Trotz hohem Interesse

ARD will Ukraine-Berichte im Hauptprogramm reduzieren

27.03.2022, Berlin: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) spricht in der ARD-Sendung "Anne Will" mit der Moderatorin Anne Will. Unter anderem wurde über die Rolle Deutschland im Ukraine-Krieg gesprochen. Im Vordergrund ist ein Monitor mit einem Foto des ukrainische Präsident Selenskyj zu sehen, der am 17.03.2022 per Videoschalte im Bundestag in Berlin spricht.

Berlin. Rund fünf Wochen nach Kriegsbeginn in der Ukraine verzeichnet die ARD weiter ein hohes Zuschauerinteresse. Die Senderkette will im Gemeinschaftssender Das Erste zugleich aber allmählich wieder mehr Programm abseits des Krieges zeigen. ARD-Chefredakteur Oliver Köhr sagte der Deutschen Presse-Agentur:

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Irgendwann müssen wir als Verantwortliche für das Vollprogramm auch wieder unserem Auftrag zur Bandbreite nachkommen. Wir können längerfristig nicht fast nur Berichterstattung über den Krieg und die Folgen anbieten, wie wir das in den vergangenen Wochen getan haben.

Oliver Köhr, Chefredakteur der ARD

Köhr ergänzte rückblickend, man habe sehr viel anderes Programm zum Beispiel in die ARD Mediathek oder zum Spartensender One verlagert. „Natürlich werden wir auch weiterhin Sondersendungen anbieten. Ich glaube aber, dass wir viele überfordern, wenn wir weiterhin jeden Abend das komplette Abendprogramm von ‚Tagesschau‘ bis ‚Tagesthemen‘ und noch danach monothematisch mit dem Thema Ukraine gestalten würden.“ Köhr sagte: „Jetzt, nach fünf Wochen, müssen wir schauen, wie wir das dosieren.

Wir sind aber natürlich in der Lage, jederzeit auch wieder mehr Platz zu schaffen.“ Am Freitag kündigte die ARD zum Beispiel einen Schwerpunkt im Kinderprogramm im Ersten für Samstag an.

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19.07.2020, Berlin: Oliver Köhr, Journalist und stellvertretender Leiter des ARD-Hauptstadtstudios, spricht beim ARD-Sommerinterview auf der Terrasse des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses mit AfD-Bundessprecher Meuthen. Köhr will neben Ukraine-Berichten nun eine größere Themenbreite im Hauptprogramm anbieten - trotz des weiterhin hohen Interesses am Krieg.

19.07.2020, Berlin: Oliver Köhr, Journalist und stellvertretender Leiter des ARD-Hauptstadtstudios, spricht beim ARD-Sommerinterview auf der Terrasse des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses mit AfD-Bundessprecher Meuthen. Köhr will neben Ukraine-Berichten nun eine größere Themenbreite im Hauptprogramm anbieten - trotz des weiterhin hohen Interesses am Krieg.

Seit Beginn des Krieges in der Ukraine hat Das Erste Deutsche Fernsehen 21 Mal einen „Brennpunkt“ im Abendprogramm ausgestrahlt – und damit bis zu 11,07 Millionen Menschen ab drei Jahren informiert. Das berichtet am Samstag das Medienmagazin „Dwdl“. Der Konflikt war beispielsweise auch Dauerthema im sonntagabendlichen Talk bei „Anne Will“, die wenige Tage vor dem Kriegsausbruch fragte: „Wie ist ein neuer Krieg zu verhindern?“ und deren Sendungen ab Ende Februar schließlich folgende Titel hatten: „Putin führt Krieg in Europa – Wie ist er zu stoppen?“, „Wie weit wird Putin gehen?“ oder „Krieg ohne Ende?“. Auch am Sonntag widmet sich Will wieder dem Thema unter dem Titel: „Streit um russisches Öl und Gas - Soll Deutschland den Import sofort stoppen?“

ARD räumt Fehler in Kriegsberichterstattung ein

Selbstkritisch äußerte sich Köhr dazu, dass zu Kriegsbeginn zeitweise keine deutschen ARD-Reporter in der Ukraine waren. Im Rückblick sei er erstmal froh, dass man im Programm so schnell auf den Kriegsbeginn reagiert habe. Die Berichterstattung aus der Ukraine habe in den ersten Tagen sehr gut geklappt. Köhr ergänzte: „Dann gab es aber eine Phase von zwei Tagen, an denen wir nicht mit deutschen Reporterinnen und Reportern vor Ort waren. Das ärgert mich natürlich. Es wäre besser gewesen, wenn es anders gelaufen wäre.“

Köhr sagte: „Nach diesen zwei Tagen waren und sind wir jetzt aber wieder permanent vor Ort.“ Er verwies zugleich darauf, dass man aber auch ein weit verzweigtes Netz an Ortskräften habe, die von Anfang an mit Informationen versorgt hätten, die in die Berichterstattung eingeflossen seien.

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„Das Interesse ist nach wie vor sehr groß“

Der Krieg interessiere weiterhin viele Leute, mehr noch als Corona. „Das Interesse am Krieg ist noch größer als das an der Pandemie“, sagte der Chefredakteur der öffentlich-rechtlichen ARD-Sender. Natürlich sei Corona auch ein alles übergreifendes Thema gewesen, das man umfangreich in verschiedenen Sendeformaten und allen Ausspielwegen thematisiert habe. „Aber es ging nicht so weit, dass unser Programm über viele Wochen fast monothematisch gewesen wäre.“

In der Mediathek habe man zu Anfang der Coronazeit schon festgestellt, dass bei den Zuschauerinnen und Zuschauern schnell der Wunsch da war, etwas von anderen Themen zu hören und zu sehen als von der Pandemie. „Das ist jetzt bei der Berichterstattung über den Krieg in der Ukraine anders. Im Augenblick ist der Sättigungsgrad, der bei Corona eingetreten ist, noch nicht erreicht. Das Interesse ist nach wie vor sehr groß“, sagte Köhr. In der Mediathek wolle man den Doku-Bereich zur Ukraine weiter aufbauen.

Als Gründe für das weiterhin hohe Interesse an der Kriegsberichterstattung nannte Köhr dies: „Krieg ist natürlich besonders beängstigend, wenn er quasi vor der Haustür stattfindet und Flüchtlinge unmittelbar nach Kriegsbeginn schon überall, in jeder Stadt, an jedem Bahnhof präsent sind. Und sicherlich spielt auch eine Rolle, dass zurzeit hauptsächlich Omas, Mütter und Kinder flüchten und nicht wie beispielsweise 2015 vor allem junge Männer. Das nimmt natürlich ganz anders emotional mit.“

RND/hyd/dpa

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