Fragen und Antworten

Der Waldbrand in der Sächsischen Schweiz und seine Auswirkungen

Ein Hubschrauber aus Österreich fliegt mit einem Löschwasser-Außenlastbehälter über der Sächsischen Schweiz.

Ein Hubschrauber aus Österreich fliegt mit einem Löschwasser-Außenlastbehälter über der Sächsischen Schweiz.

Bad Schandau. Der Brand in der Sächsischen Schweiz und an der Landesgrenze zu Brandenburg stellt Sachsen nach zwei verheerenden Hochwassern in den vergangenen 20 Jahren vor neue Herausforderungen. Denn angesichts der Klima-Prognosen mit einer Vorhersage zunehmender Extremwetterlagen scheint zumindest eines festzustehen: Sachsen muss sich besser für solche Katastrophen wappnen. Sie dürften kein Einzelfall bleiben.

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Warum ist die Brandbekämpfung in der Sächsischen Schweiz schwierig?

Das hängt in erster Linie mit der Struktur des Geländes zusammen. Während bei Bränden wie unlängst in der Gohrischheide und jetzt im Elbe-Elster-Kreis die Munitionsbelastung des Bodens eine große Herausforderung ist, sorgt in der Sächsischen Schweiz das Terrain an sich für Probleme: steile Hänge, viele Schluchten und Felsspalten. Über die Jahrhunderte hat sich dort Nadel- und Laubstreu angesammelt und eine meterdicke Humusschicht gebildet.

Das Terrain im Brandgebiet ist schwierig: steil, von Schluchten und Felsspalten durchzogen.

Das Terrain im Brandgebiet ist schwierig: steil, von Schluchten und Felsspalten durchzogen.

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Die Flammen haben sich tief in den Boden eingefressen und unterirdische Glutnester gebildet. Nach Einschätzung der Nationalparkverwaltung reicht deshalb auch ein einzelner, starker Regenguss zum Löschen nicht aus. Dafür wäre eine ausreichende Durchfeuchtung des Bodens durch tagelangen Regen erforderlich. Oder aber man müsste die oberen Schichten abtragen, um an die Glutnester in der Erde heranzukommen.

Welche Folgen hat der Brand für die Natur?

Der Brand hat sich in einem Gebiet ausgebreitet, das für den Naturschutz besonders wertvoll ist. Nach den Worten von Hanspeter Mayr, Sprecher der Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz, sind Felsreviere mit einer typischen Felsriffvegetation betroffen: mit Birken durchsetzte Kiefernwälder und mit Heidekraut am Boden. Da hier keine Forstwirtschaft stattfand, hat die Vegetation in dieser Konstellation die Jahrhunderte überdauert. An normale Temperaturextreme sind solche Altbestände gut angepasst – nicht aber an ein Feuer dieser Dimension. Inzwischen brennen selbst dicht belaubte Buchen und nicht nur Totholz. In der Tierwelt sind etwa Fledermäuse und Insekten betroffen. Das genaue Ausmaß der Schäden lässt sich erst abschätzen, wenn das Gelände wieder betretbar ist.

Wie ordnet sich der Waldbrand in die Historie ein?

Waldbrände in der Sächsischen Schweiz sind keine Seltenheit. Allerdings gab es seit Menschengedenken noch nie ein Feuer dieses Ausmaßes. Der bislang größte Brand brach am 30. August 1842 an zwei Stellen zwischen dem Großen Winterberg und dem Prebischtor aus – genau in jener Region, die auch jetzt betroffen ist. Diesem Feuer war eine „ungewöhnlich große Dürre“ vorausgegangen, ist in den Annalen vermerkt. Am Ende standen rund 236 Hektar in Flammen. Aktuell sind es auf sächsischem Gebiet etwa 150 Hektar und auf tschechischer Seite rund 1000 Hektar. Die Waldbrände im Elbsandsteingebirge sind gut dokumentiert. Allein im hinteren Teil gab es zwischen 1817 und 1913 insgesamt 139 Brände.

Wie schnell wird sich der Wald nach dem Feuer erholen?

Darüber liegen zum jetzigen Zeitpunkt keine gesicherten Erkenntnisse vor. Es gibt aber Untersuchungen auf alten Waldbrandflächen, wie sich die Vegetation dort wieder regeneriert. Grundsätzlich gilt: Das Elbsandsteingebirge hat sandigen Boden, der von Natur aus sehr wasser- und nährstoffarm ist. Deshalb wird die Regeneration hier langsamer ablaufen als in fruchtbaren Gebieten.

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In Tschechien wird der Waldbrand vermutlich noch viel gravierende Schäden hinterlassen als auf sächsischer Seite. Das Foto zeigt verbrannte Bäume bei Hrensko, hier war der Brand ausgebrochen.

In Tschechien wird der Waldbrand vermutlich noch viel gravierende Schäden hinterlassen als auf sächsischer Seite. Das Foto zeigt verbrannte Bäume bei Hrensko, hier war der Brand ausgebrochen.

In Tschechien tauchten dieser Tage Schätzungen auf, wonach der Wald dort mindestens 100 Jahre benötigt, um einen Zustand wie vor dem Feuer zu erreichen. Auf tschechischer Seite wird seit mehr als 15 Jahren auf einer früheren Brandfläche geforscht. Davon erhofft man sich nun Hinweise, wie sich das aktuelle Brandgebiet erholen könnte.

Welche Auswirkungen hat der Brand auf den Tourismus?

Die Sächsische Schweiz gehört seit jeher zu den beliebtesten Feriengebieten in Ostdeutschland und ist ein Wanderparadies. Da die Wälder derzeit wegen der hohen Brandgefahr nicht betreten werden dürfen, fallen Wandern und Klettern aktuell aus.

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Der zuständige Tourismusverband verweist auf all die anderen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung von Dampfer- oder Bootsfahrten auf der Elbe, über die Nutzung des beliebten Elberadweges bis hin zum Besuch der Festung Königstein und der Felsenbühne Rathen. Nachdem im Gastgewerbe Stornierungen eintrafen und Urlauber wieder abreisten, wirbt die Branche nun geradezu um Gäste. Der Tourismusverband hofft auf ein baldiges Aufheben der Waldsperre, damit Wandern wieder möglich ist.

Von Jörg Schurig/dpa

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