Altstädter Abfangkanal

Stadtentwässerung lässt unter Wehlener Straße Tunnel graben – per Handarbeit

Handarbeit: Taulant Demire mit Schaufel (l.) und Garmina Petro mit einem Luftspaten treiben sechs Meter unter der Wehlener Straße einen Stollen voran.

Handarbeit: Taulant Demire mit Schaufel (l.) und Garmina Petro mit einem Luftspaten treiben sechs Meter unter der Wehlener Straße einen Stollen voran.

Dresden. Langsam geht es unter der Wehlener Straße voran. Das kleine Team Kölner Tunnelbauexperten hat sich eingespielt und treibt sechs Meter unter der belebten Hauptverkehrsader einen Stollen voran. „Ein Kölner Stollen ist etwas ganz anderes als einer aus Dresden“, frotzelt Dirk Höller vom beauftragten Spezialunternehmen Heinrich Wassermann. Und tatsächlich etwas ganz Besonderes: Gearbeitet wird mit Spitzhacke und Schaufel, Maschinenkraft kommt außer bei einem kleinen Bagger, der den Abraum davon schafft, nicht zum Einsatz.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Das ist auch der Grund, warum es unter der Straße quälend langsam voran geht. Im August soll der neue Kanal in Tolkewitz auf 50 Metern Länge fertig sein, nachdem man zum Jahresbeginn mit den Arbeiten angefangen hatte. „Das ist ein wichtiger Lückenschluss im Altstädter Abfangkanal“, sagt Ralf Strothteicher, Technischer Geschäftsführer bei der Stadtentwässerung Dresden.

Ausbau der Wehlener Straße verzögert sich

Der Altstädter Abfangkanal ist der große Kanal, in den alle Abwasserrohre auf Altstädter Seite münden und der weitestgehend parallel zur Elbe bis zur Kläranlage in Kaditz verläuft. 16,6 Kilometer lang ist die vor mehr als 110 Jahren verlegte Röhre, deren Durchmesser sich von 1,70 Meter bis kurz vor Kaditz verdoppelt. 12,5 Kilometer davon sind saniert, was die Stadtentwässerung bislang rund 80 Millionen Euro gekostet hat. In den nächsten Jahren steht vor allem im Abschnitt von der Yenidze bis zur Kläranlage die Erneuerung an – das Ende im Mammutprojekt ist absehbar.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Kanalarbeiten an der Wehlener Straße

Dresden, 18.06.2019: Unter der Wehlener Straße in Dresden werden Kanalarbeiten durchgeführt.

Aber erst muss unter der Wehlener Straße auf Höhe der Tolkewitzer Straße richtig gerackert werden. Von beiden Seiten kommt dort sanierter Abfangkanal an – nur das Stück unter der Straße hatte die Stadtentwässerung in der Hoffnung auf die ursprünglich mal für 2018 geplante grundhafte Straßensanierung ausgespart. Die hätte den Vorteil gehabt, dass die Straße ohnehin aufgegraben und der Kanal relativ unproblematisch neu verlegt werden kann – die übliche Vorgehensweise. Da sich der weitere Ausbau der Wehlener Straße jedoch verzögert, wollte man bei der Stadtentwässerung nicht mehr länger warten.

Tunnelbaustelle ist „hydrologisches Nadelöhr“

„Es geht hier um den Hochwasserschutz“, begründet Geschäftsführer Strothteicher die Eile. Der neue Abfangkanal ist mit zwei Metern Durchmesser doppelt so groß dimensioniert wie der in die Jahre gekommene alte, weshalb Strothteicher von einem „hydrologischen Nadelöhr“ spricht, das vor allem bei Starkregen und einer Elbeflut gefährlich werden könne. Außerdem liegen die neuen Kanäle etwa 20 Zentimeter tiefer als der alte. Abwasser, das im 2016 erneuerten Kanalabschnitt unter der Bellingrathstraße ankommt, trifft so unter der Wehlener Straße auf eine kleine Stufe, staut sich dort zurück. Das kann zu Ablagerungen führen, die bei warmer Witterung müffeln – im Sommer 2018 hatte es deswegen Beschwerden von Anwohnern gegeben, die die Stadtentwässerung ernst nimmt.

Weil der Verkehr der Wehlener Straße durch die Kanalarbeiten nicht gestört werden darf, wird in der Tiefe gerackert. Die Arbeiter sorgen dabei für ein paar Meter Vortrieb – mehr lässt der sandige und daher instabile Boden nicht zu. Deshalb darf auch nur von Hand gearbeitet werden. Es folgen sofort eine ringförmige Stahlbewehrung, die mit schnell härtendem Spritzbeton ausgefüllt wird. Derart gesichert kann der Stollen mit einem Innendurchmesser von 2,70 bis drei Metern weiter vorangetrieben werden – Zentimeter für Zentimeter. Ist er fertig, wird ein Rohr aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) eingeschoben, das einen Innendurchmesser von zwei Metern hat. Der Raum zwischen Stollen und Rohr wird anschließend mit einem Fließbeton verfüllt – fertig ist der neue Abschnitt Altstädter Abfangkanal. Mit Gesamtkosten von 2,5 Millionen Euro ist es auf den Kanalmeter gerechnet die teuerste Baustelle der Stadtentwässerung.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Von Uwe Hofmann

Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen