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Doku zum Schwein

Schauspieler Hannes Jaenicke: „Massentierhaltung ist amoralisch und barbarisch“

Schauspieler Hannes Jaenicke hockt im Land der Tiere, einem Gnadenhof speziell für Nutztiere in Mecklenburg-Vorpommern, hinter einem Schwein.

Herr Jaenicke, ist Massentierhaltung unethisch oder gar obszön?

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Ein klares Ja. Massentierhaltung ist amoralisch, barbarisch, bricht jedes geltende Tierschutzgesetz und ist einzig und allein renditegetrieben. Und sie ruiniert die kleinen Züchter und Anbieter.

Ist das Schwein im Vergleich zur Klimakrise, Ukraine und zu Corona nicht nur eine kleine Baustelle?

Nein. 23 Prozent des weltweiten CO₂-Ausstoßes entstehen durch die Fleischproduktion, und zum Beispiel nicht durch den Verkehr. Darüber spricht bloß niemand. Wenn wir etwas tun wollen gegen die Klimakrise und für den Umweltschutz, und eben nicht nur fürs Tierwohl, müssen wir also auch über die Fleischproduktion sprechen und unseren Fleischkonsum reduzieren. Wir essen definitiv zu viel Fleisch.

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Aktiv für die Umwelt und den Tierschutz

Hannes Jaenicke wurde am 26. Februar 1960 in Frankfurt am Main geboren. Einen Teil seiner Jugend verbrachte er in den USA und besitzt auch die amerikanische Staatsbürgerschaft. Neben seinem Hauptberuf als Schauspieler arbeitet der 62-Jährige als Synchronsprecher und Autor. In seinem Buch „Die große Volksverarsche“ hatte er kritisch die eigene Branche hinterfragt. Zudem engagiert sich Jaenicke aktiv für den Umweltschutz und hat sich mit Dokus zu Umwelt-, Natur- und Tierschutz einen Namen gemacht. Diesmal war Jaenicke „Im Einsatz für das Schwein“ unterwegs (Dienstag, 31. Mai, 22.15 Uhr, ZDF).

Aber kann man den Menschen vorschreiben, was sie wann essen?

Wenn es um unsere Gesundheit und die unseres Planeten geht, ja. Schon wegen der Klimakrise sollten wir unseren Fleischkonsum wieder auf den guten, alten Sonntagsbraten beschränken. Den hat meine Großmutter, Jahrgang 1895, immer mit größter Selbstverständlichkeit gemacht. Es gab am Sonntag Kassler mit Sauerkraut, Sauerbraten oder Tafelspitz, und die ganze Familie hat sich darauf gefreut. Unter der Woche gab es Spaghetti, Auflauf oder Pellkartoffeln mit Quark, und keiner ist von den Knochen gefallen. Dreimal am Tag Fleisch, Aufschnitt und jede noch so perverse Bifi – das kann auf Dauer nicht gut gehen. Nicht für das Klima und schon gar nicht für unsere Gesundheit.

Massentierhaltung ist nur ein Pro­blem. Da sind zum Beispiel Wassermangel oder Bevölkerungswachstum – sind wir noch zu retten?

Das ist eine richtig fiese Frage. Zunächst einmal haben Sie recht, es gibt unzählige Baustellen. Aber aufgeben gilt nicht. Das wäre zu faul und bequem. Und es gibt Lösungen, siehe Skandinavien oder beispielsweise Costa Rica. Das Land hat über ein Drittel seiner Landfläche zu Nationalparks erklärt und besitzt nun die größte Biodiversität unseres Planeten. Zudem hat man schon vor Jahrzehnten die Armee abgeschafft, um das frei gewordene Geld in Bildung und Umwelt zu investieren. Und siehe da, Costa Rica hat nicht nur eine der höchsten Alphabetisierungsraten der Welt, sondern ist auch das sicherste und wohlhabendste Land in ganz Südamerika. Und wird als erstes Land der Welt CO₂-neutral. Leider widerspricht der guten Absicht derzeit die Tatsache, dass wir gegen Massenmörder wie Putin Armeen brauchen.

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Costa Rica ist aber auch klein und weltpolitisch ohne große Bedeutung.

Auch die Deutschen haben eine Zeit lang viel richtig gemacht. Die Energiewende der frühen Nullerjahre war visionär. Die ganze Welt hat darüber geredet, der damalige US-Vizepräsident Al Gore hat über die deutsche Energiewende sogar Vorträge gehalten. Bloß ist diese Wende später dank Schwarz-Gelb und großer Koalition ausgebremst worden. Aber es hat gezeigt, dass man etwas ändern kann. Ein Beispiel: Ich habe als Kind viel an Rhein und Main gespielt. Meine Mutter hat uns aber strengstens verboten, auch nur einen Finger oder Zeh in die Kloake, die der Fluss damals war, zu stecken. Heute kann man in Köln-Rodenkirchen wieder im Rhein baden. Im Übrigen treffe ich auch immer mehr Menschen, die vegetarisch essen oder ihr Auto abgeschafft haben.

Thema Auto: Ist Widerstand à la Sitzblockade auf der Autobahn legitim?

Ja. All die Konzepte von Pazifismus, Wandel durch Handel etc. sind auf dem Papier wunderschön. Aber in der Realität hat das seine Grenzen, siehe Putin, siehe Hitler. Wenn Politiker heute sagen „Oh, wir haben uns in Herrn Putin geirrt, der hat uns belogen“, dann ist das eine solch unfassbare Doppelmoral, dass mir der Hut hochgeht. Deshalb halte ich gewisse Aktionen im Graubereich von Legalität und Illegalität sogar für notwendig. Dass zum Beispiel eine Meeresschutzorganisation wie Sea Shepherd japanische Trawler und illegale Fangflotten mit vielleicht nicht ganz legalen Methoden stoppt, ist richtig. Sonst würde wieder nur gelabert und gelabert. Die Zeit des Laberns ist vorbei.

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