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Bildungsweg

Überraschung: Gericht stoppt Losverfahren an Gymnasium

Wie beim DFB-Pokal: Das Verwaltungsgericht hat andere Vorstellungen vom Auswahlverfahren für Schüler an Gymnasien.

Wie beim DFB-Pokal: Das Verwaltungsgericht hat andere Vorstellungen vom Auswahlverfahren für Schüler an Gymnasien.

Dresden.Unerwartete Entscheidung des Verwaltungsgerichts Dresden: Die Richter beanstanden das Losverfahren am Gymnasium Bürgerwiese. Bislang haben sich Schulleiter auf dieses Verfahren verlassen, weil es letztlich als einziges als gerichtsfest galt. Die Auswahl der Schüler an weiterbildenden Schulen nimmt damit kuriose Züge an.

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An drei Dresdner Gymnasien waren die Aufnahmeverfahren für Schüler in die 5. Klasse vor Gericht gelandet – am Gymnasium Bühlau für drei Kinder und am Gymnasium Bürgerwiese und dem Bertolt-Brecht-Gymnasium jeweils für ein Kind. Es handelt sich um vorläufige Rechtsschutzverfahren.

Wie üblich hatten die Eltern mit den Bildungsempfehlungen in der Tasche ihre Kinder bei der Schule ihrer Wahl angemeldet. Grundsätzlich kann das ein Gymnasium oder eine Oberschule sein. Regelmäßig werden dabei zu viele Kinder für bestimmte Schulen angemeldet. Dann müssen die Schulleiter Auswahlverfahren umsetzen. In der letzten Zeit haben sich nur noch wenige Kriterien grundsätzlich als gerichtsfest erwiesen. Die Schulen können auf Geschwisterkinder und Schulwege schauen. Schließlich entscheidet häufig das Los. Gegen die Entscheidung können die Eltern zunächst mit einem Widerspruch vorgehen. Führt das nicht zum Erfolg, steht der Weg zum Verwaltungsgericht offen.

Erfolg für Freistaat am „BeBe“

Im Klageverfahren beim Bertolt-Brecht-Gymnasium hat der Freistaat beim Verwaltungsgericht gewonnen. Laut Petra Nikolov vom Landesamt für Schule und Bildung wurde deshalb zu Gunsten des Landes entschieden, da das Gericht es als rechtmäßig angesehen habe, dass für versetzungsgefährdete Schüler Plätze frei gehalten werden dürfen. Diese hätten einen Anspruch auf Verbleib am Gymnasium im Falle der Nichtversetzung und daher einen vorrangigen Anspruch gegenüber den neu aufzunehmenden Schülern. Zudem sei es nicht zu beanstanden, dass zwei Stiefgeschwister als Geschwisterkinder im Sinne des bevorzugten Aufnahmekriteriums eingestuft werden, wenn sie in einem gemeinsamen Haushalt leben. In diesem Verfahren werde das Oberverwaltungsgericht (OVG) Bautzen nochmals entscheiden müssen, da die Eltern bereits Beschwerde eingelegt haben, erklärte Nikolov.

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Niederlage in Bühlau

Bei den drei Schülern am Gymnasium Dresden-Bühlau hatte das Gericht dagegen zuvor schon zu Gunsten der Schüler entschieden (DNN berichteten). Die Schule hatte Schüler unter anderem dann bevorzugt aufgenommen, wenn im Fall einer Ablehnung der einfache Schulweg auf die unzumutbare Zeit von mehr als 60 Minuten anwachsen würde. Unter den aufgenommenen Bewerbern befand sich allerdings ein Schüler, dessen Fahrtzeit exakt 59 Minuten betrug. Das Gericht sah darin einen Verfahrensfehler, der sich auf die Loschancen der klagenden Schüler ausgewirkt habe. Da inzwischen in Bühlau drei Plätze freigeworden waren, stellt die Aufnahme der Kinder kein Problem dar. Weil der Fehler eindeutig gewesen sei, verzichtete der Freistaat auf Rechtsmittel gegen die Entscheidung.

Beschwerde zum Gymnasium Bürgerwiese

Anders sieht das nun beim Gymnasium Bürgerwiese aus. Denn hier zweifelt das Gericht am Losverfahren. Schulleiter Jens Reichel arbeitet mit der Zufallsfunktion im Tabellenprogramm „Excel“. Er lässt dabei die Liste der für das Losverfahren übrig gebliebenen Kinder vom Zufallsgenerator der Technik sortieren und nimmt von dieser Rangfolge soviel Schüler auf, wie er noch unterbringen kann. Dem Richter sei dieses Prozedere jedoch suspekt erschienen, erklärte Reichel auf Anfrage. Dem Schulleiter sei vorgeschlagen worden, es so zu machen wie bei der Auslosung für den DFB-Pokal im Fußball. Die Namen aller für das Losverfahren in Frage kommenden Kinder sollten in eine Lostrommel und dann möglichst öffentlich ausgelost werden. „Da wird es dann langsam grotesk“, meinte Reichel. Er lehre den Kindern als Mathelehrer die Möglichkeiten der Technik und dürfe sie dann nicht anwenden.

Der Freistaat will sich damit auch nicht abfinden. Das Landesamt werde Beschwerde einlegen, erklärte Sprecherin Nikolov, weil das Gericht keinen Auswahlfehler erkannt habe, sondern die Rechtmäßigkeit des Losverfahrens in Zweifel ziehe. Laut Reichel gibt es einen Platz für den Schüler zum Schuljahresstart ab Montag.

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Von Ingolf Pleil

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