„War eine Wahlkundgebung“

Nach Lawrow-Eklat: Draghi kritisiert italienische TV-Sendung

Der russische Außenministers Sergej Lawrow.

Rom. Nach dem Auftritt des russischen Außenministers Sergej Lawrow im italienischen Fernsehen hat Ministerpräsident Mario Draghi die Sendung kritisiert. Lawrow war am Sonntagabend fast 40 Minuten lang beim Kanal Rete4 zugeschaltet. „Man sprach zwar von einem Interview, aber in Wahrheit war das eine Wahlkundgebung“, sagte Draghi am Montagabend angesprochen auf die Causa.

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In Italien gebe es zwar - anders als in Russland - Presse- und Redefreiheit. Aber Draghi fand: „Man muss sich fragen, ob es akzeptabel ist, jemanden einzuladen, der interviewt wird, ganz ohne Widerrede. Das war keine Glanzleistung, da kommen einem seltsame Dinge in den Kopf.“

Zuvor hatten schon etliche andere Politiker die Sendung heftig kritisiert. Italiens Chef der Sozialdemokraten und ehemaliger Ministerpräsident Enrico Letta sprach von einem „Abgrund“.

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Lawrow verglich Selenskyj mit Hitler

Lawrow hatte Aussagen der russischen Kriegspropaganda wiederholt und mit einem Nazi-Vergleich für Empörung gesorgt, vor allem in Israel. Er hatte gesagt, in der Ukraine seien Nazis am Werk. Als Gegenargument werde gesagt: „Wie kann es eine Nazifizierung geben, wenn er (der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj) Jude ist? Ich kann mich irren. Aber Adolf Hitler hatte auch jüdisches Blut. Das heißt überhaupt nichts. Das weise jüdische Volk sagt, dass die eifrigsten Antisemiten in der Regel Juden sind.“

Der TV-Konzern Mediaset des ehemaligen Regierungschefs Silvio Berlusconi, zu dem Rete4 gehört, verteidigte die Sendung und die Einladung Lawrows. Dieser sei „die Nummer zwei in der Russischen Föderation. Das Interview mit dem russischen Außenminister ist ein Dokument der Zeitgeschichte“, sagte Generaldirektor Mauro Crippa.

RND/dpa

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