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Prävention und Repression

Wie Dresden das Drogenproblem am Wiener Platz in den Griff bekommen will

Brennpunkt: Der Wiener Platz ist das Tor zur Stadt, aber auch ein Drogenumschlagplatz.

Brennpunkt: Der Wiener Platz ist das Tor zur Stadt, aber auch ein Drogenumschlagplatz.

Dresden.Dresden will mit einem umfangreichen Maßnahmeplan die Drogenszene am Wiener Platz zurückdrängen. „Wir wollen Zustände wie im Bahnhofsviertel von Frankfurt/Main verhindern“, erklärte Ordnungsbürgermeister Detlef Sittel (CDU). Das Konzept wurde gemeinsam mit Sozialbürgermeisterin Kris Kaufmann (Die Linke) und Kristin Ferse, der städtischen Koordinatorin Suchtprävention, erarbeitet. Auch die Polizei spielt eine wichtige Rolle.

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Was ist das Neue an dem Konzept?

Es handelt sich erstmals um einen ganzheitlichen Ansatz mit den drei Säulen Hilfen, Prävention und Repression, erläutert Ferse. Es sei zu oft über die Zahl von Polizisten oder Vollzugsbediensteten diskutiert worden oder über die benötigten Sozialarbeiter. Richtig sei es, alles im Blick zu behalten.

Wie soll das gelingen?

Straßensozialarbeiter gehen auf die Verkäufer und Käufer von Drogen zu und bieten Kontakt zu Beratungsstellen an. „Es ist das erste Mal, dass der Ansatz der aufsuchenden Sozialarbeit zum Einsatz kommt“, erläutert Ferse. Polizei und Ordnungsamt kontrollieren regelmäßig und ahnden Straftaten sowie Ordnungswidrigkeiten. Mit einer attraktiven Gestaltung soll es Drogenhändlern erschwert werden, auf dem Platz dunkle Geschäfte abzuwickeln.

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Lässt sich Drogenhandel mit Sozialarbeit eindämmen?

„Wir müssen dafür sorgen, dass gar nicht erst so viele Menschen abhängig werden“, vertritt Ferse einen präventiven Ansatz. Das verderbe Drogenhändlern am effektivsten das Geschäft. Viele Dealer seien zudem selbst drogensüchtig und würden sich mit dem Verkauf der Substanzen ihren Drogenkonsum finanzieren. Wer auf diese Menschen einwirke, dämme den Handel auch ein.

Hat Dresden eine offene Drogenszene?

„Nein“, sagt André Marschke, Leiter des Polizeireviers Dresden-Mitte. Am Hauptbahnhof werde mit Drogen gehandelt. Offener Drogenkonsum finde auf dem Wiener Platz nicht statt. „Wir wollen dafür sorgen, dass es dazu nicht kommt“, kündigte Marschke eine enge Kooperation mit dem Ordnungsamt an. Gemeinsame Streifen zwischen Bürgerpolizisten und Mitgliedern der Besonderen Einsatzgruppe seien denkbar und würden die Präsenz erhöhen. „Wenn ich einen Bürgerpolizisten gemeinsam mit einem Mitarbeiter des Ordnungsamtes auf Streife schicken kann, setze ich das Personal effektiv ein.“

Welche Rolle spielen Flüchtlinge beim Drogenhandel?

Der überwiegende Teil der Drogenkonsumenten und -händler sei deutsch, sagt Marschke. „Wir haben auch Flüchtlinge dabei, aber die meisten sind Einheimische.“

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Wird nur gegen Drogenhandel vorgegangen? Was ist mit Alkoholikern, die sich regelmäßig auf dem Wiener Platz getroffen haben?

„Wir haben auch dieses Problem im Fokus“, versichern Sittel und Marschke. „Auch die Straßensozialarbeiter haben diese Gruppe im Blick“, erklärte Ferse.

Was kostet das Projekt?

Für vier Sozialarbeiterstellen sind 2018 rund 371.000 Euro vorgesehen, so Kaufmann. Das Geld soll aus dem von der rot-grün-roten Stadtratsmehrheit beschlossenen Sozialpaket kommen.

Ist nach einem Jahr Schluss?

Das Programm ist nicht als Eintagsfliege angelegt, sondern ist über mehrere Jahre angelegt.

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Konzentriert sich die Stadt jetzt auf den Wiener Platz und verliert andere Brennpunkte wie die Neustadt aus den Augen?

„Wir wollen ein lernendes System etablieren“, erklärt Kaufmann. Heißt: Die Erfahrungen, die am Wiener Platz gesammelt werden, sollen auf andere Brennpunkte übertragen werden. Gemeinsam mit den jeweiligen Akteuren vor Ort sollen die Probleme angegangen werden.

Wird das Zusammenwirken von Prävention und Repression den Drogenhandel nicht eher in andere Straßenzüge verdrängen?

„Je mehr wir unterwegs sind, desto mehr verlagern sich die Aktivitäten in Richtung Prager Spitze und Rundkino“, weiß Marschke. Die Polizei arbeite daran, das zu verhindern. „Es wäre uns nicht geholfen, wenn die Dealer zwar nicht mehr am wiener Platz stehen, dafür aber beispielsweise vor Schulen.“

Wann startet der Maßnahmeplan?

Das Paket wird wahrscheinlich am 18. Januar auf der Tagesordnung des Stadtrats stehen.

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Von Thomas Baumann-Hartwig

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