Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

 

Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Oberlandesgericht Dresden

Empörung über Verteidiger-Plädoyer im Freital-Prozess - Urteil kommende Woche

Foto vom ersten Prozesstag. Am Dienstag findet der wahrscheinliche letzte Verhandlungstag statt.

Foto vom ersten Prozesstag. Am Dienstag findet der wahrscheinliche letzte Verhandlungstag statt.

Dresden. Im Prozess gegen die rechtsextreme „Gruppe Freital“ wird Mitte kommender Woche vor dem Oberlandesgericht Dresden das Urteil gesprochen. Der Vorsitzende Richter Thomas Fresemann setzte Mittwoch, den 7. März - der Jahrestag des Prozessbeginns - als Verkündungstermin an. Zuvor hatten die acht Angeklagten am 73. Verhandlungstag Gelegenheit zu letzten Worten. Dabei drückten sie größtenteils ihr Bedauern über das Geschehene aus.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die acht Angeklagten im Alter zwischen 20 und 40 Jahren werden für insgesamt fünf 2015 in Freital und Dresden verübte Sprengstoffanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte und politische Gegner verantwortlich gemacht.

Verteidigung fordert deutliche geringere Strafen

Er könne sich nicht erklären, „warum, wieso, weshalb“, sagte der als Rädelsführer angeklagte Patrick F. und beteuerte: „Es tut mir wirklich leid.“ Timo S., der von der Bundesanwaltschaft ebenfalls der Rädelsführerschaft beschuldigt wird, sagte: „Ich habe mich entschieden, mich schweigend zu verteidigen aufgrund der prozessualen Situation. Ich hoffe, dass der Senat mir das nicht übel nimmt.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Bundesanwaltschaft hat für die beiden unter anderem wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung und versuchten Mordes Freiheitsstrafen von elf Jahren beziehungsweise zehn Jahren und neun Monaten gefordert. Für die anderen sechs Angeklagten plädierte sie auf Strafen zwischen neuneinhalb und fünf Jahren. Die Verteidigung wies sowohl den Terror-Vorwurf als auch den des versuchten Mordes zurück und forderte deutlich geringere Strafen.

Maria K., die einzige Frau der Gruppe, entschuldigte sich, „dass ich die Augen verschlossen habe und so ignorant war“. Die Untersuchungshaft habe ihr die Augen geöffnet. „Ich wünschte, ich könnte den Geschädigten die Frage nach dem Warum beantworten.“

Scharf kritisierten Bundesanwaltschaft und Nebenklage am letzten Verhandlungstag die Angriffe eines Verteidigers auf das Gericht. Der Rechtsanwalt des Angeklagten Mike S., Martin Kohlmann, habe das Gericht bedroht und damit die Taten der Angeklagten in der Hauptverhandlung fortgesetzt, nämlich „den politischen Gegner einzuschüchtern, zu bedrohen und zum Rückzug zu zwingen“, sagte Nebenklagevertreter Alexander Hoffmann. Er appellierte an die Richter: „Sie müssen eine adäquate Antwort finden.“

Verdacht auf Geschichtsrevisionismus

Auch Oberstaatsanwalt Jörn Hauschild von der Bundesanwaltschaft kritisierte Kohlmann scharf. Wenn man von der „Weißen Rose als Gruppe München“ spreche, „erinnert das ganz stark an Geschichtsrevisionismus“. Er hoffe, dass die Anwaltskammer Kohlmanns „Verhalten noch mal etwas näher beleuchtet“.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Kohlmann hatte der Nebenklage zufolge in seinem Plädoyer Ende Januar gesagt, dass er hoffe, dass sich seine Ausführungen nach einem Systemwechsel einmal strafverschärfend in einem Prozess gegen das Gericht wegen Freiheitsberaubung und Rechtsbeugung auswirken würden. Am Dienstag wies er den Vorwurf der Bedrohung zurück. „Ich habe keinen Einfluss darauf, ob irgendwann einmal ein Verfahren gegen das Gericht geführt wird. Das kann ich hoffen, aber einen Einfluss darauf habe ich nicht.“

dpa

Mehr aus Umland

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.