Engagement für Menschenrechte und gegen Rassismus

US-Olympiasieger Tommie Smith erhält Dresden-Preis

Der frühere US-Sprinter und Olympiasieger Tommie Smith ist am Sonntag mit dem Dresden-Preis 2018 geehrt worden.

Der frühere US-Sprinter und Olympiasieger Tommie Smith ist am Sonntag mit dem Dresden-Preis 2018 geehrt worden.

Dresden. Der frühere US-Sprinter und Olympiasieger Tommie Smith ist am Sonntag mit dem Dresden-Preis 2018 geehrt worden. Die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung wurde ihm für sein Engagement gegen Rassismus verliehen. Smith hatte dafür die Olympischen Spiele 1968 in Mexiko-Stadt als Bühne genutzt. Gemeinsam mit seinem Teamkollegen John Carlos hielt er bei der Siegerehrung den Kopf gesenkt und reckte die Faust in einem schwarzen Handschuh nach oben - das Zeichen der Black-Power-Bewegung. Die Geste wurde zu einem Meilenstein in der Bürgerrechtsbewegung.

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Smith durfte nie wieder zu einem Wettkampf antreten und bekam Morddrohungen. Später wurde er Trainer, absolvierte ein Studium und lehrte Soziologie. In Dresden wurde er nun nicht allein deshalb geehrt, weil sich der mutige Protest in diesem Jahr zum 50. Male jährt. Vielmehr dient er auch heute noch ein Beispiel für Sportler, die gegen Rassismus eintreten. So wie Colin Kaepernick, der sich als Quarterback der San Francisco 49ers während der US-Hymne hinkniete und so gegen Polizeigewalt und Rassendiskriminierung protestierte. Er begründete damit eine Aktion, der immer mehr Profis folgten.

Laudator Walraff lobt "Ikone der Freiheit und Gleichberechtigung"

Keine olympische Siegerehrung davor und danach habe je diese Berühmtheit und Langzeitwirkung erreicht, sagte der Journalist Günter Wallraff in seiner Laudatio: „Das Bild vom Sieg der Kühnheit über die Verzagtheit wird zu einer Ikone der Freiheit und Gleichberechtigung – es hat sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt.“ Das Foto der beiden Läufer habe „wie ein Aufblitzen der Menschenwürde in einer von Apartheid gefesselten Welt“ gewirkt.

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Wallraff ging auch die Zustände in Deutschland ein und griff die AfD nach den jüngsten Hasstiraden ihres Spitzenfunktionärs André Poggenburg an. Erschreckend sei, dass die Rassisten in dieser Partei den Boden zwischenmenschlicher Verständigung verließen. Und das nicht klammheimlich, sondern dröhnend laut und erhobenen Hauptes. Angesichts von Ignoranz und „Verbretterung“ der Gehirne durch Pegida und AfD, von Hassattacken, Brandanschlägen und Morden dürfe man sich nicht abfinden mit den hiesigen Zuständen.

Der frühere Bundesminister Gerhart Baum moderierte das Programm. Der Dresden-Preis wird seit 2010 jährlich vergeben. Zu den Geehrten gehören unter anderen der frühere sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow, Dirigent Daniel Barenboim, der US-Kriegsfotograf James Nachtwey und der sudanesische Musiker und Ex-Kindersoldat Emmanuel Jal. Im vergangenen Jahr war der Bürgermeister der italienischen Ortschaft Riace, Domenico Lucano, ausgezeichnet worden. Er hatte in seinem „Dorf des Willkommens“ viele Flüchtlinge aufgenommen.

dpa

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