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Naunhof bei Dresden

Ex-Fleischerei wird zur Hanf-Plantage

Morten Brandt (v.l.n.r.), Wolle Förster und Josef Späth stehen mit einem Büschel Hanf vor der neuen Trocknungsanlage.

Morten Brandt (v.l.n.r.), Wolle Förster und Josef Späth stehen mit einem Büschel Hanf vor der neuen Trocknungsanlage.

Ebersbach/Naunhof. Cannabis statt Fleisch – so lässt sich die neue Zukunft der ehemaligen Großfleischerei Löblein im Ebersbacher Ortsteil Naunhof kurz umschreiben. Die kanadische Firma Maricann GmbH hat den Gewerbestandort zwischen Meißen und Radeburg gekauft, um dort ganz legal Cannabis- und Hanfpflanzen für medizinische Zwecke zu züchten.

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Bislang gehörte die einstige Fleischerei dem Dresdner Nachtclub-Besitzer Wolle Förster. Er hatte das Grundstück des Fleischereibetriebes, in dem einst bis zu 2000 Schweine und 400 Rinder am Tag verarbeitet wurden, im Jahr 2005 erworben. Jedoch hatte Förster in den vergangenen 13 Jahren nicht viel Erfolg, das Areal mit seinen Hallen zu vermarkten. „Potentielle Käufer hatten plötzlich kein Geld mehr, einer musste ins Gefängnis, mal ist einer kurz vor Vertragsunterzeichnung gestorben. Wieder ein anderer hat den Vertrag unterschrieben, sich aber nicht beim Notar gemeldet“, berichtet Förster über die fehlgeschlagenen Versuche. Doch nun hat er mit Maricann einen Käufer und neuen Nutzer für den Betrieb gefunden.

Die Räumlichkeiten seien schon zum Teil auf passende Cannabis-Zucht-Größen umgebaut, erklärt Maricann-Geschäftsführer Morten Brandt: „Wir haben jetzt anstelle der riesig großen Hallen knapp 100 kleine Räume, die wir zum Anbau und der Verarbeitung von Cannabis und Hanf verwenden können.“ Damit sei das Unternehmen nach eigenen Angaben eines der ersten in Deutschland. Denn die Ausschreibungen des Bunds für die Herstellung von medizinischem Marihuana laufen noch auf Hochtouren. „Uns ist das Risiko hier bewusst, aber bis es richtig losgeht werden wir Hanf für industrielle Zwecke verarbeiten und uns weiter einrichten. Da es in Kanada schon länger medizinisches Marihuana gibt, sehen wir uns als Experten auf dem Gebiet und hoffen auf viele Ausschreibungs-Lose“, so Brandt.

Da sich die kleinen Räume unterschiedlich temperieren lassen, seien sie optimal für die Zucht der Rauschpflanze. Auch das Licht könne jeweils dem aktuellen Zucht-Stand angepasst werden. „Cannabis ist recht simpel zu pflegen, zwölf Stunden muss es hell sein und dann zwölf Stunden finster“, berichtet Josef Späth, Prokurist bei der Maricann GmbH. „Die Ausschreibungen sehen auch eine durchgängige Videoüberwachung und eine sichere Verwahrstelle der ‚fertigen‘ Pflanzen vor. Dafür haben wir im Keller einen Tresorraum, zu dem nur so viele Mitarbeiter wie nötig die Befugnis bekommen“, sagt er über die Sicherheitsvorkehrungen, um eine missbräuchliche Nutzung der Cannabisprodukte zu unterbinden.

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Das kanadische Unternehmen fühlt sich gut vorbereitet, um mit der Produktion zu beginnen. Inklusive Kaufpreis möchte es in den nächsten Jahren rund 25 Millionen Euro in den Standort investieren. Mittelfristig sucht es 100 bis 200 Angestellte für die Produktion. Auf lange Sicht soll die Produktionsstätte auch zum europäischen Kompetenz-Zentrum für Hanf werden. Maricann will dann unter anderem auch Forschungen in Naunhof betreiben. „Mich freut besonders, dass es jetzt von der Fleisch- in die Pflanzenproduktion geht“, so Förster abschließend.

Von Silvio Kuhnert

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