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Flutanlagen

Wie sich Dresden Hochwasserschutz für die Leipziger Vorstadt vorstellt

Mehrfach hat die Elbe die Leipziger Vorstadt erreicht.

Mehrfach hat die Elbe die Leipziger Vorstadt erreicht.

Dresden.Die Pläne haben Potenzial – für Probleme, vor allem mit dem Freistaat. Die Stadt hat Pläne für einen Gebietsschutz vor Elbe-Hochwassern für den Bereich zwischen Marienbrücke und Molenbrücke Pieschen vorgelegt. Über die Vorschläge aus dem Bereich von Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne) soll der Stadtrat demnächst entscheiden. Schon dort ist mit Streit zu rechnen, vor allem muss die Stadt sich aber mit dem Freistaat Sachsen auseinandersetzen.

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Jähnigen-Vorlage könnte hitzige Debatte entfachen

Die Pläne haben schon vor einigen Jahren für Aufregung gesorgt. Bereits 2015 lag die Stadt dazu mit dem Land über Kreuz. Parallel dazu eskalierte der Streit um das Bauprojekt "Marina Garden", die von der Stadt auf Eis gelegte Bauherrin ließ damals einen Gebietsschutz vor ihrem Grundstück visualisieren – mit einer 3,50 Meter hohen Mauer.

Die aktuelle Jähnigen-Vorlage könnte wieder eine hitzige Debatte entfachen. Nach Ansicht ihrer Experten kann nur „mit einer stationären Hochwasserschutzanlage“ ein Gebietsschutz für ein Jahrhunderthochwasser (HQ100) gewährleistet werden. Dies sei in der Analyse des Hochwassers im Juni 2013 erkannt worden, der Stadtrat – seinerzeit noch mit rot-grün-roter Mehrheit ausgestattet – löst 2015 den Auftrag für weitere Untersuchungen aus.

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Alles nur in enger Abstimmung mit Freistaat möglich

Deren Ergebnisse liegen jetzt auf dem Tisch. Der Stadt ist dabei bewusst: Alles ist nur „in enger Abstimmung“ mit dem Freistaat möglich. Dieser ist für den Hochwasserschutz an der Elbe zuständig. Der Beschluss des Stadtrats soll „die Voraussetzungen für entsprechende Gespräche schaffen“.

Die Stadt hat dazu von der Baugrund Dresden Ingenieurgesellschaft mbH verschiedene Varianten untersuchen und einen Linienvorschlag für die Schutzanlagen entwerfen lassen. Die vorliegenden Ergebnisse würden zeigen, „dass die Errichtung eines Gebietshochwasserschutzes für die Leipziger Vorstadt prinzipiell möglich ist“.

Deichanlage aus städtebaulichen Gründen verworfen

Mobile Verschlüsse könnten die Zugänge zur Elbe integrieren oder auch die hochwasserangepassten Bauweisen in verschiedenen Gebieten – wie beispielsweise der Hafencity. Eine Deichanlage wurde unter anderem aus städtebaulichen Gründen verworfen.

Die Stadt stellt zudem fest, dass der Vorschlag „als Kompromiss zwischen technischer Machbarkeit, Minimierung der Eingriffe in den Retentionsraum und Kosten nicht ohne Eingriffe in bestehende Nutzungen, wie Kleingärten, auskomme und auch nicht alle Betroffenen zwischen Leipziger Straße und Elbe schützen kann, wie beispielsweise „das Stadion oder die Wohnhäuser an der Moritzburger Straße“.

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Höhe der Schutzwände nicht detailliert aufgeführt

Wie hoch die Schutzwände im einzelnen sein werden, ist nicht detailliert aufgeführt. Von der Marienbrücke bis zur Uferstraße sind 2,10 Meter bis 3,10 Meter im Gespräch. Beim Arzneimittelwerk kämen auf eine vorhandene Mauerhöhe noch 1,50 Meter drauf (insgesamt 2,00 bis 3,10 Meter). Bei der „Showboxx“ könnten es 0,90 bis 1,20 Meter sein, bis zum Elbviertel ist von 2,10 bis 2,30 Metern die Rede.

Zwischen Elbviertel und Erfurter Straße stehen Bauwerkshöhen zwischen 1,30 Meter und 2,20 Metern in der Vorlage. Die Wohngebäude an der Moritzburger Straße sind nicht in Gebietsschutz einbezogen, weil dafür Schutzmauern von mindestens 2,30 Metern nötig wären. Auf dem Stück bis zum Pieschener Winkel könnten Schutzmauern bis zu 1,80 Meter hoch sein.

Bürgerbeteiligung geplant

Für die Vorzugstrasse soll nach dem Stadtratsbeschluss ein Bürgerbeteiligungsverfahren auf den Weg gebracht werden, in dem „ergebnisoffen die bestehenden Konflikte aufgezeigt und die vorgeschlagene Lösung einer kritischen Diskussion unterzogen“ werden soll. Als Vorbild diene dabei der Prozess „Leben mit dem Fluss“ in Laubegast. Mit den Ergebnissen der Bürgerbeteiligung soll sich dann der Stadtrat erneut befassen, bevor die Stadt in die Gespräche mit dem Freistaat geht.

Das Gebiet ist nach den Angaben der Stadt ab einem Pegelstand von 7 Meter von erheblichen Überschwemmungen betroffen. 2002 und 2013 sei das zu schützende Gebiet jeweils vollständig überflutet gewesen. Der Freistaat hat in der Vergangenheit mit Blick auf die überflutete Fläche 2002 argumentiert, die nach damaligem Stand schützbaren Werte rechtfertigten nicht den hohen Aufwand für einen Gebietsschutz.

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8,9 Millionen Euro finanzieller Aufwand

Neue Bauten will der Freistaat nicht schützen. Das Hochwasser 2013 habe auch keine wesentlich höheren Wasserstände ergeben. Die Stadt verweist dagegen auf die Entwicklung des Gebiets und die damit einhergehende Wertsteigerung schützenswerter Güter.

In einer Grobkostenschätzung kommt die Stadt auf Ausgaben von 5,6 Millionen Baukosten, 1,4 Millionen Euro Baunebenkosten, knapp 450.000 Euro Grunderwerbskosten (alles netto) und damit insgesamt auf einen Aufwand von 8,9 Millionen Euro (brutto). Das damit vermeidbare Schadenspotenzial beziffert die Stadt auf 34,4 Millionen Euro, ohne Hafencity beläuft sich die Summe auf 27,6 Millionen Euro.

Hochwasserschutzprogramm „bereits heute bis 2020 überzeichnet“

Ob diese Zahlen den Freistaat umstimmen, ist offen. Aus Sicht des Landes hat die Stadt selbst nach Ausweisung des Areals als Überschwemmungsgebiet 2005 durch Genehmigungen zum höheren Schadenspotenzial beigetragen. Außerdem gebe es in absehbarer Zeit kein Geld. Das Hochwasserschutzprogramm sei „bereits heute bis 2020 überzeichnet“, erklärte das Ministerium schon 2015.

Von Ingolf Pleil

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