Neuer Schwarzwald-„Tatort“: Geheimnis um ein Geständnis

Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) und Franziska Tobler (Eva Löbau) hegen den Verdacht, dass die gerade erst aus dem Gefängnis entlassene Sara Manzer (Johanna Wokalek) in einen Mordfall verwickelt ist.

Zwei Kommissare im Schnee – die sieht man auch nicht alle Tage. Diesen eher seltenen Anblick liefert nun der aktuelle Freiburger „Tatort: Saras Geständnis“, der im verschneiten Schwarzwald spielt. Also im Südwesten Deutschlands, aus dem nicht nur die Darsteller der beiden Ermittler Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) stammen, sondern auch die gebürtige Freiburgerin Johanna Wokalek kommt, die die Titelrolle spielt. So viel regionale Authentizität gibt‘s auch nicht alle Tage im ARD-Sonntagskrimi.

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Noch bemerkenswerter als die Herkunft ist die ausdrucksstarke Leistung der zweifachen Grimmepreisträgerin Wokalek, die die stille Sara so rätselhaft und geheimnisvoll verkörpert, dass selbst ein recht belangloser und leider auch arg tempoarmer Krimifall noch spannend wirkt und daher durchaus das Einschalten lohnt. Dabei zeigt eine Rückblende, dass die heute sehr ruhig und zurückgenommen, ja ein wenig spröde erscheinende Sara einst ein echt wildes Partyluder gewesen ist.

Sara steht im Mittelpunkt des Films

Die erstaunlich wandlungsfähige Mittvierzigerin Sara steht dann natürlich auch im Mittelpunkt des Films. Sie soll vor vier Jahren im Suff ihren wohlhabenden Vater erstochen haben und hat nun ihre Haftstrafe verbüßt. Ihre Freundin seit Kindheitstagen, Marlene (Sophie Lutz), holt sie vom Gefängnis ab, nimmt sie bei sich auf und veranstaltet am ersten Abend ein fröhliches Willkommensfest. An dem nimmt auch Saras Ex-Mann (Michael Klammer) mit neuer Lebensgefährtin teil, ihre gemeinsame Tochter (Samirah Breuer) sowie ihre Knastfreundin Ines (Annette Strasser) samt Mann. Die Stimmung ist jedenfalls erstaunlich gut. Man mag und versteht sich – trotz Scheidung und trotz Saras angeblicher Bluttat.

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Doch mit der Harmonie ist es schnell vorbei. Schon ein Tag nach ihrer Haftentlassung wird Sara verdächtigt, einen frühpensionierten Polizisten ermordet zu haben. Dieser ist besessen gewesen von alten, nie richtig geklärten Mordfällen, von John F. Kennedy bis Olof Palme und eben auch vom Fall von Saras Vater. Bei seinen Recherchen ist er tatsächlich auf Ungereimtheiten bei den Ermittlungen in Saras Fall gestoßen. Mehrfach hat er am Tag seines Todes bei ihr angerufen. Offenbar haben die zwei sich auch getroffen, was sie anfangs aber erst einmal gegenüber den Kommissaren leugnet.

Noch ein Geheimnis umgibt Sara

Warum, das bleibt lange ungeklärt. Aber noch ein Geheimnis umgibt Sara. Die Umstände ihrer vermeintlichen Tat sind, wie sich dann herausstellt, tatsächlich alles andere als eindeutig. Und womöglich hatte sich die Mordtat sogar ganz anders abgespielt, als es das Gericht nach ihrem Geständnis damals festgestellt hat. Ein Geständnis, das sie nur abgelegt hat, um, wie sie sagt, endlich Ruhe vor den Boulevardmedien zu haben. Dennoch scheint es mehr als fraglich, dass Berg und Tob­ler dieses Geheimnis nach vier Jahren noch lösen können.

„Saras Geständnis“ ist also gleich ein doppelter Wer-hat-es-getan-Fall, bei dem es um zwei völlig unterschiedliche, aber irgendwie doch zusammenhängende Tötungsdelikte geht. Die dann gezeigte Ermittlungsarbeit ist zwar nicht gerade besonders aufregend, was auch nicht dem Charakter der beiden bodenständigen Kommissare entsprechen würde. Aber man schaut trotzdem gern zu, weil diese typischen Krimiszenen einfach gut gespielt sind. Und weil Berg fies müffelt, was ihm sichtbar unangenehm ist. Mehr verraten wir hier natürlich nicht.

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Tolldreiste Verfolgungsjagd zu Fuß

Sehenswert ist dagegen eine tolldreiste Verfolgungsjagd zu Fuß, die auf Glatteis ausgetragen wird. Eine richtig spaßige Idee, die sich Regisseur Kai Wessel und Drehbuchautorin Astrid Ströher da ausgedacht haben. Und die im schönen Kontrast steht zu dem bedrückenden Drama um eine Frau, die womöglich unschuldig verurteilt worden ist.

Der „Tatort: Saras Geständnis“ läuft am Sonntag, 13. Februar, ab 20.15 Uhr in der ARD.

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