Nahverkehr

Rot-grün-rot will Bus und Bahn in Dresden massiv ausbauen

Die rot-grün-rote Mehrheit im Dresdner Stadtrat will das Angebot der DVB noch attraktiver machen. Falls nötig, sind Linke, Grüne und SPD auch bereit, dafür den Zuschuss an die Verkehrsbetriebe zu erhöhen.

Die rot-grün-rote Mehrheit im Dresdner Stadtrat will das Angebot der DVB noch attraktiver machen. Falls nötig, sind Linke, Grüne und SPD auch bereit, dafür den Zuschuss an die Verkehrsbetriebe zu erhöhen.

Dresden. Weniger Autos, mehr Busse und Bahnen: Die rot-grün-rote Stadtratsmehrheit will den Nahverkehr in Dresden noch attraktiver machen und dazu das An­gebot der Dres­dner Verkehrsbetriebe (DVB) massiv ausbauen. Ein ambitioniertes Vorhaben, für das an vielen Schrauben gedreht wer­den muss – und das vor allem Geld ko­stet. Die Fraktionen von Linken, Grünen und SPD wollen jetzt per Antrag im Stadtrat OB Dirk Hilbert (FDP) beauftragen, zu­nächst ein Strategiepapier auszuar­beiten. Ideen, wie das Ziel er­­reicht wer­den kann, liefert Rot-grün-rot gleich mit. Die DNN erklären, was die Fraktionen vorhaben – und wie sie das Ziel erreichen wollen.

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Der Plan: Bis zu 40 Millionen mehr Fahrgäste in den nächsten zwölf Jahren.

Im vergangenen Jahr haben die Dresdner Verkehrsbetriebe 160 Millionen Menschen chauffiert. Ein Top-Wert, trotzdem sehen die Fraktionen erhebliches Stei­gerungspotenzial. Bis 2030 wollen sie die Fahrgastzahlen bei den DVB von jetzt 160 Millionen Mitfahrern im Jahr auf 185 bis 200 Millionen nach oben drücken,so den Autoverkehr verringern. Derzeit le­gen die Menschen in Dresden etwa je­den fünften Weg mit öf­fentlichen Verkehrsmitteln zurück. In zwölf Jahren, so der Wunsch, könnte es dank eines attraktiveren Nahverkehrs jeder vierte, idealerweise sogar jede dritte Weg sein.

Das Vorgehen: Stadt soll bis Ende des Jahres Strategiepapier ausarbeiten

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In dem Antrag wird die Verwaltungsspitze aufgefordert, bis Jahresende eine Stra­tegie auszuarbeiten, wie das Ziel um­gesetzt werden kann – und was die einzelnen Ideen in ihrer Umsetzung kosten. Die Stadträte haben ein Dutzend Vorschläge aufgelistet. „Vieles davon ist be­reits in der Diskussion“, so Hendrik Stalmann-Fi­scher (SPD). Es gehe darum, die Ideen zu ordnen und Leitlinien festzuzurren. Grünen-Stadtrat Jo­hannes Lichdi ver­­weist auf das von Rot-Grün-Rot auf den Weg gebrachte Radwegekonzept: „Das ist jetzt die Weichenstellung für den ÖPNV. Wir wollen uns damit als Stadt Ziele setzen.“

Kernforderung 1: Zügiger Ausbau des Straßenbahnnetzes

Rot-Grün-Rot fordert eine rasche Um­setzung der bereits gefassten Beschlüsse zu dem Tramprojekten von Löbtau nach Strehlen und in die Johannstadt. Zudem sollen die Strecken der vielgenutzten Linien 3 und 7 komplett so ausgebaut werden, dass dort neue, breitere Straßenbahnen fahren können. Davon profitieren laut Hen­drik Stalmann-Fi­scher auch andere Linien: „Die langen Wagen von den Linien 3 und 7 könnten dann dort fahren, wo heute noch die kürzeren Stadtbahnwagen zum Einsatz kommen.“

Kernforderung 2: Prüfung neuer Be­triebs- und Linienkonzepte bei Bussen

Vor allem bei den Bussen haben die Rä­te noch erheblichen Verbesserungsbedarf erkannt. Bis zu 6000 Fahrgäste zusätzlich am Tag seien drin, sagen die Politiker und verweisen auf existierende Planspiele. Dabei gehe es vor allem um Querverbindungen, die nicht das Stadtzentrum an­steuern. Hen­drik Stalmann-Fi­scher führt als Beispiel eine Verbindung von Pieschen über die Flügelwegbrücke nach Plauen auf. Bei diesen Verbindungen setzen viele Menschen aufs Auto, weil attraktive Di­rektverbindung mit den Öffis bislang fehlen, ist der SPD-Mann überzeug. Zudem streben die Fraktionen so genannte Quartierbusse an. Mini-Busse, die auf den kleineren Straßen in den Stadtteilen unterwegs sein können und bei Bedarf vom Smartphone angefordert werden können.

Kernforderung 3: Anreize über neue An­gebote im Tarif

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Eine Stellschraube ist aus Sicht der An­tragssteller auch die Gestaltung des Tarifs. Sie fordern attraktive An­gebote, die zum Umsteigen bewegen sollen. Zwar stecke Dresden im Tarif-Korsett des Verkehrsverbundes. Die Einführung des Sozialtickets habe aber gezeigt, dass sich durchaus etwas bewirken lässt, sagt Jens Matthis (Linke). Die Tatsache, dass Abo-Kunden ab 1. August dann auch unter der Woche ab 18 Uhr eine zweite Per­son auf der Monatskarte mit­nehmen dürfen, sei ein weiteres gutes Beispiel: „Das ändert nichts am Fahrpreis, verbessert aber das Angebot.“

Kernforderung 4: Bessere Verzahnung des Nahverkehrs mit dem Umland

Zu wenig Angebot sieht Rot-Grün-Rot aktuell auch noch auf wichtigen Verbindungen ins Umland – beispielsweise in Ri­chtung Bannewitz oder über die Hansastraße in Richtung Norden. Die Räte betonen, keinen Ausbau des Straßenbahnnetzes in die Region anstreben zu wollen. Dafür sollen aber bestehende Busverbindungen weiter gestärkt werden.

Die Kosten: Rot-Grün-Rot ist bereit für hö­here Zuschüsse an die DVB

Dass die Ideen allesamt Geld ko­sten, ist den Stadträten bewusst. In dem Strategiepapier soll die Verwaltung die Kosten und den personellen Bedarf aufzeigen. „Wir werden Maßnahmen bekommen mit ei­nem Preisschild und Aussagen zum Ef­fekt, die sie haben“, sagt Martin Schulte-Wissermann (Piraten, Mitglied der Linksfraktion). Sollten überzeugende, deutliche Angebotsverbesserungen einen hö­heren Zuschuss verlangen, ist dies dem Stadtrat zur Entscheidung vorzulegen, heißt es in dem Antrag. Im Klartext: Rot-Grün-Rot ist durchaus bereit, den jetzigen jährlichen Zuschuss von 40 Millionen an die DVB bei Bedarf aufzustocken.

Von Sebastian Kositz

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