Jugend im Wandel der Zeit

Ausstellung beleuchtet Jugendsozialarbeit in Radebeul

Richard Hilse schafft mit Sprühdose und Schablone im Jugendtreff „Weißes Haus“ gemeinsam mit anderen Jugendlichen kleine Kunstwerke.

Richard Hilse schafft mit Sprühdose und Schablone im Jugendtreff „Weißes Haus“ gemeinsam mit anderen Jugendlichen kleine Kunstwerke.

Radebeul. „Halbstarker tritt gegen Auto“ – so lautete eine Meldung Anfang dieses Monats. Ein schätzungsweise 16- oder 17-Jähriger hatte mitten in der Nacht auf der Kötzschenbordaer Straße ein Fahrzeug in Radebeul beschädigt. Für den ein oder anderen ist dies eine Bestätigung eines Klischees über die Jugendliche: Sie lungern in Parks oder auf Plätzen herum, sind laut, pöbeln und randalieren.

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Der beschriebene Fall ist eine Ausnahme Das beweist beispielsweise dieser Tage Richard Hilse. Der Zwölfjährige kreiert mit anderen Jugendlichen zusammen im Jugendtreff „Weißes Haus“ Schablonen für Graffiti. Sie bringen ihre gesprühten Bilder auf Leinwand. Ihre Kunstwerke sowie weitere Arbeiten Radebeuler Künstler sind ab 5. März in der Ausstellung „Hingerichtet – ist der Blick auf die Jugend“ im Bürgertreff Radebeul-West zu sehen und können dort für einen guten Zweck erworben werden. „Der Erlös kommt der Jugendselbsthilfegruppe des Sonnenstrahl e.V. Dresden und damit von Krebs betroffenen Kindern und Jugendlichen zugute“, berichtet der Radebeuler Jugendsozialarbeiter Robert Kaiser.

Die Graffitikunstwerke der Jugendlichen bilden nur einen Teil der Schau. Bereits 1993 gab es im Rahmen des Großprojektes „STADT-AN-SICHTEN“ eine Ausstellung mit dem gleichen Titel, welche die soziale Jugendarbeit in der Lößnitzstadt thematisierte. 25 Jahre später und das 20-jährige Bestehen des Schul- und Jugendclubs Ratskeller nahmen Kaiser und seine Kollegin Dajana König zum Anlass, die Jugendsozialarbeit von ihren Anfängen nach der Wende bis zur Gegenwart anhand von Bildern, Chroniken und Fotoalben darzustellen. Die Besucher der Vernissage erwartet eine Talkrunde, bei der Akteure der haupt- und ehrenamtlichen Jugendarbeit von einst und jetzt zum Thema „Jugend im Wandel der Zeit“ sprechen.

Rund 2400 Radebeuler sind laut der aktuellen Alterspyramide der Stadt derzeit zwischen zwölf und 18 Jahre alt. Und sie unterscheiden sich von ihren Altersgenossen von Anfang der 1990er Jahre. „Die Bereitschaft, sich für eigene Interessen einzusetzen, hat nachgelassen“, meint Jugendsozialarbeiterin König. Früher schlossen sich Jugendliche in größeren Cliquen zusammen, um die Freizeit gemeinsam zu verbringen. Sie engagierten sich in selbstverwaltenden Jugendclubs. Diese sind allerdings Geschichte.

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Das Ende der von Jugendlichen selbst verwalteten Treffs hat vielfältige Gründe. Zum einen gab es nach der Wende einfach mehr Raum, den Jugendliche erobern konnten. Heutzutage bestehen dagegen kaum noch Möglichkeiten, einen Raum für eigene Veranstaltungen oder Versammlungen preiswert anzumieten. War ein Treffpunkt einst Voraussetzung, um überhaupt miteinander in Kontakt zu treten, können sich Jugendliche heutzutage dank sozialer Netzwerke und Messangerdienste rund um die Uhr und, ohne am gleichen Ort zu sein, austauschen. Statt sich an einen selbstverwalteten Jugendclub zu binden, ziehen einige lose Treffmöglichkeiten wie Parks, Plätze oder die Elbwiesen vor.

Mit den offenen Treffs im „Weißen Haus“ und im Ratskeller beispielsweise oder mit dem Mobil „grüner Bulli“ bieten vier Jugendsozialarbeiter Alternativen für eine sportliche und kreative Freizeitgestaltung an. Vier weitere sind in der Schulsozialarbeit tätig.

Die Ausstellung „Hingerichtet – ist der Blick auf die Jugend“ kann vom 5. März bis 11. April jeden Mittwoch von 11-18 Uhr im Bürgertreff, Bahnhofstraße 8, besichtigt werden. Vernissage am 5. März um 18 Uhr.

Von Silvio Kuhnert

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