosnan im Arabien-Rififi „The Misfits“ bei Wow und Sky Q

Ein Gentleman bittet zur Kasse: Meisterdieb und Meisterausbrecher Richard Pace (Pierce Brosnan) zögert, bei einem Coup gegen Terroristen mitzumachen. Szene aus dem Film „The Misfits“.

Sein Name ist Pace, Richard Pace und nein, keine Ahnung, wie der seinen Martini trinkt. Pierce Brosnan, einst als Agent 007 im Geheimdienst Ihrer Majestät, klaut als Gentlemandieb einem arabischen Prinzen eine Uhr, eine von den Protzuhren, deren Zifferblatt von Diamanten umzingelt ist. Er wird prompt von dessen Leibwächtern erwischt und – Überraschung! – nicht umgebracht. Schließlich sind wir noch in der ersten Viertelstunde des Films „The Misfits“ und Brosnan spielt hier die Hauptrolle. Aber er wird ein wenig derangiert und dann sitzt er da in einer Tiefgarage mit blutiger Nase und sagt den Satz, den sich so manche an diesem Film Beteiligte hinter die Ohren schreiben sollten: „Hätte ich doch was Anständiges gelernt.“ Dazu ist es nie zu spät, liebe Leute.

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Brosnan hat was Anständiges gelernt. Der irische Schauspieler hat nicht nur Abba-Fummel getragen in seiner Karriere, er war außer James Bond auch der Monet-Dieb Thomas Crown und hat unter anderem für Polanski, Tim Burton und Richard Attenborough vor der Kamera gestanden. Hier versucht er, für Renny Harlin (den wohl namhaftesten aller finnischen Regisseure) noch einmal Mr. Supersmart zu geben.

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Richard Pace ist aus seiner Gefängniszelle ausgebrochen – 24 Stunden vor seiner Entlassung. Seine Verfolger, zuvörderst der Privatknastmogul Werner Schultz (Tim Roth), fragen sich, wieso jemand so was Dummes macht. Die Gang Misfits um den schwarzen Ringo (Nick Cannon) braucht ihn für einen ganz speziellen Coup. Die Misfits sind Meister der Inszenierung, auch des Timings, für das sie schon mal wertvolle Uhren benutzen. Sie haben Pace‘ Flucht ermöglicht.

Comeback für Harlin? - „Oceans 11“-Atmosphäre ist ja immer nett

„Ringo wie der Beatle, und fragt jetzt nicht nach John, Paul und George“, stellt sich uns der Misfits-Chef, ein Robin Hood der Bankschließfächer, gleich zu Beginn vor. Er erledigt Einbrüche, die die Banken erst mal gar nicht bemerken, und gibt den Inhalt der Schließfächer an diejenigen zurück, die um ihn geprellt wurden. Wir lernen sogleich Ringos Team kennen – den asiatischen Sprengmeister Wick (Mike Angelo) und die tödliche Violet (Jamie Chung), die Mädchenhändlerringe aushebt und die Mädchenhändler danach in osteuropäischen Kirchen den örtlichen Bestattungsunternehmern überlässt. Dann ist da noch „der Prinz“ (Rami Jaber), und bis der in Minute 15 des Films mit Pace in einem irren Porsche vor dessen Häschern wegsaust, hat man das Gefühl, das könnte noch was werden.

Denn Harlin hat in seiner Laufbahn nicht nur Obskures wie „Exorzist – Der Anfang“ (2004) und „Legend of Hercules“ (2014) gedreht, sondern auch Sylvester Stallone in „Cliffhanger“ (1993) in die Bergwacht gesteckt und Bruce Willis’ zweiten Einsatz als John McClane in „Stirb langsam 2″ (1990) dirigiert. Lange her, gewiss, aber ein süffiges Heist-Movie wäre eine Chance für eine Rückkehr zu alter Form, Auftakt zu einem netten Alterswerk. Bisschen „Ocean‘s 11″-Atmosphäre kommt ja immer gut.

