DNN-Barometer

Was Dresdner nach vier Jahren Pegida über das rechte Bündnis denken

Pegida und Gegenproteste rund um die Dresdner Frauenkirche im Oktober diesen Jahres.

Pegida und Gegenproteste rund um die Dresdner Frauenkirche im Oktober diesen Jahres.

Dresden. Seit vier Jahren demonstriert Pegida in Dresden. Das neue DNN-Barometer zeigt: Die Meinung der Dresdner über das islamfeindliche und asylkritische Bündnis hat sich verändert. Mit 48 Prozent stimmte im Februar 2015 während der Flüchtlingswelle fast die Hälfte der Befragten den Zielen von Pegida teilweise zu. Im aktuellen Befragungszeitraum vom 15.Oktober bis zum 5. November dieses Jahres taten dies zwanzig Prozent weniger Befragte und nur vier Prozent der rund 400 Umfrageteilnehmer gaben an, den Zielen von Pegida voll zuzustimmen. Als Lutz Bachmann Pegida im Dezember 2014 als Verein eintragen ließ, waren es noch zehn Prozent, die die Ziele des rechten Bündnisses teilten.

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Vielen sehen politische Veränderungen durch Pegida

Trotz der sinkenden Zustimmungswerte zu den Zielen von Pegida ist die Mehrheit der Befragten in Dresden der Meinung, dass die fremdenfeindliche Bewegung politische Veränderungen bewirkt hat – und dies eher zum Schechten. Aktuell sind 60 Prozent der Ansicht, die vier Jahre anhaltenden Demonstrationen haben allgemein politische Veränderungen hervorgerufen.

Zu den Hochzeiten der Flüchtlingswelle im Februar 2015 trauten die Dresdner Pegida noch nicht so viel Einfluss zu, auch wenn Pegida im Januar 2015 mit rund 25 000 Teilnehmern die bisher größte Versammlung abhielt. Damals stimmten nur 36 Prozent der Befragten im DNN-Barometer der Aussage zu, dass Pegida Veränderungen bewirken wird.

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Rückblickend wird die politische Kraft von Pegida also deutlich stärker eingeschätzt als während der eigentlichen Hochphase des asylkritischen Bündnisses.

Einfluss von Pegida wird eher negativ wahrgenommen

Auch in der Frage, ob die wahrgenommenen Veränderungen in Dresden durch Pegida zum Guten oder zum Schlechten ausfallen, hat sich die Stimmung gewandelt. Zwar trauten die im Februar 2015 Befragten Pegida nicht so viel politische Veränderungskraft zu, doch 69 Prozent waren der Meinung, dass die Veränderungen zum Guten ausfallen würden. Die Teilnehmer des aktuellen DNN-Barometers schätzen die Art des Einflusses von Pegida anders ein.

Nur ein knappes Drittel ist der Ansicht, dass Pegida in Dresden für positive Veränderungen gesorgt hat. Mit 63 Prozent ist die Mehrheit der aktuell Befragten sicher, dass Pegida für eher schlechte Veränderungen gesorgt hat.

Zusammengefasst sahen die Umfrageteilnehmer Anfang 2015 eine geringe, aber mehrheitlich positive Veränderungskraft des rechten Bündnisses. Aktuell hingegen bescheinigen ein Großteil der Befragten Pegida die Verantwortung für eine eher zum Schlechten orientierte politische Veränderung.

Trend zu multikulturellem Leben?

Ein deutlicher Trend zeigt sich auch in der Frage, in was für einer Gesellschaft die Befragten aus Dresden gerne leben möchten. Von den Teilnehmern des aktuellen DNN-Barometers gaben 67 Prozent an, in einer Gesellschaft leben zu wollen, in der Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen leben. 33 Prozent hingegen bevorzugen eine Gesellschaft, in der Menschen der gleichen kulturellen Herkunft leben, die sich sehr ähnlich sind.

