Kriminalität

Falsche Corona-Atteste: Ärztin aus Sachsen macht 60.000 Euro Gewinn – Auch Polizisten unter den Kunden

Eine in Sachsen ansässige Ärztin soll reihenweise falsche Maskenatteste ausgestellt haben (Symbolbild).

Eine in Sachsen ansässige Ärztin soll reihenweise falsche Maskenatteste ausgestellt haben (Symbolbild).

Dresden. Eine im Raum Dresden ansässige Ärztin soll falsche Maskenatteste ausgestellt und damit rund 60.000 Euro Gewinn eingefahren haben. Laut Staatsanwaltschaft Dresden, die die Ermittlungen leitet, habe die Medizinerin die Gefälligkeitsatteste pauschal und zu Unrecht ausgestellt, außerdem Impfverbote bescheinigt und auch Bescheinigungen ausgestellt, nach denen Coronatests bei den Betroffenen nicht per Nasenabstrich durchgeführt werden dürfen.

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Gegen die Frau wird nun wegen des Ausstellens unrichtiger Gesundheitszeugnisse in einem besonders schweren Fall ermittelt. Bereits im März wurden ihre Wohn- und Geschäftsräume durchsucht. Dabei kam heraus: Die Ärztin agierte wohl deutschlandweit und vereinbarte Sammeltermine, bei denen sie im Minutentakt die falschen Atteste für 25 Euro pro Stück ausstellte. Beteiligt gewesen sein sollen auch Heilpraktiker und Bestattungshäuser, die Räumlichkeiten zur Verfügung stellten und die Terminorganisation übernahmen – gegen Gewinnbeteiligung.

Polizisten aus Sachsen mit falschen Corona-Attesten

Die Polizei Dresden hat aufgrund des großen Umfangs der Untersuchungen die Ermittlungsgruppe „Atteste“ mit sieben Beamten gegründet. Es wird nicht nur gegen die Ärztin ermittelt, sondern auch gegen die Inhaber der falschen Atteste und die Organisatoren der Sammeltermine. Die neuerlichen Durchsuchungen am Donnerstag in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Brandenburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg richteten sich gegen Unterstützer der Ärztin oder Menschen, die das Angebot in Anspruch genommen haben sollen. Gefunden haben die daran beteiligten 225 Beamten unter anderem 317 der Atteste.

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Wo genau die Durchsuchungen stattfanden, teilte die Staatsanwaltschaft Dresden nicht mit. Die Ärztin praktiziere im Raum Dresden, sagte Pressesprecher Jürgen Schmidt auf DNN-Anfrage. Aus Gründen der Identifizierbarkeit sei eine genauere Eingrenzung nicht möglich.

Brisant: Auch vier Bedienstete der sächsischen Polizei sollen sich gefälschte Atteste von der Medizinerin besorgt haben. Die Ermittlungen gegen sie laufen. Nach Angaben des Sächsischen Innenministeriums (SMI) werden in derartigen Fällen grundsätzlich dienstrechtliche Verfahren geprüft. Dies sei auch hier so.

„Sächsische Polizei toleriert solche Vorfälle in keinster Weise“

Bei Vorliegen der Voraussetzungen wird ein Disziplinarverfahren eingeleitet, in dem aufgeklärt wird, ob ein Beamter ein Dienstvergehen begangen hat. „Ist dies der Fall, kann eine Disziplinarmaßnahme ausgesprochen werden, um auf den betroffenen Beamten mit dem Ziel einzuwirken, sich künftig pflichtgemäß zu verhalten. Die möglichen disziplinarrechtlichen Konsequenzen reichen vom Verweis bis zur Entfernung aus dem Beamtenverhältnis“, so ein Behördensprecher. Hinweise auf die Beteiligung weiterer sächsischer Beamte liegen derzeit nicht vor.

„Die sächsische Polizei toleriert solche Vorfälle in keinster Weise und geht bei deren Aufklärung stets konsequent vor. Aktuell werden auf Leitungsebene der Hochschule der Sächsischen Polizei (FH) neue zukunftsgerichtete und zielgruppengerechte Formate zur charakterlichen Erziehung und Herausbildung eines stringenten, an der freiheitlich demokratischen Grundordnung sowie den gestiegenen gesellschaftlichen und fachlichen Anforderungen des Polizeiberufs ausgerichteten Berufsethos der Auszubildenden und Studenten der Polizei Sachsen diskutiert“, teilt das Innenministerium mit.

Der Fall ist nicht der erste dieser Art. Immer wieder wurden während der Pandemie Ermittlungen gegen Ärzte aufgenommen, die falsche Gesundheitszeugnisse ausgestellt haben sollen. Im Frühjahr 2022 durchsuchte die Polizei beispielsweise dutzende Wohnungen in ganz Deutschland: Mehr als 90 Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet sollen von einem Arzt aus dem Kreis Tübingen gefälschte Corona-Impfnachweise bekommen haben.

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Von fkä/ dpa

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