E-Mail an den Intendanten

100 Kieler NDR-Mitarbeiter entziehen Führung das Vertrauen

Das NDR-Logo ist am Landesfunkhaus Schleswig-Holstein zu sehen.

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Kiel. Die Auseinandersetzung im NDR-Landesfunkhaus Kiel um politische Einflussnahme spitzt sich offenbar zu. Wie die „Zeit“ am Mittwoch vorab meldete, haben rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einer Mail an den NDR-Intendanten Joachim Knuth ihrer Führungsspitze das Vertrauen entzogen. Eine „vertrauensvolle Zusammenarbeit“ könne man sich „nicht mehr vorstellen“, zitierte die Wochenzeitung aus dem Schreiben. Später berichteten auch die „Kieler Nachrichten“ und die „Bild“-Zeitung über den Brandbrief.

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In der E-Mail fordern die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter laut „Kieler Nachrichten“ eine Perspektive, um in „gewohnter Qualität weiterarbeiten zu können“. Begründet wird der Vorstoß mit einem toxischen Arbeitsklima, das einige verspürt hätten. Einzelne Führungskräfte hätten „über Jahre einen Führungsstil geprägt und gelebt, der zu viele Kolleg*innen in Angst versetzt, zu oft Wertschätzung, Fehlerkultur und schließlich inhaltliche Auseinandersetzung hat vermissen lassen“.

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Der NDR wollte sich dazu auf epd-Nachfrage nicht näher äußern. Etwaige interne Korrespondenz unterliege der Vertraulichkeit und werde im NDR entsprechend behandelt, insbesondere im Kontext laufender Prüfverfahren, hieß es.

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Vorwurf: Berichterstattung beeinflusst und journalistische Arbeit behindert

Nach Informationen des „Spiegel“ soll NDR-Intendant Joachim Knuth bereits schriftlich auf die E-Mail geantwortet haben. Dabei geht er demnach aber nicht konkret auf die Forderungen ein. Er könne gut verstehen, dass die Aufarbeitung der Geschehnisse die Belegschaft beschäftige und belaste. Aber die Aufklärungsarbeit der NDR-Kollegen werde Klarheit in die Bewertung der im Raum stehenden Vorwürfe bringen, so Knuth.

Ende August waren erstmals Vorwürfe laut geworden, dass Führungskräfte des NDR in Kiel die Berichterstattung zugunsten des Ministerpräsidenten Daniel Günther (CDU) beeinflussten und journalistische Arbeit behinderten. Als Reaktion auf die Vorwürfe lassen der Kieler Chefredakteur Norbert Lorentzen und Redaktionsleiterin Julia Stein ihre Ämter ruhen. Landesfunkhausdirektor Volker Thormählen hat Urlaub genommen, um einer Aufklärung nicht im Weg zu stehen. Die Vorwürfe werden derzeit intern geprüft.

RND/epd/seb

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