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Seit 2009 haben die Mitarbeiter des Instituts für Kommunikationsforschung (IfK) an der TU Dresden für das DNN-Barometer Menschen telefonisch gefragt, in was für einer Gesellschaft sie lieber leben würden. Im Dezember 2009 bevorzugten im Gegensatz zu heute nur 42 Prozent eine multikulturelle Gesellschaft. Mehr als ein Jahr später, im Juli 2010 wollten mit 65 Prozent sogar fast zwei Drittel der befragten Dresdner in einer Gesellschaft aus Menschen mit dem gleichen kulturellen Hintergrund leben. Möglich ist, dass die Diskussion um die Inhalte des Buchs „Deutschland schafft sich ab“ von Thilo Sarrazin das Antwortverhalten 2010 beeinflusste.

Zwischen Dezember 2013 Juni 2015 bevorzugt stets eine knappe Mehrheit der Befragten im DNN-Barometer eine Gesellschaft, in der verschiedene Kulturen zusammenleben. Seit drei Jahren verstärkt sich dieser Trend. Im Dezember 2015 wollten schon 60 Prozent in einer multikulturellen Gesellschaft leben, aktuell sind es bereits 67 Prozent.

Befürchtungen bestätigt?

Die Flüchtlingswelle 2015 brachte bei einigen Dresdnern auch Befürchtungen im Bezug auf das Leben in der Stadt mit sich. Einige fürchteten beispielsweise einen Anstieg von Kriminalität in Dresden. Seit 2016 nimmt die Zahl der nach Dresden kommenden Flüchtlinge ab und befindet sich aktuell auf konstant niedrigem Niveau. Mitarbeiter des IfK haben Dresdner befragt, ob sich ihre Befürchtungen hinsichtlich der Flüchtlingswelle rückblickend bestätigt haben. Dabei zeigt sich ein variierendes Bild.

Aktuell bestätigen insgesamt 27 Prozent eher beziehungsweise voll und ganz, dass in Dresden die Kultur und Deutsche Sprache an den Rand gedrängt würden. Im Mai 2017 sahen das mit 23 Prozent etwas weniger Befragte so. Aus den Ergebnissen des DNN-Barometers wird auch deutlich, dass sich die Befragten in Dresden deutlich unsicherer fühlen. Während im Mai 2017 insgesamt knapp ein Viertel zustimmte, sich eher beziehungsweise voll und ganz in Dresden nicht mehr sicher zu fühlen, stieg die Anzahl der Befragten mit dieser Ansicht im Oktober 2018 auf 44 Prozent. 17 Prozent von ihnen stimmen der Aussage voll und ganz zu, dass sie sich in Dresden unsicher fühlen.

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Verändern Einwanderer das Stadtbild?

Hinsichtlich der Angst vor religiösen Konflikten auf Dresdner Boden und gestiegener Kriminalitätsraten zeigt sich, dass weniger Menschen ihre Befürchtungen aktuell bestätigt sehen. Während im Mai 2017 noch 57 Prozent ihre Befürchtungen vor religiösen Konflikten in Dresden eher beziehungsweise voll und ganz bestätigt sahen, ist dies aktuell nur noch für 40 Prozent der Fall.

Etwas weniger deutlich verhält es sich mit der Angst vor steigender Kriminalität. 65 Prozent empfanden im Mai des vergangen Jahres ihre Befürchtung von mehr Kriminalität in Dresden durch Flüchtlinge bestätigt, aktuell sehen dies nur noch 59 Prozent so. Zwar finden mit 77 Prozent noch immer viele der befragten Dresdner, dass die Politiker mit den Problemen überfordert sind, doch im Vergleich zu 83 Prozent im Mai 2017 ist diese Tendenz rückläufig.

Wenig verändert ist die Meinung der Befragten darüber, ob zu viele Einwanderer das Dresdner Stadtbild nachhaltig verändert haben. Im Mai 2017 sahen das 41 Prozent der Befragten im DNN-Barometer eher beziehungsweise voll und ganz bestätigt. Aktuell sind es mit 45 Prozent nur wenige mehr.

Im Auftrag der DNN führen Mitarbeiter des IfK Telefonbefragungen in der Dresdner Bevölkerung zu aktuellen Themen durch. Befragt werden rund 400 zufällig ausgewählte Menschen, die einen Festnetzanschluss besitzen.

Von Tomke Giedigkeit

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