Weinbau

Winzer von Schloss Wackerbarth zünden Frost-Feuer an

Rund 150 Frostschutzkerzen loderten zwischen den empfindlichen Rebstöcken in der Junganlage in Weinböhla.

Rund 150 Frostschutzkerzen loderten zwischen den empfindlichen Rebstöcken in der Junganlage in Weinböhla.

Weinböhla. Till Neumeister kniet zwischen den Weinreben, in der Hand einen Bunsenbrenner. Leise zischt die blaugrüne Flamme, als der Weinbauleiter das Feuer in der fast erloschenen Frostschutzkerze wieder entfacht. Die Flamme in dem mit Paraffin gefüllten Eimer lodert rasch auf – so wie Dutzende andere an diesem kalten Morgen in den Weinbergen des Staatsweingutes Schloss Wackerbarth in Weinböhla. Rund 150 solcher Frostschutzkerzen hat Neumeister in der Nacht zum Dienstag mit seinen Mitarbeitern zwischen den jungen gut 3000 Muscaris-Reben in Weinböhla aufgestellt, um die empfindlichen Jungpflanzen vor Spätfrösten zu schützen.

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Weinbauleiter Till Neumeister entzündete mit einem Bunsenbrenner die Feuer.

Weinbauleiter Till Neumeister entzündete mit einem Bunsenbrenner die Feuer.

Nach einem kritischen Blick auf das Thermometer ist der Weinbauleiter zufrieden: Als er gegen drei Uhr die Kerzen anzündete, waren es knapp über dem Boden minus zwei Grad, bis auf drei Grad haben die Mini-Feuer die Temperaturen ansteigen lassen. „Die können aber entscheidend sein“, so Neumeister und zeigt auf eine zarte grüne Knospe an einer kleinen Rebe, die sich nur ein paar Zentimeter über dem Boden befindet. Noch sind viele Reben in der erst 2018 gepflanzten Anlage so klein, dass sie besonders gefährdet sind. Das warme und sonnige Wetter während der Osterfeiertage hat die Pflanzen zudem austreiben lassen – ein kritisches Stadium.

100 000 Reben vor Spätfrösten schützen

Nicht nur in Weinböhla brannten in der Nacht kleine Feuer, auf mehr als 20 Hektar waren rund 20 Wackerbarth-Mitarbeiter im Einsatz, um insgesamt rund 100 000 Reben vor den Spätfrösten zu schützen – etwa in Radebeul, wo Weißburgunder wächst, in Laubach, um Riesling und Spätburgunder zu retten, oder Diesbar-Seußlitz, um Bacchus, Müller-Thurgau, Früh- und Grauburgunder zu schützen. Um die Temperaturen in den Weinbergen hochzutreiben, kamen nicht nur Frostschutzkerzen zum Einsatz, entfacht wurden auch kleine Feuer sowie Rauchfeuer, die mit Holzkohle angezündet werden. „‎Die verwirbeln die Luft und der Bodenfrost kann sich gar nicht erst absetzen“, erklärt Neumeister.

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Wackerbarth-Sprecher Martin Junge ist überzeugt, dass sich der Einsatz lohnt: Wenn man nicht handele, drohten Ernteverluste durch Erfrieren, Junganlagen müssten zudem neu aufgerebt werden.

Oft beginnen Reben schon im April zu knospen

Welche Winzer in der vergangenen Nacht noch Feuer angezündet haben, darüber hat der Weinbauverband Sachsen keinen Überblick. Das hänge immer von der Lage und vom Zustand der Weinreben ab und sei Entscheidung der Winzer, so Verbandsvorsitzender Michael Thomas. Allerdings mache sich der Klimawandel bei den Winzern im Elbtal bemerkbar. „Wir sehen vor allem in den letzten Jahren einen immer zeitigeren Austrieb der Reben“, so Thomas. Oft würden die Reben schon im April zu knospen beginnen – und damit zwei bis drei Wochen eher als im langjährigen Durchschnitt. „Durch die Verschiebung steigt die ‎Gefahr, dass die Reben von Spätfrösten im April bedroht werden.‎“

Die Wettervorhersage sagt auch für die nächste Nacht Temperaturen um den Gefrierpunkt voraus. Dann wird Neumeister wieder im Einsatz sein.

Von Christiane Raatz, dpa

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