Terroristen sollen um ihre Terrormöglichkeiten gebracht werden

Harlins Gutgangster haben, wie sich herausstellt, alle noch eine Rechnung mit Werner Schultz offen, der obskure Gefängnisse überall auf der Welt betreibt. Sie wollen ihn und seinen Partner Abu Hirawa von der Muslim-Bruderschaft (laut Ringo ist er „so was wie bin Ladens Nachfolger“ und gemeinsam stellen er und Schultz – ebenfalls O-Ton Ringo – „Schweinereien an, die zum Himmel stinken“) um Terrorgold erleichtern, das in dem fiktiven Terroristenunterschlupfstaat Jaziristan im Keller eines Schultz-Gefängnisses gelagert wird.

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Alles klar? Gold raus, lange Gesichter bei Bösewichtern, die ab sofort keine Attentate mehr finanzieren können. Pace macht nicht mit, sagt er. Er sei noch nicht lebensmüde.

Hinter elegantem Tuch schlägt (angeblich) ein gutes Herz

Nach ein paar Luxuspostkarten von Abu Dhabi, der Stadt, in der schon mal Atem raubend dürftig gewandete Schönheiten Geparden an der Leine durch ein Hotelfoyer führen, trifft Pace zufällig seine bezaubernde Tochter Hope (Hermione Corfield), die eine Menschenrechtlerin ist und ihn an Leid, Not, Flüchtlingskrisen und überdies daran erinnert, dass er doch ein guter Mensch sei unter all seinen kriminellen Schichten. Dieser gute Typ müsse nur gefunden werden. „Das ist leichter gesagt als getan“, erwidert Pace und wird als Nächstes am Bett einer schlummernden Unbekannten gesehen, mit der er offenbar das Lager geteilt hat, was wohl darauf schließen lassen soll, er sei immerhin ein guter Liebhaber. Auch mit Schultz‘ Gattin hatte er „was“, was dessen hartnäckige Neigung zu Pace‘ Verfolgung erklärt. Einmal Bond, immer Bond.

Pace macht am Ende natürlich doch mit und natürlich soll das arabische Rififi die Chance für den Meister Eigennutz abgeben, zum Altruisten zu werden. Das goldene Herz des dreisten Diebs wird noch ein paarmal infrage gestellt, aber am Ende des Films stehen die Sätze „Ich hab dich lieb“ und „Ich dich auch“. Das ist jetzt ein böserer Spoiler, gewiss. Aber doch wieder nicht sooo böse, denn die Chance, dass irgendwer dieses Machwerk bis zum Abspann durchhält, ist eher gering.

Die Charaktere in „The Misfits“ sind nicht mal Skizzen

Moral ist also das Schmiermittel eines Films, in dem Araber-Witze im Kolonialherrenstil gerissen werden, der neben den arabischen Völkern auch die Intelligenz der Zuschauer beleidigt und ihre Geduld strapaziert. Kein Heist-Klischee wird hier ausgelassen, kein origineller Einfall adelt den Plot von Kurt Wimmer (er schrieb immerhin 1999 das „Thomas Crown“-Remake mit Brosnan) und Robert Henny (diverse „Lego“-Kurzfilme). Die Charaktere sind keine, nicht mal Skizzen, nicht mal Punkt-Punkt-Komma-Strich. Alles an beider Werk ist nicht der Rede wert bis doof, auch nicht allzu frauenfreundlich und voller abgegriffener Jokes. „Wir sind die Misfits Baby, und wir treten euch voll in den Arsch!“, schreit Ringo am Ende einer ziemlich faden Verfolgungsjagd hinaus in den Wüstensand.

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So be- und getreten fühlt man sich als Kritiker auch am Ende der 98 Minuten. Dass Harlin sich noch auf das Fach Action versteht, für das er mal als sichere Bank galt, zeigt allenfalls ein Befreiungssalto der gefesselten Violet samt Stuhl. Dass ein Sequel kommt, was das letzte Bild mit den Misfits auf Liegestühlen am Strand andeutet, möge irgendeine Robin-Hood-Gang verhindern. Werden Budgets für miserable Filme eigentlich in Bankschließfächern aufbewahrt?

„The Misfits“, Film, 98 Minuten, Regie: Renny Harlin, mit Pierce Brosnan, Nick Cannon, Hermione Corfield, Rami Jaber, Jamie Chung, Tim Roth (ab 24. Juni bei Sky Q und Wow)

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