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Dresden-Neustadt

Scheunevorplatz – Kultur gegen Kriminelle und Krakeeler

Ende April haben der Hip-Hopper Alphonzo und DJ Smoothinsky den Scheunevorplatz bespielt. Im Mai wird dort alle drei Tage etwas geboten.

Ende April haben der Hip-Hopper Alphonzo und DJ Smoothinsky den Scheunevorplatz bespielt. Im Mai wird dort alle drei Tage etwas geboten.

Dresden."Ich sage immer, das ist wie ein Bahnhofsplatz ohne Bahnhof", sagt Olaf Hornuf. Seit knapp einem Jahr ist er für den Vorplatz des Neustädter Kulturhauses Scheune verantwortlich – und damit für eines der am stärksten mit Problemen beladenen Pflaster im sonst so beschaulichen Dresden. Das wird gerade jetzt deutlich, wo die warme Jahreszeit beginnt: Dann gesellen sich zu den Drogenverkäufern und ihren Kunden kleine Gruppen Jugendlicher, die oft aus anderen Stadtteilen und weniger behüteten Elternhäusern kommen, wie Hornuf sagt. Meist bleiben sie harmlos, mitunter aber schlagen sie Krawall. Hinzu kommen Punks und Wohnungslose, von denen einige immer wieder mal auf den Treppen der nahen Turnhalle der Dreikönigsschule übernachten. "Und am Wochenende werden Partytouristen Teil des Problems, sie grölen, sie trinken und sie prügeln", sagt Hornuf. Und wenn sie sich bis zur Besinnungslosigkeit betrunken haben und eingeschlafen oder wehrlos sind, werden sie ausgeraubt – immer wieder vor der Haustür der Scheune, in der Hornuf ein kleines Büro bezogen hat.

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Olaf Hornuf ist seit knapp einem Jahr für den Scheunevorplatz verantwortlich. Sein Ansatz: Mit Kultur und niederschwelligen Angeboten will er Publikum auf die Pflasterfläche locken und damit Drogenhändler und Krawallmacher verdrängen. Nach viel Experimentieren nimmt er in diesem Jahr richtig Schwung.

Olaf Hornuf ist seit knapp einem Jahr für den Scheunevorplatz verantwortlich. Sein Ansatz: Mit Kultur und niederschwelligen Angeboten will er Publikum auf die Pflasterfläche locken und damit Drogenhändler und Krawallmacher verdrängen. Nach viel Experimentieren nimmt er in diesem Jahr richtig Schwung.

25 Stunden monatlich soll er sich im Auftrag der Stadt mit dem Teil des Problems befassen, der sich durch Sozialarbeit und Polizeiliche Maßnahmen nicht in den Griff kriegen lässt. „Das langt natürlich nicht, aber es ist ein gutes Experiment, das die Stadt hier unternimmt“, meint Hornuf. Die hat sich darauf verlegt, eigentlich abstrakten Verantwortlichkeiten konkrete Gesichter zu verleihen. Hornuf ist nur einer von drei Kümmerern in der Neustadt. So soll

Ulla Wacker im BRN-Büro

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verhindern, dass

das Anmeldechaos zum Stadtteilfest

im vergangnen Jahr keine Neuauflage erfährt. Im Container an der Ecke Louisen- und Alaunstraße hat neben ihr auch

Neustadtkümmerin Manuela Möser

als Ansprechpartnerin für alle Belange des Szeneviertels Platz genommen.

Hornuf kommt eigentlich aus dem Veranstaltungs- und Musikmarketing. Auf dem Scheunevorplatz muss er Kümmerer sein, Problemlöser und ein bisschen auch Architekt. "Wir mussten hier als erstes die Sichtachsen brechen", sagt er über den langezogenen Vorplatz, der bei Sonnenschein schnell heiß, ansonsten zugig kalt ist. Gemüsestand und Falafelwagen haben seither die Rückkehr an ihren angestammten Platz gefeiert, nachdem der lange Pflasterschlauch nach seiner Sanierung zunächst frei bleiben sollte. "Wir haben hier ein paar Inseln geschaffen, der Platz war immer Treffpunkt und soll das auch bleiben", sagt Hornuf über den Kniff, den ihm vor allem Anwohner und alteingesessene Neustädter danken.

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Genau darum geht es dem Verantwortlichen: Er will „normales“ Publikum auf den Platz locken, was in diesem Fall die typische Neustadtmischung meint: die Mutter mit Kindern, den Tagträumer, den Frührentner aus Hausbesetzertagen, die Studenten-WG, den Jungunternehmer. Wo sie sich tummeln, so die Überlegung, bleibt weniger Platz für dunkle Geschäfte und gewalttätige Ausbrüche.

Noch ist der Scheunevorplatz immer wieder gerade am Wochenende Schauplatz von Schlägereien, wer genau hinsieht kann offene Drogengeschäfte beobachten. "Die Situation bessert sich aber langsam", sagt Hornuf. Sein Mittel: Kultur.

„Ich habe es zunächst über niederschwellige Angebote versucht, die von Anwohner getragen werden“, sagt er. Mit eher mäßigem Erfolg. Zwar gibt es gute Ansätze wie den „Chor Spontan“, der sich einmal im Monat trifft und nach kurzer gemeinsamer Probe ein Lied zum besten gibt. Mitmachen kann dabei jeder, derzeit sind es 50 bis 60 Leute. Aber diese, von Anwohnern getragenen Veranstaltungsformen sind noch zu wenige.

Also versucht Hornuf mit seinem schmalen Budget zu bewegen, was geht. Vieles sei dabei über Kooperationen möglich, sagt er. Etwa mit dem Dresdner Musikverlag „Oh my Music“, der den Scheunevorplatz regelmäßig als „showcase“ – Schaufenster – nutzen will. Am 31. Mai, 19.30 Uhr, tritt unter diesen Vorzeichen der Dresdner Soul-Künstler Rany auf. Zuvor, am 14. Mai, 14 Uhr, ist die Sächsische Staatskapelle bei „Ohne Frack auf Tour“ zu Gast. Am 15. Mai, 19 Uhr, lässt das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung über den „Experimentierraum Zukunftsstadt“ diskutieren, am 20. Mai, 11 Uhr, gibt es Konzerte von Liedermachern, am 25. Mai, 21 Uhr, eine Kopfhörerdisko. Alles ohne Eintritt. Dazwischen locken ein Flohmarkt am 20. Mai und der Gartenflohmarkt „Crowd & Rüben“ am 12. Mai, bei dem Anwohner Zöglinge, eingekochte Marmeladen und Gartengerät ohne Standgebühr anbieten können (Anmeldung: E-Mail raumlabor@scheune.org) Besucher auf den Platz.

„Alle drei Tage eine Veranstaltung ist viel“, sagt Hornuf. „Das heißt aber trotzdem, dass die meiste Zeit hier nichts passiert“, fügt er an. Ihm wäre es lieb, wenn sich Gruppen zum regelmäßigen Treff auf dem Vorplatz fänden, etwa eine Tischtennisrunde. „Wenn es Verantwortliche gibt, stellen wir dafür gerne Platz und Material bereit“, sagt Hornuf. Ideen gibt es viele, man muss den Vorplatz nur mit seinen Augen sehen: als Freiraum.

Von Uwe Hofmann

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