Selbstironisch und gut besetzt

Comedyserie „German Genius“: Grandioses Scheitern mit Kida Khodr Ramadan

Kida Khodr Ramadan (links) träumt vom nächsten großen Ding: Er will die britische Erfolgsserie „Extras“ von Ricky Gervais für den deutschen Markt adaptieren.

Kida Khodr Ramadan (links) träumt vom nächsten großen Ding: Er will die britische Erfolgsserie „Extras“ von Ricky Gervais für den deutschen Markt adaptieren.

Es gibt sicherlich Schlimmeres, als mit seiner Rolle verwechselt zu werden. Trotzdem nagt es am Ego, wenn man zwar ständig erkannt, aber stets als „Toni Hamady“ angesprochen wird; das ist der Name der Hauptfigur aus der Gangsterserie „4 Blocks“, für die Kida Khodr Ramadan mehrfach ausgezeichnet worden ist.

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Deshalb will der Schauspieler sein Image ändern und fortan als Produzent selbst über seine Projekte bestimmen. Als Ricky Gervais ihn für „4 Blocks“ preist, reift eine kühne Idee in Kida: Ähnlich wie der britische Comedian in der Serie „Extras“ will er als Komparse „Abdullah“ an diversen Filmsets auftauchen. Als Rahmen soll eine Reihe über berühmte Deutsche dienen. Das Projekt kommt tatsächlich in Gang, entwickelt dann jedoch eine fatale Eigendynamik.

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„Geht immer in die Hose“, warnt Wim Wenders

Geschichten über das Filmgeschäft, „Film im Film“ also, sind zwar stets faszinierend, aber vor allem für Insider. „Geht immer in die Hose“, warnt Wim Wenders, den Kida vergeblich als Regisseur gewinnen will. Damit das hier nicht passiert, ist Kidas Projekt im Grunde nur Mittel und Zweck: Detlev Buck und Cüneyt Kaya (Buch und Regie) haben die Serie als Geschichte eines grandiosen Scheiterns konzipiert.

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Schon der Auftakt verdeutlicht, dass sich Kida des Öfteren selbst im Weg steht: Beim Casting für eine neue Streamingserie trifft er auf den Kollegen Sascha Alexander Geršak. Kida hat keine Lust, einen Sklaven darzustellen, allerdings übersehen, dass es sich um die Titelrolle handelt; die bekommt nun Geršak. Daheim hat es der Schauspieler auch nicht leicht: Gattin Karo (Britta Hammelstein) hat eindeutig die Hosen an, seine Kinder tanzen ihm auf der Nase rum.

Don-Quichottehaftigkeit der Hauptfigur

Die Selbstironie ist zwar die Würze der Erzählung, aber im Grunde bloß eine fröhliche Dreingabe. Dank der Don-Quichottehaftigkeit der Hauptfigur ist „German Genius“ weit mehr als bloß Comedy, selbst wenn die vielen witzigen Einfälle für ein dauerhaftes Vergnügen sorgen.

Außerdem ist schon allein die Liste der Mitwirkenden beeindruckend, zumal die oft ultrakurzen Gastauftritte stets einen Bezug zur Handlung haben: Schriftsteller Daniel Kehlmann lässt Kida bei seiner Autorensuche ebenso abblitzen wie Ralf Husmann („Stromberg“). Immerhin kommt sein Projekt in Fahrt: Weil die Redakteurin (Christina Große) einen Trailer braucht, spielt Kidas Kumpel Frederick Lau den Goethe; Regie führt Leander Haußmann. Das Ergebnis ist wenig überzeugend, doch Nebendarsteller Marius (Buck) ist bereit, das Haus seiner Mutter (Tatja Seibt) zu beleihen und als Koproduzent einzusteigen.

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Gesamtes Serienbudget verpulvert

Beim zweiten Traileranlauf übernimmt Tom Schilling die Regie und verpulvert das gesamte Serienbudget, da ihm – mit Olli Schulz als Kaiser Wilhelm II. – ein Werk im Stil von „Barry Lyndon“ vorschwebt. Die Redakteurin ist dennoch überzeugt und bringt Heike Makatsch als Regisseurin ins Spiel, die ihren Lebensgefährten Trystan Pütter überredet, Einstein zu verkörpern. Als Maria Furtwängler die Produktion übernimmt und Marius mit fliegenden Fahnen überläuft, bleibt vom anfänglichen Traum nichts mehr übrig.

Die acht Episoden konfrontieren den großspurigen Kida zudem ständig mit Missgeschicken, die er oft genug selbst verursacht: Die großzügig honorierte Einladung eines Clanmitglieds, an einer Beschneidungsfeier teilzunehmen, hat schließlich zur Folge, dass Karo ihn vor die Tür setzt und Makatsch die Regie hinwirft; ihre Idee, Tedros Teclebrhan als „Black Beethoven“ zu besetzen, war ohnehin gewagt.

Eklat: Teclebrhans Stunt-Double ist ein Weißer

Zum Eklat kommt es, weil Teclebrhans Stunt-Double ein Weißer ist. Es wären zwar nur die Hände des Mannes zu sehen, aber „Blackhan­ding“ geht natürlich gar nicht. Neben der Freude über die vielen prominenten Gäste resultiert der Reiz der Serie auch aus der Verquickung von Fakten und Fiktion: Kidas Nachwuchs wird von Ramadans Kindern gespielt, er betreibt auch im echten Leben einen Friseursalon, der „Toni Hamady“ heißt.

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„German Genius“ ist ab diesem Dienstag, 23. Mai, bei Warner TV Comedy streambar.

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