„hallo deutschland“ wird 25

Moderatorin Lissy Ishag: „Manche Geschichten nehme ich mit nach Hause“

Seit fast zehn Jahren moderiert Lissy Ishag das ZDF-Magazin „hallo deutschland“.

Seit fast zehn Jahren moderiert Lissy Ishag das ZDF-Magazin „hallo deutschland“.

„hallo deutschland“, das News- und Boulevardmagazin des ZDF, feiert mit verlängerter Sendezeit seinen 25. Geburtstag. Moderatorin Lissy Ishag und Moderator Tim Niedernolte, die sich sonst im Wochenrhythmus abwechseln, führen erstmals gemeinsam durch die Sendung und lassen auch frühere Kollegen und Kolleginnen zu Wort kommen. Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) spricht Ishag über den Spagat zwischen Tragödien und bunten Themen, über Ereignisse, die auch bei ihr nachwirken, und darüber, wie sie sich Auszeiten nimmt vom immer schneller fließenden Nachrichtenstrom.

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RND: Frau Ishag, „hallo deutschland“ wird 25, wie wird gefeiert?

Wir werden ordentlich feiern, das steht fest. In unserer Sonderausgabe zeigen wir unter anderem ein Best-of und einen Rückblick auf unsere ehemaligen Moderatoren und Moderatorinnen, die auch zu Wort kommen werden. Und selbstverständlich gibt es Kuchen. (lacht)

Sie selbst sind bald zehn Jahre dabei. Gibt es bisweilen Ermüdungserscheinungen?

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Bei mir ganz sicher nicht. Das Modell mit zwei Moderatoren, die sich wöchentlich abwechseln, bringt schon ordentlich Leben in die Bude. Und nach einer schönen Woche zu Hause bei der Familie freue ich mich jedes Mal, wenn ich wieder nach Mainz fahren kann.

Ob gut oder böse, ob schön oder hässlich – ist es schwierig, die vielen Geschichten nicht zu nah an sich heranzulassen?

Ich bin ein sehr emotionaler Mensch und könnte die Sachen gar nicht präsentieren, ohne mitzufühlen. „hallo deutschland“ hat den Anspruch, das wahre Leben abzubilden, und da gibt es in der Tat viele Dinge, ob nun positiv oder negativ, die mich sehr berühren und auch beschäftigen.

Haben Sie ein Bespiel?

Zuletzt war das etwa die Geschichte von Agnes und Amir. Die 102-Jährige und der Flüchtling bilden eine ganz ungewöhnliche WG. Wie die beiden das meistern, hat mich total begeistert, und ich bin sehr froh, dass ich darüber berichten durfte. Aber selbstverständlich gibt es auch die andere, die hässliche Seite. Das sind dann zum Bespiel verheerende Unfälle, die Menschen aus dem Leben reißen, oder Fälle von unfassbarem Kindesmissbrauch. Das macht natürlich etwas mit einem, und ich nehme das oft mit nach Hause.

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Wie schwierig ist der Spagat, wenn man nach dem Beitrag über eine solche Tragödie ein buntes Thema anmoderieren muss?

Das ist der Job, dass man Themen präsentiert, die das wahre Leben abbilden, so wie es ist, mal fröhlich, mal tragisch. Natürlich gibt es diese sogenannten harten Übergänge. Ich versuche, das aufzufangen, indem ich mir vorstelle, wie ich solch einen thematischen Bruch meinen Freunden präsentieren würde. In der Regel hole ich erst einmal tief Luft und spreche dann ganz bewusst aus, dass sich die Tonlage jetzt ändert.

Kann man der Schwere mancher Themen überhaupt gerecht werden in den üblichen Beträgen, die kaum länger als drei, vier Minuten sind – oder besteht die Gefahr, in erster Linie den Voyeurismus der Zuschauer zu bedienen?

Nein, diese Gefahr sehe ich nicht. Wenn wir merken, dass wir einem sehr komplexen und emotionalen Thema in vier Minuten nicht gerecht werden können, haben wir immer die Möglichkeit, umfassender zu berichten. Grundsätzlich besprechen wir alle Themen sehr ausführlich in unserer Redaktionskonferenz. Und es ist gewiss nicht so, dass wir ein schwieriges Thema einfach zwischen Tür und Angel abhandeln würden.

Schon wegen der Fülle der News-Angebote scheinen sich die Nachrichten heute zu überschlagen, stumpft man da zwangsläufig ein wenig ab?

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Ich für meinen Teil kann sagen, dass ich immer extrem wach und aufmerksam bin, was Nachrichten betrifft. Das muss ich auch sein, wenn ich den Zuschauern die Themen angemessen präsentieren will. Die Schnelligkeit unserer Sendung kommt mir entgegen, weil sie meinem Naturell entspricht. Meinen Freundinnen und Freunden bin ich manchmal zu schnell. (lacht) Nichtsdestotrotz spüre auch ich natürlich, dass der Nachrichtenstrom immer noch schneller zu werden scheint. Wenn ich zu Hause bin, versuche ich deshalb, mir kleine Pausen zu nehmen. Die halte ich für superwichtig. Ich gehe dann mit dem Hund spazieren und lasse das Handy ganz bewusst zu Hause. Damit trickse ich mich selbst ein bisschen aus, weil ich sonst eben doch jedes Mal aufs Handy schauen würde, wenn Mails oder Nachrichten hereinkommen.

Wenn man tagtäglich anderen die Welt erklärt, glaubt man, das Leben besser verstanden zu haben als der gemeine TV-Zuschauer?

Eher das Gegenteil ist der Fall. Es gibt so viele Themen, bei denen ich denke: Oh Gott, oh Gott‘, darüber müsste ich jetzt eigentlich doch viel mehr wissen und mich viel tiefer einarbeiten. Natürlich schaffe ich mir immer wieder Hintergrundwissen drauf, das verlangt der Job. Eine Spezialistin aber bin ich bei keinem Thema.

Sie halten via Social Media Kontakt zu Ihren Fans, deren Nachrichten bisweilen eine Nähe suggerieren, die es tatsächlich nicht gibt. Wie gehen Sie damit um?

Grundsätzlich finde ich das Interesse der Menschen eigentlich sehr schön, weil es mir zeigt, dass ich meine Sache wohl gut mache. Würde ich auf dem Bildschirm superarrogant wirken, würden die Zuschauerrinnen und Zuschauer kaum mit mir in Kontakt treten wollen. Es stimmt aber auch, dass manche einem so begegnen, als wäre man tatsächlich befreundet. Da heißt es auf der Straße schon mal: Hallo Lissy, wie geht‘s dir denn? Das ist für mich aber okay. Was mich dagegen stört, ist die Social-Media-Krankheit, dass manche Menschen keine Grenzen mehr zu kennen scheinen. Dann allerdings antworte ich auch dementsprechend, damit jeder weiß, dass es eine natürliche Grenze gibt, was man sagen kann und was nicht. Dieser gegenseitige Respekt ist mir sehr wichtig.

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