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Gut Ding braucht Zeit – Sci-fi-Komödie „The Adam Project“ mit Ryan Reynolds bei Netflix

Zwei Adams gehen ein Problem an: Adam/erwachsen (Ryan Reynolds) und Adam/jung (Walker Scobell) versuchen, Zeitreisen unmöglich zu machen. Eine Szene aus Netflix‘ „The Adam Project“.

Zwei Adams gehen ein Problem an: Adam/erwachsen (Ryan Reynolds) und Adam/jung (Walker Scobell) versuchen, Zeitreisen unmöglich zu machen. Eine Szene aus Netflix‘ „The Adam Project“.

Size doesn‘t matter: „Ich bin halb so groß wie jeder andere auf der Welt“, sagt Adam (Walker Scobell) zu seiner Mutter (Jennifer Garner). „Es gibt sogar Babys die größer sind als ich.“ Adam ist tatsächlich der mit Abstand Kleinste in der Klasse, viel zu klein für seine zwölf Jahre. Was an dem blonden Wuschelkopf allerdings größer ist als bei den meisten seiner Schulkameraden, ist sein Mundwerk. Auch wenn ihn die Oberraufbolde am Kragen haben und ihn durchschütteln, kann er sich seine Sprüche nicht verkneifen.

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Besuch von sich selbst: Adam hat vor Jahresfrist seinen Vater verloren. Mit seiner Mutter wohnt er in einer Hütte im Wald – hübsch, aber einsam. „Dein Kleid denkt, es ist eins“, sagt er seiner Mutter, die bestreitet, an diesem Abend ein Date zu haben. So ist er an jenem Abend anno 2022 allein mit seinem Hund und seinen Computerspielen, als in der Nacht ein Raumschiff landet, in dem er selbst sitzt, nur älter – aus dem Jahr 2250. Adam (Ryan Reynolds) hat einen „Zeit-Jet“ gestohlen, um eine Mission zu erfüllen. Also um das zu tun, wovor Zeitreisende immer gewarnt werden: irgendetwas anzurühren, irgendetwas zu verändern im Gestern, in dem sie stranden. Gestrandet ist er vier Jahre zu spät, eigentlich wollte er ins Jahr 2018.

Gemeinsam gegen ein Paradoxon

Zeitreisen? Besser, es gibt keine: Shawn Levy, Regisseur der „Nachts im Museum“-Filme (ab 2006) und bei der Netflix-Erfolgsserie „Stranger Things“ (seit 2016) hat mit „The Adam Project“ eine ungemein temperamentvolle und höchst vergnügliche Science-Fiction-Dramedy erzählt. In der allerdings ein sonst meist als gravierend und unheilvoll eingestuftes Time-Travel-Phänomen als völlig problemlos erscheint, dass sich nämlich eine Person in verschiedenen Lebensaltern selbst begegnet.

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Gemeinsam überwinden die beiden Adam-Ausgaben jedenfalls komödienschnell das Paradoxon und fühlen sich in unterschiedlichen Gefühlszuständen verbunden mit dem verblichenen Daddy (Mark Ruffalo), dem zufälligen Erfinder der Zeitreisen, den sie 2018 treffen wollen – um Zeitreisen zu verhindern. Warum? „,Terminator‘ kennen wir“, antwortet Adam/alt seiner Kindheitsversion. „So ist 2050 an einem guten Tag.“

Der Regisseur mag „Star Wars“: Gut gegen Böse, das ist die simple Konstellation dieses logikfernen Abenteuers. Böse ist Daddys alte Geschäftspartnerin Maja Soryan (Catherine Keener), die Adams Liebste (Zoe Saldana) auf dem Gewissen hat und verhindern will, dass das Zeitreisen verhindert wird. Weil sie wie keine andere vom versehentlichen Geniestreich ihres einstigen Partners profitiert hat. Dazu setzt sie neben ihrer Gemeinheit allerhand Sci-fi-Brimborium ein, vor allem eine Kohorte schwarz gepanzerter Startrooper, die allerdings Effizienzdefizite hat, weshalb die beiden Adams meist gute Figur in den Gefechten mit ihnen machen. Vor allem, wenn Adam/alt ein Heft mit ausfahrbarer Doppelklinge zur Anwendung bringt. „Kein Lichtschwert!“ behauptet er gegenüber Adam/jung.

Tja, und damit zitiert Shawn Levy nicht zum letzten Mal „Star Wars“ – am deutlichsten bei einer Verfolgungsjagd der Trooper auf hoverboardartigen Surfbrettchen.

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Eigentlich ist „The Adam Project“ etwas anderes: Natürlich ist „The Adam Project“ in Wahrheit ein Liebesfilm – ein Film über Familie und über Trauer. Der junge Adam macht notorisch seiner Mama das Leben schwer. Der ältere dagegen hat sich eingeredet, dass sein Vater mit der Wissenschaft verheiratet war, seine Projekte wie Kinder liebte und seinen Sohn vernachlässigt hat. Doch gelingt es den Adams – die Chemie zwischen Scobell und Reynolds ist hervorragend – einander davon zu überzeugen, dass ihre Familie keineswegs dysfunktional war.

So macht der erwachsene Adam dem jungen klar, dass sein Verhalten gegenüber seiner Mutter überdacht werden muss. Und der junge Adam erinnert den alten an die gemeinsamen Baseballabende mit dem Vater. Manche Dinge geraten in Vergessenheit und anstelle der Wahrheit tritt ein bequemes Narrativ. „Es ist leichter, wütend als traurig zu sein“, sagt der junge Adam dem alten. Hach, Weisheit ist im Kino oft das Vorrecht der Kinder.

Wie wird das alles ausgehen? Und so darf man genau einmal raten, ob alles gut wird. Ein hundertprozentiges Happy End verkneift sich Levy allerdings, sodass man die gut eineindreiviertel mit sehenswerten Spezialeffekten und einer Kollektion von Lockersprüchen bestückten Stunden bis zum Abspann als Genuss ohne Reue verbucht. Außerdem hat man Menschen kennengelernt, deren Lieblingslied Pete Townshends „Let My Love Open The Door“ ist (allzu viele Lovesongs hat der The-Who-Chef nicht geschrieben). Das ist ein Alleinstellungsmerkmal in der Filmgeschichte.

„The Adam Project“, Film, 106 Minuten, Regie: Shawn Levy, mit Walker Scoell, Ryan Reynolds, Jennifer Garer, Catherine Keener, Mark Ruffalo (bei Netflix)

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