RND-Interview

Schauspieler Herbert Knaup: „Natürlich tickt die eigene Biouhr“

Der Schauspieler Herbert Knaup.

Der Schauspieler Herbert Knaup.

Herbert Knaup (66) hatte seinen schauspielerischen Durchbruch 1994 in Dominik Grafs Actionthriller „Die Sieger“. Zudem ist er auch als Musiker tätig und hat seine eigene Band. Den Anwalt in der Serie „Die Kanzlei“ spielt er seit 2015. Ab diesem Dienstag läuft eine neue Staffel im Ersten, immer dienstags ab 20.15 Uhr in der ARD und bereits jeweils eine Woche vorher in der Mediathek.

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„Die Kanzlei“ geht in eine neue Staffel. Einer der Fälle, den Ihr Anwalt Gellert behandelt, dreht sich um das Thema „Stealthing“, ein zumindest juristisch noch recht neues Phänomen. Sehen Sie die Serie mit Ihren Geschichten auch als eine Art Gesellschaftsspiegel?

Ja, auf jeden Fall. Der Autor der Serie schaut sich immer neue Fälle an, liest über aktuelle Prozesse in Zeitungen. Das macht es sehr spannend. Ich finde zwar nicht, dass eine Serie mehr als unterhalten muss, aber wenn sie gleichzeitig Menschen in ihrem Gesellschaftsbild prägt oder zum Nachdenken anregt, ist das doch wunderbar.

Gellert übernimmt in einer anderen Folge den Fall eines älteren Mannes, der will, dass seine Potenzmittel von der Krankenkasse bezahlt werden. Gellert versteht das, „weil Altwerden scheiße ist“. Haben Sie auch Angst vor dem Älterwerden?

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Ich habe keine Angst vor dem Älterwerden. Ich bin 66, aber ich fühle mich nicht so. Natürlich tickt die eigene Biouhr und kämpft tagtäglich gegen das Altwerden. Das wird doch überall in den Medien erklärt, dass man etwas dafür tun muss, um noch auf Augenhöhe in der Gesellschaft zu sein. Da hat sich aber auch etwas verändert. Zwischen den Generationen ist nicht mehr so ein Graben, es ist offener geworden. Du kannst heute mit 66 oder 70 noch jung, elastisch und unternehmungslustig sein.

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Gibt es bei Ihnen etwas, das Sie noch mal ausprobieren oder lernen wollen?

Ich gehe in meinem Beruf auf und mache eigene Projekte. Ich habe mir immer gesagt, dass ich mit dem umgehen muss, was ich kann. Das ist das Künstlerdasein, das Schauspielersein, vielleicht auch ein bisschen die Musik. Ich kann selbst Dinge produzieren oder inszenieren. Über die ganzen Jahrzehnte habe ich viel angesammelt in mir, so eine Art inneren Schatz, den ich auf jeden Fall noch heben will. Man kann gerade von älteren Frauen und Männern noch was lernen.

Zum Altwerden sagt Isa von Brede (Sabine Postel) in der Serie: „Warum ist das so, dass man im Alter von allen verlassen wird?“ Haben Sie dieses Gefühl auch?

Wenn man Freundschaften pflegt, hat man auch im Alter noch Freunde. Aber das hängt von einem selbst ab, wie umtriebig man ist, ob man auch Menschen einlädt oder besucht, ob man noch beweglich ist. Sport ist unglaublich wichtig. Und auch dass man sich nicht vor sich selbst schämt und sagt: „Oh Gott, wie schaue ich denn aus, ich bin so alt geworden? Das kann ich keinem mehr zumuten.“ So fängt eine Art der Vereinsamung an. Im schlimmsten Fall sterben natürlich alle Freunde und man ist wirklich allein. Aber ich bin immer offen gewesen. Ich kann auf Menschen zugehen, ich brauche nicht unbedingt 40 Jahre vertrauensvolle Freundschaft dafür. Ich kann auch in einer neuen Begegnung Freundschaften schließen.

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In der neuen Staffel muss sich der von Ihnen gespielte Anwalt Markus Gellert auch um seinen kranken Vater kümmern. Waren Sie schon mal in so einer Situation?

