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Hochseilartistik

Vier höhenverliebte Generationen

Die Show der Geschwister Weisheit ist in diesem Jahr Hauptattraktion des Rummels auf der Vogelwiese.

Die Show der Geschwister Weisheit ist in diesem Jahr Hauptattraktion des Rummels auf der Vogelwiese.

Dresden. Vier Generationen der Familie Weisheit balancieren noch bis Sonntagabend als Hauptattraktion auf der Vogelwiese an der Pieschener Allee. Gerade mal vier Jahre alt ist Lenny, der jüngste Hochseilartist der Akrobatikgruppe, die seit der Gründung im Jahr 1900 in bereits zwei Jahrhunderten in Deutschland, Europa, Thailand und dem Oman aufgetreten ist. Mit 57 Jahren ist Peter Weisheit verglichen mit seinem Enkel Lenny ein alter Hase – und trotzdem noch mit und ohne Motorrad in waghalsigen Höhen unterwegs.

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Deutschlandweit einzigartig fahren die insgesamt zehn Artisten mit Motorrädern und angebrachten Trapezen über die Festwiese und das Publikum. Traditionsreiche Artistenfamilien wie die Weisheits sind heutzutage aber nur noch die Ausnahme: „Von allen Hochseilgruppen im Bundesgebiet sind wir mittlerweile die einzige, die noch übrig geblieben ist“, berichtet Peter Weisheit stolz. Grund für das Fortbestehen der Artistengruppe sicherte laut eigener Aussage „eine Revolution in der Hochseilartistik, die uns 2014 gelungen ist“. Gemeint ist damit die mobil aufbaubare Hochseilbahn, die platzsparend unter besonderen Sicherheitsauflagen über anderes Stände und das Publikum hinweg aufgebaut wird. Zu DDR-Zeiten war die aus Gotha stammende Truppe regelmäßig zu Gast in Dresden, trotz schwieriger Bedingungen damals: „Meinen Eltern wurde zeitweise die Arbeitserlaubnis entzogen, sie haben sich dennoch einen Namen erkämpft und 1980 sogar den Kunstpreis der DDR gewonnen“, erzählt Peter Weisheit.

Außergewöhnlich ist der Umstand, dass ausnahmslos alle Artisten eine abgeschlossene Berufsausbildung besitzen: Auf dem Hochseil balancieren Mediengestalter, Schlosser und KfZ-Mechaniker. Im Falle eines Unfalls oder eines plötzlichen Weggangs soll das eine Art Absicherung sein. Erst im April dieses Jahres stürzten fünf Artisten des Ensembles während einer Vorstellung in der Eifel aus acht Metern Höhe glücklicherweise in das angebrachte Spezialnetz. „Ein Unfall kann immer passieren, gerade weil wir auch bei Wind und Regen auf das Seil steigen. Das wirft uns trainingstechnisch weit zurück, so dass sich Körper und Kopf erst wieder das nötige Selbstbewusstsein antrainieren müssen“, gibt der dienstälteste Weisheit Einblicke in das Artistenleben.

Ungeachtet der langen Laufbahn und Geschichte des Ensembles kämpfen die Weisheits wie ein Großteil des Schausteller- und Artistengewerbes um das Überleben. Mit Blick auf die Zukunft ist Peter Weisheit dennoch optimistisch: „Im Laufe der Jahre haben wir es mit dem Ohr am Markt immer geschafft die Leute zu begeistern.“ Auf die Frage, ob er glaubt, dass seine beiden Enkel in fünfzehn Jahren noch auf dem Hochseil stehen oder fahren werden, antwortet er: „Ich hoffe, dass sie den erforderlichen Spaß und die Freude mitbringen sowie das nötige Glück haben.“

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Bis Sonntag treten die Geschwister Weisheit täglich mit ihrer Motorradshow um 19 Uhr auf. Am Sonnabend und Sonntag findet zusätzlich um jeweils 15 Uhr die akrobatische Hochseilshow statt.

Von Aaron Wörz

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