Technik

Über 30.000 Jugendliche organisieren ihren Schulalltag mit der Dresdner App „Scoolio“

Mit der Scoolio-App können Schüler beispielsweise Stundenpläne für wechselnde Wochen anlegen. Foto: Heiko Weckbrodt

Mit der Scoolio-App können Schüler beispielsweise Stundenpläne für wechselnde Wochen anlegen. Foto: Heiko Weckbrodt

Dresden. Vom modernen Schüler verlangen die Lehrer einiges Organisationstalent – vor allem ab dem Zeitpunkt, an dem er oder sie das „Upgrade“ in die Oberstufe geschafft haben: Statt starrer Stundenpläne wie früher ist heute Selbstorganisation angesagt, sind Leistungskurse zu wählen und zeitlich abzustimmen und vieles mehr.

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Noten und Hausaufgaben im Blick

Um all dies zu vereinfachen, haben sächsische Studenten in der Dresdner Neustadt im Juni 2016 die Firma „Scoolio“ gegründet und eine gleichnamige App programmiert. Mit dem werbefinanzierten Smartphone-Programm können die Schüler Stundenpläne abstimmen, ihren Notendurchschnitt sowie offene Hausaufgaben im Auge behalten und im Klassen-Chat Nachrichten austauschen.

„Wir haben die App gemeinsam mit Schülern entwickelt“, betonte Scoolio-Mitgründer Danny Roller. „Wir haben dabei immer darauf geachtet, was sie als wirklich nützlich empfinden.“ Der App-Name selbst leite sich von den englischen Worten für Schule (School) und abgebrüht (cool) ab. Und das siebenköpfige Team hat wohl den Nerv der Schülerschaft getroffen: 130 000 Mal wurde die Dresdner App heruntergeladen. Davon nutzen etwa 30 000 bis 40 ­000 Schüler aus ganz Deutschland, der Schweiz, Österreich und Luxemburg die App auch wirklich aktiv, schätzen die Scoolio-Macher.

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Keine Konkurrenz zu Facebook und WhatsApp

Die gute Resonanz im deutschsprachigen Raum mag auch daran liegen, dass die App leicht und intuitiv einzurichten und zu bedienen ist: Beim ersten Start öffnen sich Erklärbildschirme für jedes Funktionsfenster von ,Stundenplan erstellen’ bis ,Chatpartner in meiner Schule und Klasse automatisch finden’.

Die Scoolio-Gründer Martin Hey und Danny Roller zeigen ihre App.

Die Scoolio-Gründer Martin Hey und Danny Roller zeigen ihre App.

Und: Die Programmierer haben auf die Nutzer gehört: „Wir hatten uns zum Beispiel die Funktion ,offene Aufgaben’ ursprünglich wie eine klassische To-Do-Liste für Erwachsene vorgestellt, die sich erst leert, wenn die Aufgaben wirklich abgearbeitet sind,“ erzählt Roller. „Aber die Schüler haben uns klar gemacht, dass es für keinen Sinn hat, wenn sie an bereits überfällige Hausaufgaben, die sie sowieso nicht mehr abgeben können, noch ewig erinnert werden. Und so haben wir das geändert.“

Auch die Chat-Funktion sei keine Konkurrenz zu WhatsApp oder Facebook: Die Schüler vernetzen sich innerhalb der App meist nur über den Klassenverband oder die Schule. „Die Jüngeren wollen ohnehin lieber kleine Communities zum Chatten.“

Die Verlustzone ist verlassen

Die digitale Organisations-App wurzelte übrigens in der analogen, in der Papier-Welt. Der junge Wirtschaftswissenschaftler Roller und weitere Absolventen der TU Dresden wollten die Schul- und Studienplanung vereinfachen. Sie gründeten 2010 die Firma Adscads. Und die brachte ein Papier-Hausaufgabenheft auf dem Markt. Dieser den „Futureplan“ erscheint inzwischen in einer Auflage von einer knappen halben Million Exemplaren. Parallel dazu hatten der Wirtschaftsinformatiker Martin Hay von der Berufsakademie Glauchau zusammen mit gleichgesinnten die Firma „Develappers“ 2013 gegründet, die auf Auftrags-Softwareentwicklung spezialisiert ist. Drei Jahre später fanden beide Teams zusammen und kreierten in Dresden das gemeinsame Unternehmen „Scoolio“, das gewissermaßen den „Futurplan“ in die digitale App-Welt hob.

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Inzwischen ist Scoolio laut eigenen Angaben aus der Verlustzone heraus, die Gründer planen nun auch die internationale Expansion. Einnahmen generiert „Scoolio“ vor allem durch Nachwuchskräfte-, Berufs- und Studienwerbung, die in der gleichnamigen App erscheint.

Indem die Gründer all ihre Firmen – Scoolio, Adscads und Develappers – in Dresden konzentrierten, wollten sie auch ein Fanal setzen: „Wir wollen zeigen, dass man nicht unbedingt nach Berlin ziehen muss, um erfolgreiche App-Unternehmen zu gründen“, betont Roller. „Auch hier kann man etwas auf die Beine stellen, das den Alltag der Schüler verändert und vereinfacht.“

Mehr Infos: www.scoolio.de

Von Heiko Weckbrodt

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