Gerichtsverfahren

Sohn würgte seine Mutter und räumte ihr Konto ab

ARCHIV - Eine Statue der Justitia mit einer Waage in ihrer Hand (Archivfoto vom 08.10.2012). Eigentlich ist die Wahrheit vor Gericht nicht verhandelbar. Doch beim «Deal» im Strafprozess ist das manchmal anders. Nun entscheidet das Bundesverfassungsgericht. Foto: David Ebener/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ Rechtstipp: Neuer Job in alter Firma

ARCHIV - Eine Statue der Justitia mit einer Waage in ihrer Hand (Archivfoto vom 08.10.2012). Eigentlich ist die Wahrheit vor Gericht nicht verhandelbar. Doch beim «Deal» im Strafprozess ist das manchmal anders. Nun entscheidet das Bundesverfassungsgericht. Foto: David Ebener/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ Rechtstipp: Neuer Job in alter Firma

Dresden. Nur Mütter können ihren Kindern wohl fast alles vergeben und verzeihen. Die 56-Jährige Mutter des Angeklagten entschuldigte sich am Dienstag vor dem Amtsgericht fast dafür, dass sie ihren Sohn angezeigt hatte und es deshalb zu einer Verhandlung kam. Die Staatsanwaltschaft warf ihrem Sohn Betrug, Urkundenfälschung, Körperverletzung, Beleidigung, Sachbeschädigung und Verstoß gegen das Gewaltschutzgesetz vor.

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Marcel H. war wirklich kein „Goldsohn“. Im Gegensatz zu seiner Mutter, die hart arbeitet, ließ er es locker angehen: Ausbildungen abgebrochen („Ich kam mit dem Ausbilder nicht klar“), Jobs hingeschmissen („Die Arbeit hat mir nicht entsprochen“), zu faul zum Amt zu gehen, um „Stütze“ zu beantragen „Ich habe mich hängen lassen und in den Tag hinein gelebt.“ Er residierte im „Hotel Mama“, ließ sich versorgen und räumte zum Dank ihr Konto leer und attackierte sie.

Er fälsche auf Überweisungsträgern ihre Unterschrift und überwies sich ratenweise 2600 Euro – Geld, das seine Mutter, die nicht viel verdient und auch noch ihren faulen „Filius“ durchbringen musste, dringend fehlte. „Ich habe versucht, so zu wirtschaften, dass es über den Monat reicht. Das war nicht immer einfach.“ Sprach sie ihn auf das geklaute Geld an, wurde er „ungehalten“, beschimpfte sie („alte Hexe“, „Drecksvieh“), würgte die zierliche Frau oder verpasste ihr eine Kopfnuss. Aus Wut (der Kühlschrank war nicht nach seinen Wünschen gefüllt) demolierte er Türen in der Wohnung oder zerschlug ihre Brille. Die 56-Jährige hatte per einstweiliger Verfügung erreicht, dass ihr Sohn ihre Wohnung nicht mehr betreten darf, als der woanders rausflog, nahm sie ihn aber doch wieder auf.

Der Arbeitslose hat jetzt eine eigene Wohnung und das Verhältnis zwischen beiden hat sich gebessert. Sie hat ihm verziehen und ist dankbar für alles, selbst für Selbstverständlichkeiten wie eine Entschuldigung. Deshalb zog sie am Dienstag auch die Strafanzeige wegen der Geldabhebungen zurück. Der Vorwurf wurde eingestellt, ebenso der Verstoß gegen das Gewaltschutzgesetz, da sie ihn ja in ihrer Wohnung geduldet hatte.

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So kam Marcel H. mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen à zehn Euro davon, die sich die Richterin mit viel Bauchschmerzen abrang. „Eine sehr verwerfliche Tat. Um die eigene Mutter zu würgen, muss man ziemlich unten angekommen sein. Ich hoffe, das ihre Wandlung dauerhaft ist, vor allem für ihre Mutti.“

Von Monika Löffler

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