Nein, richtige Pflegefälle hatten wir nicht in der Familie. Aber es kann alles noch auf einen zukommen. Dann bin ich natürlich für den Menschen da, der Hilfe braucht. Meine Eltern leben nicht mehr. Wir hatten aber auch das Glück, dass sie friedlich eingeschlafen sind, meine Mutter ist 94 Jahre alt geworden. Die Endlichkeit ist Voraussetzung des Lebens. Man muss auch dem Tod begegnen. Ich dachte, dass ich unsterblich bin. Diese Endlichkeit habe ich viel zu spät begriffen.

Wann haben Sie das begriffen?

So ab meinem 50. Lebensjahr. Da dachte ich plötzlich: Shit, irgendwann hört das auf, das ist ja schrecklich. Ich dachte vorher, es geht immer weiter. Deswegen freue ich mich jetzt immer mehr auf den Sommer zum Beispiel. Ich habe ein größeres Bewusstsein dafür, bin dankbarer und versuche, jeden Tag zu genießen, und das auch anderen vorzuleben. Dann kriegt man alles Gute wieder. Das habe ich mit den Jahren erfahren, dass sich das durchaus bewahrheitet, wenn man offen ist und einem bewusst ist, dass die Einmaligkeit auf dieser Erde ein Geschenk ist. Das kommt nicht noch mal. Ich glaube nicht an ein Leben nach dem Tod im Paradies.

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Wie wichtig ist Ihnen in dem Zusammenhang Familie?

Familie ist ein Gewinn, sonst gibt es für mich keinen Sinn auf dieser Erde. Es ist ja eine freie Entscheidung, wie man zusammenlebt, gerade heute, wo das bewusst gemacht wird, dass jede Art von Zusammenleben akzeptiert sein muss. Ich lebe in der Konstellation Mann, Frau, Kinder. Das fühlt sich für mich total gut an und ist das größte Glück. Es gibt vielleicht noch den künstlerischen Ausdruck, aber das größte schöpferische Glück sind die eigenen Kinder.

Es geht in der Serie auch um die Doppelbelastung mit Arbeit und Familie. Wie hat das bei Ihnen funktioniert?

Ich hatte das Glück, dass ich eine Frau habe, die sich viel gekümmert hat, weil ich viel unterwegs war. Meine Frau ist auch berufstätig, es ist schon manchmal schwierig gewesen. Aber wenn ich da bin, bin ich auch Hausmann und organisiere viel. Mein einer Sohn ist schon länger aus dem Haus, aber wir haben auch noch einen 13-Jährigen. Da wechseln wir uns schon ab. Wenn ich da bin, bin ich reiner Familienmensch und muss das nachholen und die Leistungen erbringen, die ich nicht machen kann, wenn ich weg bin. So ergänzt sich das ziemlich gut auf Augenhöhe.

Würden Sie für Ihre Familie beruflich kürzertreten, wenn es nötig wäre?

Das kommt immer darauf an. Wenn man weiß, dass es sein muss, macht man es natürlich. Aber bisher war es immer so, dass meine Frau gesagt hat, dass mein Beruf wichtig ist. Sie ist auch im Unterhaltungsfernsehen tätig und hat mir trotzdem die Möglichkeit gegeben, dass ich – egal, was es war – es mir erfüllen oder spielen konnte. Natürlich bin bei der „Kanzlei“ verhaftet in einer monatlichen Seriendarbietung. Aber das Positive an so einer Serie ist, dass man es an einem Stück dreht. Dann habe ich wieder ein paar Monate frei und kann mir überlegen, was ich in dieser Zeit mache – ob ich Theater spiele, einen Film mache oder mich um die Familie kümmere.

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Was würden Sie sagen, wie familienfreundlich die Schauspielerei ist?

Das ist vielleicht das einzig Negative an der Schauspielerei. Beim Theater ist man natürlich oft abends weg. Aber man kann die Kinderbetreuung doch auch delegieren. Manche Leute können das vielleicht nicht, weil sie sich eine Nanny nicht leisten können. Aber oft kann ja jemand aus der Nachbarschaft oder die Großeltern helfen. In ganz vielen Berufen bist du doch unterwegs und beim Schauspieler ist es vielleicht so, dass er manchmal abends nicht da ist oder in einer anderen Stadt. Aber wenn zumindest ein Elternteil da ist, geht es.

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